Gemeinsam von PSD2 profitieren

Jan Rabe und Maximilian Both, GrĂŒnder und GeschĂ€ftsfĂŒhrer von Wechselpilot, ĂŒber wechselfreudige Kunden, die Kooperation des Unternehmens mit der Deutschen Kreditbank und die Zukunft des Bankings.


Jan Rabe (l.) und Maximilian Both (r.) sind GrĂŒnder und GeschĂ€ftsfĂŒhrer von Wechselpilot.

BANKINGNEWS: Vertragswechsel mag eigentlich niemand. Bei Ihnen aber ist der regelmĂ€ĂŸige Vertragswechsel Teil des GeschĂ€ftsmodells. Wie lĂ€uft das fĂŒr Kunden ab?

Jan Rabe: FĂŒr sie optimieren wir jedes Jahr den Wechsel in einen gĂŒnstigeren Strom- oder Gastarif: Wir sprechen unabhĂ€ngige Tarifempfehlungen aus, kĂŒndigen den alten Vertrag, melden neu an. Auch die zeitintensive Kommunikation mit dem Versorger oder Netzbetreiber ĂŒbernimmt unser Team und klĂ€rt offene Fragen ohne Umwege. Unsere Kunden hören nur etwas von uns, wenn vertragsrelevante Nachrichten fĂŒr sie vorliegen oder der nĂ€chste Wechsel bevorsteht. Wer sich um nichts kĂŒmmern möchte, muss das auch nicht: Dann lĂ€uft der Prozess vollautomatisch.

Den Kampf um Neukunden gibt es in allen Branchen – wie ist die Lage im Bankenmarkt?

Rabe: In einer Zeit, in der Margen im Banking immer kleiner werden, sind Banken, genau wie Strom- und Gasversorger, sehr bemĂŒht, neue Kunden auf ihre Leistungen aufmerksam zu machen, zum Beispiel durch DepotwechselprĂ€mien oder Gutschriften bei der Kontoneueröffnung. Auch die Finanzbranche setzt zum Teil auf die TrĂ€gheit ihrer Kunden und hofft, dass sie Gelder nicht wieder abziehen, wenn vorteilhafte Zinsangebote auslaufen. Um Fluktuation zu vermeiden, könnten Banken ihren Fokus noch stĂ€rker auf das Intensivieren bestehender Kundenbeziehungen legen.

Was empfehlen Sie den Banken?

Maximilian Both: Banken könnten ihre Vorteile – ihre Kompetenz, ihren Kundenzugang, ihr Kapital – noch stĂ€rker fĂŒr die Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen nutzen. Statt Lösungen kostenintensiv selbst zu entwickeln, macht es hĂ€ufig mehr Sinn, die eigenen Leistungen um innovative Ideen anderer Unternehmen zu ergĂ€nzen. Ich bin sicher, dass digitales Cross-Selling fĂŒr Banken noch wichtiger wird: nicht nur als zusĂ€tzliche Einnahmequelle, sondern auch als Instrument zur Kundenbindung. Aktuell werden viele Zusatzdienste kostenfrei angeboten, mit der Absicht, Kunden stĂ€rker an das eigene Unternehmen zu binden. Überzeugende Konzepte, um diese Angebote direkt zu monetarisieren, fehlen noch. Diese werden aber immer dringlicher, wenn die Finanzindustrie eigene digitale Ökosysteme aufbaut und stĂ€rker in Richtung Plattformbetreiber rĂŒckt – ein Ansatz, der heute intensiv diskutiert wird.

„Wer sich rundum gut betreut fĂŒhlt, wandert nicht zur Konkurrenz ab“

PSD2 wird vor allem als Chancenbringer fĂŒr Fintechs gehandelt. Was bedeutet es fĂŒr Banken, wenn sie ihr Monopol auf Kundenkonten und -daten verlieren?

Rabe: FĂŒr Europas Banken sind die strategischen Folgen der PSD2 weitreichend. Sie konkurrieren nicht mehr nur mit Finanzinstituten und Fintechs, sondern werden sich kĂŒnftig mit beliebigen anderen Unternehmen messen mĂŒssen. Diese Gefahr haben viele Marktteilnehmer scheinbar noch nicht vollstĂ€ndig realisiert. Zwar werden hĂ€ufig die Fintechs als grĂ¶ĂŸte Gewinner der neuen Richtlinie genannt. Aber genauso wie neue Anbieter können auch Banken von dem Richtungswechsel profitieren. Den Vertrauensvorschuss ihrer Kunden könnten sie nutzen, um ihnen weitere Produkte vorzustellen und diesen Service ĂŒber Provisionen zu monetarisieren.

Stichwort Banken: Wie ist Ihre Kooperation mit der DKB angelaufen? Profitiert Ihr Unternehmen vom Vertrauen der DKB-Kunden?

Both: Definitiv. Unsere Partnerschaft ist ein Beispiel dafĂŒr, wie neue und etablierte Player erfolgreich zusammenarbeiten können. Die DKB ergĂ€nzt ohne großen Entwicklungsaufwand ihr Portfolio um ein Premium-Produkt mit exzellentem Service. Dadurch werden nicht nur zusĂ€tzliche UmsĂ€tze generiert. Positive Erfahrungen mit Zusatzdiensten stĂ€rken auch die Kundenbindung: Wer sich rundum gut betreut fĂŒhlt, wandert nicht zur Konkurrenz ab. Uns eröffnet die DKB im Gegenzug die Möglichkeit, Wechselpilot einer grĂ¶ĂŸeren Nutzerschaft zu prĂ€sentieren. Dass die Kooperation von den Kunden angenommen wird, zeigen die Conversion Rates, die unsere Erwartungen weit ĂŒbertroffen haben.

Rabe: Äußerst positive Erfahrungen sammeln wir derzeit auch mit der TELIS FINANZ, deren Vertriebsmitarbeiter unseren Service in persönlichen KundengesprĂ€chen vorstellen. Das hohe Kundeninteresse hat uns darin bestĂ€rkt, weitere Partner in der Finanzbranche zu finden. Um fĂŒr sie die Integration unserer Dienstleistung so einfach wie möglich zu gestalten, wird es zeitnah auch eine White-Label Lösung geben.

 

Die GrĂŒnder von Wechselpilot:

Jan Rabe

Vor der GrĂŒndung von Wechselpilot war Jan Rabe fast zehn Jahre in der Energiewirtschaft tĂ€tig und kennt sowohl den Markt als auch die Sorgen der Strom- und Gaskunden genau. Mit Wechselpilot möchte Rabe einen aktiven Beitrag zur sozialvertrĂ€glichen Gestaltung der Energiewende leisten und insbesondere Geringverdiener, die von steigenden Energiekosten unverhĂ€ltnismĂ€ĂŸig stark betroffen sind, entlasten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Maximilian Both

In seinem ersten erfolgreich gegrĂŒndeten Unternehmen Rabot Energy entwickelt Maximilian Both seit 2014 vollautomatische Handelsstrategien fĂŒr den Intradayhandel an der Leipziger Strombörse. Mit Blick auf die niedrigen Wechselraten in Deutschland war fĂŒr Both klar, dass ein komfortables, einfach zu nutzendes Angebot fĂŒr den regelmĂ€ĂŸigen Tarifwechsel fehlt – so entstand die Idee fĂŒr Wechselpilot. Sein Ziel: Haushalte dauerhaft vom Wechselaufwand zu befreien und ihre Energiekosten langfristig zu reduzieren.