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Hätte, könnte, würde…

Von Kornelius Purps - 13. Mai 2013

Der Konjunktiv ist eine Möglichkeitsform und beschreibt eine Vorstellung oder einen Wunsch. Man stelle sich also einen Anstieg der Renditen in der vergangenen Woche vor.

Die Märkte sind in Bewegung. Und das nicht zu schwach. Es könnte sein – und ich betone den Konjunktiv, weil man muss mit derartigen Einschätzungen ja vorsichtig sein… – es könnte sein, dass wir am Beginn einer größeren Bewegung sind. Diese Einschätzung bezieht sich auf die Anleihenmärkte und hier speziell auf diejenigen Papiere aus Kernländern wie Deutschland, den USA oder Großbritannien. Es könnte sein, dass der lange erwartete Anstieg der Renditen in der vergangenen Woche begonnen hat. Bill Gross, legendärer, wenn auch in der Community nicht unumstrittener Fondsmanager, twitterte Ende letzter Woche: "Der säkulare Bullenmarkt in Bonds ist möglicherweise am 29. April ausgelaufen."

Für die aktuelle Schwäche der Anleihen in den Kernländern gibt es eine Reihe von Auslösern. Einen sehr interessanten Hinweis lieferte die Financial Times, die berichtete, das "schlaueste Geld Amerikas" (nämlich jenes, welches von Universitäts-Stiftungen verwaltet wird) wende sich von US Staatsanleihen ab. Ein weiterer Auslöser findet sich im Wall Street Journal. Der Fed-Beobachter Jon Hilsenrath erläuterte in einem Artikel, dass die US Notenbank Pläne zum Ausstieg aus den Stimulierungsmaßnahmen ausarbeite.
 
All diese Meldungen bewirkten an den Finanzmärkten eine Kombination aus Yen-Schwäche, Dollar-Stärke, Anleihen-Schwäche und Aktien-Stärke. Zur Orientierung: USD-JPY stieg zwischenzeitlich auf über 102 (aktuell: um 101,70), EUR-USD fiel zwischenzeitlich auf 1,2940 (aktuell um 1,2980), die Renditen 10-jähriger Staatsanleihen in den USA, in Deutschland und Großbritannien stiegen seit Mittwoch Abend um 12-15 Basispunkte, und die Aktienmärkte in den Vereinigten Staaten, in Deutschland und in Japan bauten ihre Rekordjagd aus. Der Nikkei hat über Nacht schon wieder um mehr als einen Prozent zugelegt.
 
Es könnte (Konjunktiv!) sein, dass wir den Beginn dessen beobachten, was im Markt als "Great Rotation" die Runde macht. Wir bezeichnen es als die zweite Stufe des Risikonormalisierungsprozesses: Anlagen in niedrigstverzinsten "Safe Haven"-Anlagen werden aufgelöst und in chancenreichere Assetklassen (z.B. Aktien) umgeschichtet. Es gibt Hochrechnungen, wonach bis zu 30 Billionen Dollar in "Sicheren Häfen" geparkt sind. Wenn diese Zahl auch nur ansatzweise in die richtige Richtung geht, wird deutlich, was uns bevorsteht, sollte diese Summe Zug um Zug umgeschichtet werden.
 
Die Anleger werden diese Woche folglich genau beobachten, ob sich die Schwäche des Yen fortsetzen wird und wie sich die Diskussion um die amerikanische Geldpolitik entwickelt. Aber natürlich ist auch von Interesse, wie die Eurozone konjunkturell ins Jahr gestartet ist. Am Mittwoch bekommen wir die BIP-Wachstumsraten für das erste Quartal aus Deutschland (unsere Erwartung: +0,3% ggü. Vq.), aus Frankreich (-0,2%), aus Italien (-0,4%) und für die EWU (-0,1%). Daneben gibt es in dieser ereignisreichen Woche ein Treffen der EWU Finanzminister (heute), den ZEW-Index (morgen) und verschiedene Indikatoren aus den USA (z.B. Einzelhandelsumsätze heute). Zu Beginn des europäischen Handels sind die Märkte recht ruhig und widersprechen somit meiner einleitend getätigten Feststellung ("Die Märkte sind in Bewegung."), aber das dürfte sich heute noch ändern – wobei ich diesen Konjunktiv als relativ schwach bewerten würde…

Foto von erikreis – www.istockphoto.com

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