Jetzt Mitglied werden

Neu ist nicht gleich gut

Von Julian Achleitner - 07. Oktober 2014

Laut einer Emnid-Umfrage wünschen sich acht von zehn Bürgern eine neue Wirtschaftsordnung. Was genau sie sich darunter vorstellen, bleibt vage. Es gibt aber einige Zweifel, ob diese Forderung so vernünftig ist.

Dieses progressive Projekt umfasst aber mehr als nur Geldanlagen in Windräder oder Biogasanlagen. Es führt einen Krieg gegen die alte volkswirtschaftliche Lehre vom Verhalten des Staates gegenüber dem Markt. Der Staat könne sich nicht mehr heraushalten. Apologeten dieser neuen Lehre fordern geradezu ein aktives Eingreifen des Staates heraus. Natürlich solle dies nicht im Stile der kommunistischen Plan- und Zentralverwaltungswirtschaft geschehen. Vielmehr ist der Staat angehalten, den richtigen Spagat zwischen allen Beteiligten zu schaffen. Die Interessen der Industrie, Verbraucher und natürlich auch der Umwelt müssen in einem richtigen Verhältnis gesetzt werden. Die Aufgabe des Staates besteht darin, richtige Anreize und Rahmen zu schaffen, in dem die Unternehmen agieren können. Ob aber all diese Ziele erreicht werden können? Dies ist fraglich.

Gesetze der Ökonomie müssen stets neu verhandelt werden

Die Propheten der neuen Wirtschaftsordnung verweisen darauf, dass die Wirtschaft keine Naturwissenschaft ist, sondern dem Bereich der Sozialwissenschaften zuzurechnen ist. Damit sind die Gesetze der Ökonomik nicht statisch, sondern müssen ständig neu verhandelt werden. Es sei ihnen zugestanden, dass in der Tat nicht alle Gesetze nach dem ständigen Muster verlaufen.

Gier findet sich auch bei grünen Kapitalanlagen

Das Gesetz aber, nach welcher der Mensch nach mehr Wohlstand strebt, ist ein scheinbar ewig gültiges Gesetz der Ökonomie. Warum sonst bieten so manche grüne Kapitalanlagen so horrende Zinsen an? Mancher bietet bescheidene 5%, andere sogar über 10% Zinsen p.a., andere sogar noch mehr. Sollte ein Verbraucher, angelockt vom großen Geld, entscheiden, hier sein Erspartes anzulegen, geht er ein großes Risiko ein. Vielleicht hat er Glück und verdient ordentlich Geld. Vielleicht. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass er alles oder sehr viel verliert. Die Windkrafthersteller Westwärts und Prokon versprachen nicht nur ein gutes Gewissen, sondern zusätzlich Traumrenditen. Was daraus geworden ist, ist hinlänglich bekannt. Warum sollen andere grüne Kapitalanlagen anderen Gesetzen folgen? Dass die Energiewende die Strompreise in die Höhe treibt, ist eine Tatsache. Wie lange der Endverbraucher und die Politik hier noch mitmachen, ist fraglich. Letztens ist sogar ein Deckeln der Subventionen für Bioenergie ins Spiel gebracht worden. Wer weiß, vielleicht fällt diese Subvention in einigen Jahren völlig. Spätestens dann ist es vorbei mit den traumhaften Versprechen der Ökolobbyisten.

Dieselben Grundlagen wie bei der klassischen Theorie

Es ist erstens fraglich, ob die theoretischen Grundlagen überhaupt die richtigen sind. Die Befürworter versuchen, eine neue wirtschaftliche Ordnung und Moral zu etablieren und beziehen sich hier genau auf die Argumentationen, auf die sich die Vertreter der klassischen Lehre berufen. Um überhaupt genügend Startkapital für ihr Zukunftsprojekt aufzutreiben, brauchen sie Unmengen an Geld. So ein Windrad oder Wasserkraftwerk muss schließlich auch finanziert werden. Entweder versuchen sie es über Subventionen und belasten damit die Allgemeinheit oder sie versuchen, ganz der klassischen Methode verpflichtend, private Gelder aufzubringen. Um diese aufzutreiben, appellieren sie nicht nur an das grüne Gewissen, sondern ebenso an die Gier. Wie sonst sind denn die teilweise schon sehr hohen Renditen zu erklären? Es finden sich Renditeversprechen bis zu 10% p.a.

Träumen die Verfechter dieser neuen Lehre eines ökologisch-sozialen Wirtschaftens von Unternehmen, bei denen nicht die Gewinnmaximierung im Vordergrund steht, so handeln sie genau nach eben diesen. Wie sonst solle denn das Eingreifen des Staates aussehen. Natürlich kann man gewisse Bauvorschriften erlassen, welche besonders energieffizient sein sollen. Aber das staatliche Intervenieren ist nicht nur auf diese Tätigkeitsfelder beschränkt. Man denke nur an die EEG und alle anderen Subventionen, die das alltägliche Leben schwerer und teuer machen.

Nicht alle nachhaltigen Investitionen sind Scharlatanerie

Aber, um zum Schluss noch eine Lanze für die nachhaltigen Investitionen zu brechen, es gibt auch moderatere Investitionsmöglichkeiten. Seriöse Anbieter für solche Kapitalanlagen ergänzen neben den klassischen Faktoren Rendite und Risiko noch den sozial-ökologischen Aspekt. Auch wenn sich dies sinnvoller anhört als die sehr hoch gesteckten Ziele derjenigen, welche die komplette Wirtschaftsordnung umkrempeln wollen. Auch muss ein anlegebereiter Endverbraucher genügend Zeit mitbringen, um sich sinnvoll zu erkundigen. Es ist sehr aufwendig, um ein gutes Portfolio zusammenzustellen. Aber auch hier ist man im Muster der alten klassischen Lehre verfangen. Warum sonst soll man Geld anlegen?

Bild von c-sphoto via istockphoto.de

Lesen Sie auch

Ego-Probleme: Wer hat den größten Turm?

Von überall hört man es läuten: Filialen werden[…]

Christian Grosshardt

Fusionsdruck Rot

400 Sparkassen leisten sich knapp 170 weitere Unternehmen,[…]

Thorsten Hahn

Seitenwechsel – Jain zu Fintech

Anshu Jain kehrt den Banken den Rücken und[…]

Philipp Scherber

Targo-Chef vor die Tür gesetzt

Franz Josef Nick muss am Ende des Jahres[…]

Christian Grosshardt

Banken werden EU-Marionetten

Deutliche Einschnitte in die Kundenwahl müssen Banken ab[…]

Christian Grosshardt

Telekom-Konten gehackt!

In der vergangenen Woche soll es zu mehreren[…]

Christian Grosshardt

Probleme bei Paydirekt

Probleme über Probleme. Erst erklärten viele Händler, sie[…]

Julian Achleitner

Herber Rückschlag für Paydirekt

Da haben sich deutsche Banken endlich für einen[…]

Julian Achleitner

Niedrigzins trifft Bausparkassen

Die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) trifft nun[…]

Julian Achleitner

Credit Suisse steht vor Einigung

Credit Suisse kann schon einmal das Scheckbuch zücken.[…]

Julian Achleitner

Cryan läutet neues Zeitalter ein

Nun ist John Cryan schon seit fünf Wochen[…]

Julian Achleitner

Welche Vorteile bietet mir der BANKINGCLUB?

BANKINGCLUB ist einer der größten Wirtschaftsclubs für Mitarbeiter[…]

Thorsten Hahn

Nach Jenkins die Sinnflut

Knapp drei Jahre nach seinem Amtsantritt musste der[…]

Christian Grosshardt

Bankgeheimnis von EuGH gelockert

Erst Euphorie, dann die Ernüchterung: Man ersteigert zu[…]

Christian Grosshardt

Volksbank will Filialen schließen

Haben die Genossenschaftler der Volks- und Raiffeisenbanken zu[…]

Julian Achleitner

Apple Pay nun auch in Europa

In den USA können Verbraucher bereits seit Oktober[…]

Julian Achleitner

Bezahlen mit Selfie

Das ist mal innovativ. Vergessen Sie Bezahlen mit[…]

Julian Achleitner

Persona non grata – Varoufakis tritt zurück

Auf seinem Twitter-Account ist zu lesen: „Minister no[…]

Christian Grosshardt

Chapeau, Herr Neske!

Was für eine Schlagzeile heute Morgen in der[…]

Thorsten Hahn

Vorstand beschließt: Postbank steht zum Verkauf

Nach Tagen des Spekulierens ist zumindest eine Vorentscheidung[…]

Christian Grosshardt

Milliarden durch EZB verloren

Die Niedrigzins-Politik der EZB ist vielen ein Dorn[…]

Christian Grosshardt

Kritik an Deutschland

Wir stehen mal wieder in der Schusslinie! Die[…]

Christian Grosshardt

400 Kunden in die Wüste geschickt

Wer nicht hören will, muss fühlen. Wie SPIEGEL[…]

Christian Grosshardt

Amtlich: Der Euro wird abgeschafft!

Jetzt ist es spruchreif: Nachdem sich die führenden[…]

Christian Grosshardt

Der Dollar ist zurück

Wer hätte das gedacht? Dollar und Euro bewegen[…]

Christian Grosshardt

Gemeinsames Online-Bezahlsystem auf dem Weg

In Zeiten von Fintechs, die extern teilweise Online-Bezahldienste[…]

Christian Grosshardt

Lufthansa mit enormen Verlusten an der Börse

Der gestrige Absturz eines Airbus A320 hat viele[…]

Christian Grosshardt

Radikale Maßnahme bei der Deutschen Bank

Seit einiger Zeit berät die Deutsche Bank in[…]

Christian Grosshardt

Tag 1 nach Blockupy

Unfassbare Bilder boten sich uns gestern aus der[…]

Christian Grosshardt

Blockupy – Ausschreitungen mit Angriffen auf Polizei

Man rechnete mit dem Schlimmsten, aber die Befürchtungen[…]

Christian Grosshardt

Geldwäsche treibt Bank in die Pleite

Banco Madrid ist insolvent. US-Behörden werfender Bank vor[…]

Thorsten Hahn

Den Kunden dort abholen, wo er ist – im Netz

Über 28 Millionen Deutsche erledigen ihre Bankgeschäfte online:[…]

Juliane Hartmann

Turnschuhe sind zum Turnen da

Ein altes Sprichwort besagt: „Kleider machen Leute.“ Dieses[…]

Julian Achleitner

DAX 30 CFD-Trading

Experten raten in diesen harten Zeiten des Niedrigzinses[…]

Julian Achleitner

Finanzprodukte – einfach unterhaltsam

Wie Erklärfilme komplexe Finanzprodukte begreifbar machen und zu[…]

Julian Achleitner

Austerität. Politik der Sparsamkeit: Die kurze Geschichte eines großen Fehlers

Autor: Florian Schui Euro: 19,99 256 Seiten, broschiert[…]

Julian Achleitner

Die BIZ als Wahrsager?

Im Oktober mussten die Aktienkurse einen enormen Einbruch[…]

Christian Grosshardt

Mario "Two-Face" Draghis neuer Job

Auf die Europäische Zentralbank und Mario Draghi wartet[…]

Christian Grosshardt

Bevormundung erwachsener Bürger

In einer freiheitlichen Grundordnung müsste die Eigenverantwortlichkeit des[…]

Julian Achleitner

Maßnahmen gegen Steuerflucht

In drei Jahren wird mit offenen Karten gespielt:[…]

Julian Achleitner

Fintech mal anders

Die Zukunft des Zahlens hat schon längst begonnen.[…]

Julian Achleitner

Ein Tag, der die Welt veränderte

Vor 85 Jahren sorgte der berüchtigte „Black Thursday“[…]

Julian Achleitner

Algorithmen oder das vermeintliche Ende des Beraters

Kann die Maschine Menschen ersetzen? Diese Frage wird[…]

Julian Achleitner

Regionale Werbung mit internationalem Flair

Mehrere Tausend Werbebotschaften versuchen täglich, die Aufmerksamkeit der[…]

Christian Dorn

Auf Wanderschaft

Schon praktisch diese Rucksäcke. Man hat die Hände[…]

Thorsten Hahn

MaRisk-konformer Einsatz des iPads in der Bank

Der Siegeszug des iPad ist nicht aufzuahlten, auch[…]

Thorsten Jekel

„Der Fokus liegt auf der Online-Präsenz“

Im Interview mit den BANKINGNEWS spricht Kai Fürderer,[…]

Thorsten Hahn

Wer die Wahl hat, hat die Qual

Über 200 Vergleichsportale gibt es heute bereits. Das[…]

Thorsten Hahn

Das Mitarbeitergespräch: Führung oder Flop?

Es ist Herbst. Die Tage werden kürzer. Zeit[…]

Niels Pfläging

„Du bist, was Du teilst!“

You are what you share! „Du bist, was[…]

Prof. Martina Dalla Vecchia

Outsourcing von Kreditanalysen

Zeiten ändern sich. Dieser berühmte Satz kann problemlos[…]

Markus Diehl