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Die Gier der Banker – Ein Geschäftsmodell?

Von Jürgen P. Müller - 02. Juni 2015

Gehört die Gier zum Geschäftsmodell? Wer sind Banker und müssen sie Gier als Charaktereigenschaft ausüben? Braucht die Gier der Banker die der Anleger? Fragen über Fragen.

Gierige Banker verbrennen das Geld von Anlegern, so stand es 2013 im FOCUS. Sind Banker gierig oder können sie nicht anders? Ist die Gier somit in der Natur der Banker fest verankert? Sind sie frei oder deterministisch veranlagt? Professor Dr. Christian Elger von der Uni Bonn versucht Hirnforschung, Wirtschaftswissenschaft und Psychologie in Einklang zu bringen.
Laut Josef Joffe sollen Banker Boni kriegen, aber bei Versagen zur Kasse gebeten werden. Wenn wir dies hinnehmen, fragen wir, ob Banker mit Gier nach Finanzkraft für das Institut arbeiten oder mit Gier auf Provision. Gehälter sollen durch die Aktionäre bestimmt werden. Beim Hinsehen tauchen Fragen auf. Über welche Gier sprechen wir – oder wer? Es gibt Geschäftsherren und Arbeitgeber, die den Banker verpflichten. Wissen das die Anleger oder wollen sie dessen Gier, um daran teilzuhaben? Arglist beginnt, wenn Banker beginnen, sich Berater zu nennen – seit dem 01.August 2014 nur dann, wenn vom Anleger im Namen des Instituts Festhonorare verlangt werden.

Grundlagen des Geschäfts der Banker

Banker arbeiten im Bankinstitut, für den Arbeitgeber, für das Gehalt und bei Erfolg für Tantiemen. Diese können über die Einkünfte von Anlegern hinausgehen, ohne dass ihnen  Gier unterstellt wird. Der Markt ist es letztendlich, der die Preise von Waren und Dienstleistungen in Form von Gehältern und Tantiemen. Wenn Institute diese als adäquat betrachten, werden sie zahlen – nicht mehr und auch nicht weniger.
Erziehen Institute Banker zu Gier und Exzess? Wollen Institute Abzockerei verhindern? Oder schreckt die nächste Blase, die platzen könnte, wie alle seit dem berühmten „Tulpenwahn“ im 17. Jahrhundert, als eine Zwiebel so viel brachte wie ein Wohnhaus. Geld ist, was letztlich als Geld akzeptiert wird.
Banker im Berufs- und Kulturvergleich

Kenneth Rogoff von der Harvard University schrieb: „This time is different“.  Die Antworten beruhigen nicht. Der Lissabonner EU-Vertrag verbietet die staatliche Lohn-Reglementierung; folglich wird vor den Gerichten landen, was die Finanzminister wollen. Aber warum soll ein Fußballer Millionen an Begrüßungsgeld kriegen, der brillante Banker aber nicht? Preise, die per Ukas oder Volksentscheid festgesetzt werden, sind nicht „nachhaltig“ – ob für Güter oder Arbeit?
Was müssen Banker tun, um mit Konsequenz die Gier zu zeigen, für die sie bezahlt werden? Gier ehrt, denn Banker vergleichen nicht Äpfel, die sie heute besitzen, mit Birnen, die sie morgen bekommen sollen – pardon: Treffer im Fußball (Erfolg fürs Volk) mit Ablösesummen für Fußballer – Geld, damit sie treffen! Banker leben eine Kultur der Gier; Fußballer zeigen Gier, versprechen dafür Leistung – und vielleicht Kultur. „Gier ist gut“, bekräftigte der Finanzjongleur Michael Douglas in „Wall Street“. Müssen Banker andere über den Tisch ziehen oder wird deren Verhalten durch Job und Bankkunden begünstigt?

Definitionen von Gier und Glück

Gier ist negativ konnotiert – als Habsucht, Raffsucht oder Streben nach Materiellem. Kulturen Mitteleuropas sehen Gier im Streben nach Besitz – eines Fahrzeuges von Wert mit Misstrauen: Woher hat der das Geld? In Osteuropa oder USA wird Bewunderung geweckt. Im Osten Asiens verlangt die Kultur der Sinologie diese Erfolgserlebnisse.
Gier empfinden wir als „krankhaft“, weil wir Maßhalten fördern. Glück ist, dass Fußballer Honorarzusagen vor ihrer Leistung erhalten – Rückgabe ausgeschlossen. In Fußballstadien wollten wir nie das Honorar der 22 den Ball Suchenden hinterfragen. Verweigern? – ach ja: Sie haben es schon.
Glück wird dem Banker nicht zugestanden. Er zeigt Professionalität als Zweck auch bei Misserfolg – der Bank oder des Kunden? Wirtschaftsethik bezieht sich auf Vierteilung im Mittelalter: Eine Zweiteilung würde ausreichen, um den Willen von Bank und Kunde(n) zu erfüllen.
Die Finanzkultur des Letzteren: Gier – Anspruch genannt – bitte zu Lasten des Instituts, denn das verdient! Soziale Normen der Banken tolerieren dieses Verhalten und tragen zu deren Reputationsverlust bei (vgl. Elger). Banker müssten bestraft werden, wenn sie schlecht wirtschaften – wer zahlt die Boni? Fußballer sind bestraft, denn sie haben die Ablöse vorher bekommen. Wirkt eine Strafe für Gier & Exzess als Nachhaltigkeit? Kann sie „Abzockerei“ verhindern?

Wegweisungen

Banker sollten den Eid des Hippokrates der Mediziner zum Vorbild nehmen und sich einen Ethik-Schwur verordnen (vgl. Alain Cohn). Wie könnten Boni – statt für Profite – für Moral (Verhalten) und Ethik (Handeln) gezahlt werden? Nach Philosophen bleibt die Freiheit des Handelns erhalten – auch für Politiker (Villeva, M. Uni Lyon). Sie prüft, ob deren Ehrlichkeit mit Chancen leidet, wenn sie sich Vorteile durch ihr Handeln verschaffen. Das Volk hat – wie zu Bankern – Meinungen, setzt Ethik, Gier und Moral für Banker und Politiker gleich.
Nach dem Vortrag von Professor Elger an einem Platz der Bildung in Frankfurt – der Stadt der Banker – gab es Fragen zur Wirtschaftsethik:
„Können wir nicht aufhören Studierende mit Wirtschaftsethik zu belasten und sie zur Leistung führen?
Der Beifall dauerte an.

Bildnachweis: Achim Prill via istockphoto.de

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