Nachwuchsprobleme bei Banken

Bereist im letzten Jahr musste die Bankbranche eine erheblich hohe Vakanz in Bezug auf Ausbildungsstellen in ihrem Sektor verzeichnen. Im September begann das neue Ausbildungsjahr, doch die Zahlen sind immer noch erschreckend – Tendenz steigend! Die Gründe für dieses Phänomen sind dabei ganz unterschiedlicher Natur. Wer hat nicht schon vom ominösen Fachkräftemangel gehört, den Politik…


Bereist im letzten Jahr musste die Bankbranche eine erheblich hohe Vakanz in Bezug auf Ausbildungsstellen in ihrem Sektor verzeichnen. Im September begann das neue Ausbildungsjahr, doch die Zahlen sind immer noch erschreckend – Tendenz steigend! Die Gründe für dieses Phänomen sind dabei ganz unterschiedlicher Natur.

Wer hat nicht schon vom ominösen Fachkräftemangel gehört, den Politik und Medien so oft zum Thema aktueller Diskussionen machen. Die Bankbranche bildet hier keine Ausnahme. Laut dem Handelsblatt waren im letzten Jahr von 12.067 Ausbildungsplätzen 2.538 nicht besetzt. Die Analyse derartiger Zahlenverhältnisse gibt Anlass zur Ursachenforschung. Ist eine Position in der Finanzwelt nicht mehr attraktiv? Ist es gar die Angst, dass ein Auszubildender gegenüber einem fertigen Akademiker auf lange und vor allem in finanzieller Sicht immer das Nachsehen hat? Oder hat der Ruf der Geldinstitute als Folge der  letztten Finanzkrise so gelitten, dass sich kaum noch jemand mit diesem  speziellen Sektor identifizieren kann? Wie so oft im Leben liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte.

Eine Folge der Überakademisierung

Ein großes Problem für alle Branchen stellt immer noch die in Schulen herrschende unzureichende Vorbereitung junger Menschen auf das „wirkliche“ Leben dar. Abiturienten verlassen ihren bekannten Lernort, können Exponentialfunktionen lösen, die PQ-Formel im Schlaf aufsagen oder Goethes Ode an Prometheus  analysieren; wie man eine Steuererklärung verfasst oder welche verschiedenen Möglichkeiten der Weiterbildung der Staat bietet, davon haben nur die wenigsten Ahnung. Aus diesem Grund studieren die meisten Abiturienten zunächst einmal ins „Blaue“. Getrieben sind sie von der gesellschaftlichen Propaganda-Maschine, die ihnen suggeriert: „Wenn du nicht studierst, wirst du auch nichts!“ Hier muss man ansetzen, denn bei dieser Aussage handelt es sich schlicht und einfach um eine Lüge. Denn nicht jeder Absolvent eines Hochschulstudiums kann für sich eine Führungsposition im späteren Verlauf seiner Karriere beanspruchen – es droht sogar eine Überakademisierung. In einfachen Worten ausgedrückt: Ein Stamm benötigt auch Indianer und nicht nur Häuptlinge.

Studium = bessere Karriere?

Schwierig wird es für ausbildende Unternehmen, wenn in den Köpfen der potentiellen Azubis der Gedankengang verankert ist, dass ein Studium automatisch die Karrierechancen verbessere. Denn diese Probannten dürfen Folgendes nicht vergessen: Sie steigen deutlich später in den Beruf ein, sie haben in der Regel weniger wichtige Praxiserfahrung und zudem ist die Quantität der äquivalent Qualifizierten deutlich höher, so dass auch die Konkurrenz um begehrte und „bessere“ Positionen zunimmt. Ironischerweise ist sich ein Großteil der Schulabgänger gar nicht darüber im Klaren, wie gut sich gerade der Bankensektor für berufsbegleitende Studien anbietet. Wenn das Bildungssystem eine solche Vorbereitung auf die Zukunft nicht vorsieht und sich in eng gefassten Curricula verrennt, dann liegt es auch an den Ausbildungsstätten – in diesem Fall den Banken – diese Leerstelle zu füllen und ihre Branche attraktiv in der Öffentlichkeit zu bewerben.

Perspektiven aufzeigen

Aktuelle Studien belegen, dass eine hohe Zahl junger Menschen sich nach finanzieller Sicherheit und Stabilität sehnt – grundlegend ein Wunsch, der durch eine Ausbildung in einem Geldinstitut gewährleistet werden kann, nur müssen Banken dies auch entsprechend kommunizieren. Das Nachwuchsproblem ist von äußerst kritischer Natur, denn sind es in den unterschiedlichsten Bereichen gerade die „jungen Wilden“, die durch ihre Unbeschwertheit immer wieder neue Perspektiven aufzeigen können, um ein Unternehmen auch für die Zukunft innovativ aufzustellen und weiterzuentwickeln.

Vorurteile sind tödlich

Es ist unbestreitbar, dass die Aufgaben in einer Bank nicht mehr dieselben sind; viel zu differenziert und umfangreich sind die gegenwärtigen Arbeitsabläufe. Man kann folglich jeden Personaler verstehen, wenn dieser bei der Auswahl von Auszubildenden bevorzugt auf Abiturienten setzt. Trotzdem ist ein nicht vorhandenes Abitur kein Ausschlusskriterium, ein guter Banker zu werden. Klar ist jedoch, wer mit zerrissenen Jeans beim Vorstellungsgespräch erscheint oder die einfache Prozentrechnung nicht beherrscht, der sollte besser nicht in der engeren Auswahl landen. Doch ist Vorsicht geboten: Mit der PQ-Formel löst man keinen Dreisatz.

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