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Maas‘ Kampf gegen hohe Dispozinsen

Von Julian Achleitner - 12. März 2014

Justizminister Heiko Maas will Banken und Sparkassen verpflichten, die Höhe der Dispozinsen der Konkurrenz zu veröffentlichen. Mit diesem Schritt strebt er nach mehr Transparenz.

Der Justizminister hat zurzeit Großes vor. Die eine Änderung, die Überarbeitung des 1941 verabschiedeten Mordparagraphen, wird im Schnitt nur 800 Bürger jedes Jahr betreffen. Anders verhält es sich mit Maas‘ zweiter Forderung, gegen die teilweise schon sehr hohen Dispozinsen so mancher Banken vorzugehen. Hat er mit diesem Unterfangen Erfolg, trifft dies eindeutig mehr Menschen als nur diejenigen, die sich wegen Mordes vor Gericht verantworten müssen.

Hierbei will der Saarländer Maas weniger die Höhe der Überziehungszinsen juristisch regeln, vielmehr strebt er nach mehr Transparenz. Banken und Sparkassen sollen gesetzlich verpflichtet werden, über die Höhe der Zinsen anderer Kreditinstitute zu informieren. Der Justizminister will die Banken verpflichten, die Höhe der Zinsen für einen Dispositionskredit der Konkurrenz auf ihren Homepages zu veröffentlichen. Die Bekanntgabe soll explizit nicht in einer Broschüre erfolgen, welche in den Filialen ausliegt. Indem nun jeder von zuhause aus die Informationen abrufen kann, soll die notwendige Transparenz entstehen. Diese, so die Hoffnung des Bundesministers, führt zu einer regulierenden Wirkung des Marktes.

Maas‘ Forderungen bestehen nicht ganz zu Unrecht. Den Kunden in Zeiten billigen Geldes hohe Dispozinsen abzuverlangen, ist schwer zu vermitteln. Wenn manche dies als Abzocke bezeichnen, ist dies nachvollziehbar. Es ist eh fraglich, ob Maas Intention in Gänze erfüllt wird. Verfechter der Theorie vom Homo oeconomicus aufgepasst! Der Mensch agiert nicht ausschließlich nach wirtschaftlichen Motiven. Auf dem Land besitzen Volksbanken und besonders Sparkassen bekanntlich ein Monopol, große Privatbanken sucht man meist vergebens. Von der fehlenden Konkurrenz mal abgesehen, kennen die dortigen Mitarbeiter und Direktoren viele ihrer Kunden persönlich und nehmen an ihrem Leben teil. Die positiven Auswirkungen dieser Art der Kundenbindung sollte nicht unterschätzt werden. Nicht wenige Kunden ist dies lieber als einige wenige Prozentpunkte weniger Dispozinsen. Andererseits darf dies kein Freibrief für die Banken sein, sich auf diesen Lorbeeren auszuruhen. Erstens sieht es gerade in Großstädten mit einer geringer ausgeprägten zwischenmenschlichen Beziehung und Anteilnahme anders aus, zweitens dürfen wirtschaftliche Motive beim menschlichen Handeln nicht unterschätzt werden und drittens hat der Justizminister nicht so ganz Unrecht.

Manchmal tut ein wenig Bescheidenheit doch recht gut. Den Banken ist gut geraten, wenn sie sich selber etwas Zurückhaltung auferlegen. In der Öffentlichkeit ist ihr Bild nicht gerade rosig, auch wenn natürlich dem einfachen Angestellten am Schalter oder dem Experten für Baufinanzierung für die Exzesse keine Schuld zuzuschreiben ist. Diese Schuld trifft natürlich auch nicht jeden Vorstand. Sie können sich natürlich auf ihr jeweiliges Verhalten berufen und sich nicht verantwortlich fühlen. Das können sie, aber mehr Pragmatismus ist gefordert. Wollen sie weitere gesetzliche Einschränkungen verhindern, sollten sie nicht das Bild des raffgierigen fetten Bankers in der Öffentlichkeit abgeben, der überhöhte Dispozinsen bei billigem Geld verlangt. Herrn Maas wäre damit der Wind aus den Segeln genommen.

Bild von mipan – www.istockpoto.de

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