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2016 – Von Strafzinsen bis zur US-Wahl

Die Welt verändert sich. Was trivial anmutet, sollte bei genauerer Betrachtung eine wesentlich größere Gewichtung erfahren, wenn man die Ereignisse in diesem Jahr auf sich wirken lässt. Virtual und Augmented Reality erobern das Technologiewesen – Pokémon Go sei hier genannt – und in den Vereinigten Staaten von Amerika schafft es entgegen jeglicher Prognosen ein Immobilienriese ins Weiße Haus. Ach, und für die Bankbranche: Die Aktie der Deutschen Bank erreichte ein Rekordtief. Im Westen nichts Neues? Ganz so einfach ist es nicht. Ein Kommentar.

Von Christian Grosshardt - 19. Dezember 2016

Bildnachweis: iStock.com/franckreporter

Spannend und teilweise verstörend waren die Bilder, die sich dem aufmerksamen Fußgänger in diesem Sommer auf den Straßen boten: Sowohl Kinder als auch Erwachsene jagten mit ihrem Smartphones die in den 90er Jahren sehr populären Pokémon aus dem Hause des japanischen Spieleherstellers Nintendo. Obwohl die Fachpresse das Spielprinzip als nicht wirklich langfristig motivierend beurteilte, brach pünktlich zur Ferienzeit ein regelrechter Hype aus (man stelle sich vor, dass eine Banking-App eine solche Reaktion hervorrufen könnte). Zum ersten Mal schien die Verbindung der realen und der virtuellen Welt als Massenphänomen zu funktionieren. Sogar die Märkte reagierten: Die Nintendo-Aktie schoss plötzlich durch die Decke. Ironischerweise verlor sie aber auch sehr schnell wieder an Wert, nachdem die Vorstandsetage in der Öffentlichkeit zu Protokoll gab, dass man im Rahmen von Pokémon Go „nur“ als Publisher vertreten war, während als Entwicklerstudio die Niantic Inc. fungierte. Anleger, welche die Aktie früh genug verkauften, dürften sich trotzdem gefreut haben. In jedem Fall beherrscht der Begriff „Augmented Reality“ den Globus und alle IT-Riesen proben das innovative Armageddon. Im Notfall funktionalisierte man Katzenvideos, um den potentiellen Kunden für neue Angebote zu begeistern.

Commerzbank 4.0

Die Technisierung der Welt ist unaufhaltsam und jede Branche versucht, auf den Zug aufzuspringen. Die Deutsche Bank, die 2016 den größten Tiefstand ihres Wertpapiers verzeichnen musste, rief dafür eigens die „Digitalfabrik“ ins Leben. Ein sehr konkretes und bereits lebendiges Projekt. Die Commerzbank verkündete dagegen ihre Pläne zum Personalabbau unter dem vielsagenden Strategienamen „Commerzbank 4.0“. Jeden fünften Mitarbeiter soll es treffen. Genauer definiert sind die Zahlen jedoch nicht. Sie zeigen nur, in welche Richtung sich auch die Bankbranche zu entwickeln scheint. Weniger Personal, dafür mehr automatisierte Prozesse. Weniger persönliche, dafür zentralisierte Anlaufstellen. Radikaler kann man kaum sparen. Und wer möchte schon nicht sparen?
Sparen ist teuer

In Bezug auf das Anhäufen von Geldern auf dem Girokonto hat dieses Jahr auch eine interessante Entwicklung mit sich gebracht: Die Niedrigzinsphase zwang erste Kreditinstitute dazu, von ihren Privatkunden Strafzinsen einzufordern. Vorreiter ist die Raiffeisenbank Gmund am Tegernsee, die von Kunden ab einer Giroeinlage von mehr als 100.000 Euro einen Strafzins von 0,4 Prozent erhob. Alternativlos für Vorstand Josef Paul. Die Gelpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), welche in diesem Jahr den Leitzins zum ersten Mal auf 0,0 Prozent gesenkt hatte, erfordert die Entrichtung überschüssiger Einlagen von eben 0,4 Prozent an die Notenbank. Kunden mussten in der Folge ihre auf dem Girokonto dahinvegetierenden Euronen anders „parken“. Sonst wäre diese Form des Sparens eine sehr teure.

US-Wahl lässt Aktien-Seismographen ausschlagen

Ein politisches Beben verzeichnete die Welt am 8. November:  Aus der 58. Präsidentschaftswahl der Vereinigten Staaten von Amerika ging Donald Trump als designierter Sieger hervor. Dabei hatte der 70-jährige Unternehmer in der Vergangenheit weniger durch fundierte politische Aussagen geglänzt als durch teilweise sehr offensive Äußerungen auf seinem Twitter-Account. Dieser trägt den vielsagenden Namen „realDonaldTrump“. Vielleicht war es gerade diese „Realness“ – also die Authenzität –, die seiner Konkurrentin um das höchste Amt im Staat, Hillary Clinton, fehlte. Zu glatt, zu kalt, zu sehr im Establishment verstrickt, lauteten einige der Vorwürfe, die nicht nur Donald Trump in der Öffentlichkeit immer wieder kommunizierte. Ob Trump mit diesen Vorurteilen in Washington aufräumt, sei einmal dahingestellt.
Im Januar wird dieser Mann nun die Nachfolge Barack Obamas im Weißen Haus antreten. Die Aktienmärkte reagierten, beruhigten sich aber auch schnell wieder, nach dem ersten gemeinsamen (handzahmen) Auftritt mit Obama als Einstimmung auf die Übergabe der Regierungsgeschäfte. Das Regieren wird ihm in jedem Fall leichter als seinem Vorgänger gemacht. Schließlich wird der Kongress ebenfalls von den Republikanern kontrolliert, was für die Demokraten trotz eines Präsidenten aus ihrem Lager die Gesetzesverabschiedung in den vergangenen Jahren deutlich erschwerte. „Make America great again!“, war Trumps Slogan im Wahlkampf. Jetzt muss er liefern, wobei er beste diplomatische Voraussetzungen mit sich bringt: Donald Trump ist seit 2013 Mitglied der WWE (World Wrestling Entertainment) Hall of Fame. Es wird höchste Zeit, ein Katzenvideo zu schauen.

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