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Die großen Crashs 1929 und 2008. Warum sich Geschichte wiederholt

Von Christian Grosshardt - 16. Oktober 2015

Autor: Barry Eichengreen

Euro: 34,99

560 Seiten, gebunden

ISBN: 978-3-89879-890-7

FinanzbuchVerlag München

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Die großen Finanzkrisen aus den Jahren 1929 und 2008 werden in der Geschichte der Weltwirtschaft immer eine große Rolle spielen. Interessanterweise gleichen sich die beiden Crashs wie ein Ei dem anderen. Dieser Ansicht ist zumindest Barry Eichengreen, denn seiner Meinung nach entstanden beide „infolge eines krassen Kreditbooms, dubioser Bankenpraktiken sowie eines fragilen Finanzsystems“. Aus diesem Grund schrieb der renommierte Analytiker diesen als Sachbuch getarnten Wirtschaftskrimi. Die handelnden Personen erscheinen auf den 560 Seiten als Protagonisten im Zeitraum der größten Wirtschaftskatastrophen und werden vom Autor völlig zu Recht in einem 31-seitigen Dramatis Personae aufgelistet.
Eichengreen beginnt seine Reise durch die Geschichte in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts und stellt die Grundvoraussetzungen, u.a. die Aktienmanie, für die erste Krise plakativ dar. Geradezu kleinschrittig kommentiert er die globalen Versuche der Regierungen, diese zu meistern. Dabei erfährt der Leser nebenbei jede Menge Wissenswertes über das amerikanische Banksystem. Doch auch Europa und die furchtbaren Auswirkungen werden detailliert geschildert und analysiert. Eichengreen nimmt in keiner Phase ein Blatt vor dem Mund, sondern verdeutlicht seine Meinung durch fundierte Belege. So nimmt er auch das eingeführte Zentralbankwesen in Schutz, wenn er den Vergleich zwischen 1929 und 2008 zieht. Eine Untätigkeit nach dem Einbruch der Lehman-Pleite seitens der Banken wäre wohl kontraproduktiv gewesen. Dies zeigt schon die Tatsache, dass eine schwere globale Depression vor sieben Jahren und auch danach eigentlich ausblieb. Denn während 1929 das weltweite Bruttoinlandsprodukt um 15 Prozent sank, betrug der Verlust 2009 gerade mal 3,5 Prozent.

Regulierung als Testament der Banken zu Lebzeiten

Nach der Krise 2008 wollten die Parlamente ein zweites 1929 um alles in der Welt verhindern. Das Ergebnis ist die Regulierung der Banken, über die Eichengreen sehr treffend sagt, dass sie wie ein „Testament zu Lebzeiten“ zu verstehen ist, da Geldhäuser aufzeigen müssen, wie das Business im Falle einer Pleite abgewickelt wird – gleich einer Bedienungsanleitung für den worst case. Was aus den Trümmern des implodierten Immobilien-Booms übrig blieb, nennt der Autor den Versuch zur Normalisierung in einer abnormalen Wirtschaft. Dabei lässt der 63-Jährige kein gutes Haar an der europäischen Währungsunion, da die Europäer in seinen Augen lange daran gearbeitet hätten, „die Dinge so schwierig wie möglich zu machen“. Den Beitritt eines chronisch mit Finanzproblemen geplagten Griechenland ist in diesem Kontext nur eines seiner vielen Beispiele.
Am Ende konstatiert Barry Eichengreen, dass die modernen Politiker aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt hätten. Sein Stichwort hierzu ist das Zentralbankwesen. Allerdings prognostiziert er bereits die nächste Krise in weniger als 80 Jahren. Sie möchten wissen, welche Indizien Eichengreen dafür sieht? Dann lesen Sie sein Buch, denn selten wurde Wirtschaftsgeschichte so spannend erzählt und gleichzeitig analysiert. Schließlich kann man aus der Geschichte lernen. Oder wie der Autor sagt: „Die Vergangenheit ist eine reiche Quelle von Analogien, die Wahrnehmungen prägen und politische Entscheidungsfindung beeinflussen.“

Bildnachweis: FinanzbuchVerlag

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