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Aktien sind alternativlos – auch 2015?

Von Jörg Scherer - 15. Dezember 2014

Dank der starken Performance in den letzten Wochen konnte der DAX® zwar das Ruder herumreißen – nach einem volatilen Nullsummenspiel steht nun zumindest ein kleines Plus von rund 4 % zu Buche –, dennoch dürfte es den deutschen Standardwerten in diesem Jahr kaum gelingen die Champagnerjahrgänge von 2012 und 2013 zu wiederholen. Vielmehr haben die Schwankungen im Jahresverlauf Investoren einige Nerven abverlangt. Per Saldo hat sich das Aktienbarometer demnach letztlich an den Leitplanken orientiert, die der US-Präsidentschaftszyklus für 2014 vorgegeben hatte. Welche charttechnischen Faktoren, im Allgemeinen bzw. welche zyklischen Phänomene im Speziellen, an den internationalen Finanzmärkte im kommenden Jahr eine Rolle spielen dürften, wollen wir im Folgenden, aber vor allem in unseren Jahresauftaktveranstaltungen „So wird 2015“, beleuchten.  

Gemessen am US-Präsidentschaftszyklus handelt es sich beim kommenden Jahr um ein sogenanntes „Vorwahljahr“, das im Durchschnitt der Rückbetrachtung bis zum Ende des 19. Jahrhunderts beim Dow Jones Industrial Average regelmäßig ein sehr gutes war. Unterstützend kommt an dieser Stelle hinzu, dass „5er“-Jahre – also 2005, 1995, 1985 etc. – den besten Teilabschnitt im Verlauf des Dekadenzyklus darstellen. In der Summe liefern die beiden bekanntesten Zyklen überhaupt Rückenwind, so dass 2015 trotz der mittlerweile recht hohen Basis weiterhin mit einigen Hoffnungen verknüpft ist. Mit Blick auf die US-Märkte, die praktisch auf Allzeithochs notieren, gibt es ohnehin keinen Grund zu übertriebenem Pessimismus. An dieser Stelle kommt den Aktienmärkten die oberste Maxime der Technischen Analyse – das klassische „the trend is your friend“ – zu Gute. Was bedeutet das nun alles für den heimischen DAX®? Trotz der scharfen Korrektur von Juni bis Mitte Oktober besteht hier weiterhin der Katalysator in Form eines „verschachtelten Kursmusters“, auf den wir bereits in unseren letzten beiden Jahresausblicken verwiesen haben. Zur Erläuterung: Das symmetrische Dreieck aus dem Abwärtstrend seit dem Jahresultimo 2007/2008 und dem Aufwärtstrend seit März 2009 bildete sich vollständig innerhalb des großen aufsteigenden Pendants seit Beginn des Jahrtausends aus. Neben dem seit den 1980er Jahren bestehenden Basisaufwärtstrend fungieren die Hochstände aus den Jahren 2000 und 2007 bei 8.136/52 Punkten als Leitplanken dieses grundsätzlich trendbestätigenden Kursmusters (siehe Chart). Übergeordnet kann das Korrekturtief vom Oktober bei 8.355 Punkten durchaus als Pullback an die skizzierten Ausbruchsmarken interpretiert werden, welcher die positiven Implikationen des verschachtelten Kursmuster bestätigt. Langfristig lassen die Kursziele – abgeleitet aus den beiden beschriebenen Dreiecken – nachhaltig fünfstellige Kursnotierungen für die deutschen Standardwerte erwarten, so dass das bisher erreichte Rekordhoch bei 10.051 Punkten noch nicht das Ende der Fahnenstange markieren sollte. In die gleiche Kerbe schlägt derzeit die charttechnische Ausgangslage im Wochenbereich. In diesem Zeitfenster verleiht der Spurt über den Korrekturtrend seit Juni (akt. bei 9.752 Punkten) der Atempause der letzten Monate den Charakter einer klassischen Korrekturflagge. Parallele wird der beschriebene Ausbruch durch hoffnungsvolle Indikatorensignale begleitet. Beispielsweise hat der trendfolgende MACD jüngst wieder auf „Kaufen“ gedreht und auch der RSI konnte den seit November 2013 bestehenden Abwärtstrend zu den Akten legen. In der Summe spricht derzeit Einiges für einen validen Ausbruch auf der Oberseite. Konsequenterweise legt diese Chartkonstellation ebenfalls neue Rekordstände oberhalb der Marke von 10.051 Punkten nahe. Perspektivisch lässt sich aus der 138,2%-Fibonacci-Projektion der Korrektur von Juni bis Oktober sogar ein längerfristiges Etappenziel bei 10.699 Punkten ableiten.

Seinen Platz in unserem „technischen Jahresausblick“ sicher hat auch das Währungspaar EUR/USD, denn hier hat sich der Verweis auf eine historisch extrem seltene Chartkonstellation im vergangenen Jahr als Prognosetreffer erwiesen. So dienten die eng beieinanderliegenden Bollinger Bänder –  in der Rückrechnung seit Mitte der 1980er-Jahre hatten sich die Begrenzungen des Volatilitätsindikators auf monatlicher Basis niemals stärker zusammengezogen – als der erwartete Vorbote eines größeren Trendimpulses. Mit Blick auf die langfristige Bodenbildung im Chartverlauf des USD-Index dürfte 2014 aber eher den Auftakt einer neuen Trendbewegung als deren Ende darstellen, so dass Anleger 2015 mit einer weiteren Stärke des Greenback rechnen sollten. Eine Schlüsselrolle in Bezug auf die weitere Entwicklung des Währungspaars EUR/USD messen wir dabei der Kombination aus der steigenden Trendlinie seit November 2003 und dem extrem langfristig gleitenden Durchschnitt der letzten 200 Monate (akt. jeweils bei gut 1,22 USD; siehe Chart 2) bei. Ein Bruch dieser Bastion dürfte als Katalysator für einen weiteren Kursverfall des Euro dienen. Die starken Trendbewegungen am Aktien- und am Devisenmarkt stellen beste Voraussetzungen für einen spannenden „technischen Jahresausblick“ und ein spannendes Jahr 2015 dar. Freuen Sie sich drauf!

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