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Enron: Ein Meisterwerk der Bilanzfälschung

Fünf Mal in Folge wurde Enron zum „innovativsten Unternehmen Amerikas“ gekürt. 2001 dann die Kehrtwende: Plötzlich stellt der Energiekonzern die bis dahin größte Pleite in US-Firmengeschichte dar und lehrt heute Unternehmer und Anleger einen der größten Betrugsskandale.

Von Fiona Gleim - 11. März 2022
Anlagebetrugsreihe Enron

Foto: istock.com/Denis Novikov

Der texanische Konzern Enron lebte ein Doppeleben. In der Scheinwelt: Mit Kenneth Lay in der Führung gelang das Unternehmen schnell an die Spitze des US-amerikanischen Stromhandels und wurde zum größten Energiehändler weltweit. Mit einem Jahresumsatz von 101 Milliarden Dollar verkörperte Enron Erfolg, Wachstum und Innovation. In der Schattenwelt wiederum alles nur ein Schwindel – der Energiekonzern steht heute für einen der größten Skandale der Bilanzfälschung.

Die Entstehungsgeschichte beginnt 1985 in Texas durch die Fusion zweier Gasversorger, die sich zunächst auf das Betreiben von Erdgaspipelines konzentrierten. Fünf Jahre später verändern sich die Umstände: Die weltweiten Energiemärkte erleben eine Liberalisierung, viele Länder privatisieren die Strom- und Wasserversorgung, Finanzderivate werden wenig reguliert. Unter diesen Umständen gelang es Enron zu florieren und zu einem transnationalen Energiekonzern aufzusteigen.

Tatsächlich wurde der Aufstieg allerdings primär durch den spekulativen Handel mit Rohstoffen, Datenübertragungskapazitäten und Energiederivate generiert. Zwar lassen sich mit Derivatgeschäften immense Gewinne erzielen, gleichermaßen jongliert man aber auch ein hohes Verlustrisiko.

Unter der Erfolgs-Maske

Zumindest nach außen hin erzielte Enron reichlich Gewinne. Dabei handelte es sich jedoch um Phantomerträge: Verträge wurden geschlossen und als Erträge verbucht, deren Geschäfte noch längst nicht realisiert waren. In den Jahren 1996 bis 2000 verzeichnete der Konzern einen Vorsteuergewinn von 1,79 Milliarden Dollar.

Währenddessen fanden die Schulden nicht ihren Weg in die Bilanz. Gelöst wurde dies mit der Tarnung von Kreditaufnahmen als Handelsgeschäfte. Alternativ nahmen ausländische Tochtergesellschaften, auch Spezialfahrzeuge genannt, die Schulden auf sich, um die Muttergesellschaft vor finanziellen Risiken zu schützen. Auf diese Weise wusste man alles vor den Anlegern versteckt. Der Schwindel drehte sich demnach im Kreis, in der Berichtsperiode stieg kontinuierlich der Gewinn und somit auch das Eigenkapital, mit dem der Zukauf neuer Unternehmen weiterhin finanziert werden konnte.

Einerseits verloren Investoren rund 60 Milliarden Dollar, wohingegen Enron insgesamt 500 Millionen Bonuszahlungen verteilte an die verantwortlichen Mitarbeiter. Auch diese Summen verschwanden klammheimlich in Steuerparadiese.

Der Fall eines globalen Players

2001 kennzeichnet schließlich den Untergang von Enron, welcher auch die Mitarbeiter des Energiegiganten mit ins Verderben riss. Auch intern wurde dazu ermutigt, Unternehmensaktien zu kaufen. Als die dubiosen Machenschaften der Enron-Manager jedoch langsam ans Licht kamen, fiel der Marktpreis von 90,75 auf ein Tief von 0,26 USD. Zahlreiche Angestellte verloren dementsprechend nicht nur ihren Job, sondern auch ihre Alterssicherung.

Genauso zog es Außenstehende mit in den Abwärtssog: Geachtete Banken wie J.P. Morgan oder die Credit Suisse sahen sich mit Klagen konfrontiert. Ihnen wurde vorgeworfen, sie hätten Enron zur Steuermanipulation verholfen. Außerdem erhielt Enron Rückendeckung von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Arthur Andersen, sowie den Rating-Agenturen Standard & Poor’s und Moody’s. Auf diese Weise blieb die Weste Enrons weiß, konnten sie sich einer guten Bonitäts-Bescheinigung dank ihrer sicher sein.

2002 galt Enron als offiziell entlarvt und Andrew Fastow, ehemaliger Finanzchef, stand einer Klage wegen des Verdachts auf Bilanzbetrug, Geldwäsche, Verschwörung zur persönlichen Bereicherung auf Kosten von Enron und den Aktionären sowie Behinderung der Justiz gegenüber.

Seither bemüht man sich um die Entschädigung aller, die dem Skandal zum Opfer fielen. Die Fair Funds der Börsenaufsicht SEC sammelt, stellvertretend für die Geschädigten, die einbezogenen Gelder und verteilt diese an sie.

Mit seiner Schaffung eines, um finanzielle Verluste und Schulden vor Investoren und Gläubigern zu tarnen, markiert Enron heute einen wichtigen Punkt in der Geschichte der Wirtschaftskriminalität.

Tipp: Interessieren Sie sich auch für andere spannende Betrugsfälle? Erfahren Sie hier mehr über den Mann, der den Eifelturm verkaufte oder lesen Sie hier mehr über das betrügerische Schneiderlein.

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