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Katastrophe in Aussicht

Von Kornelius Purps - 26. September 2013

US Finanzminister sieht ab 17. Oktober die Zahlungsfähigkeit der USA bedroht.

Haben Sie am 17. Oktober schon etwas vor? Wenn nicht, dann hätte ich da etwas für Sie: Setzen Sie sich vor den Fernseher und schauen Sie einen amerikanischen Nachrichtensender. Denn am 17. Oktober drohen die Vereinigten Staaten von Amerika zahlungsunfähig zu werden. So jedenfalls die Hochrechnung des Finanzministers Jacob Lew. Nach Stand der Dinge hätte der Staat an jenem Tag nur noch Barmittelbestände in Höhe von etwa 30 Mrd. US-Dollar. Es gäbe jedoch Tage, an denen würde doppelt so viel Geld benötigt. Zum ersten mal in ihrer Geschichte, so Lew in seinem dramatischen Appell an die Kongressabgeordneten, würden die USA dann ihren finanziellen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen können. Die Folgen könnten „katastrophal“ sein, fürchtet Lew.

Immer wenn die USA ihre Schuldenobergrenze erreichen, kristallisiert sich an den Finanzmärkten so eine Art Reflexreaktion heraus: „Das ist ärgerlich, aber in letzter oder allerletzter Minute werden sich Demokraten und Republikaner schon einigen.“ So war es auch in diesem Spätsommer. Doch dann kam die Fed. In der vergangenen Woche schob die US Notenbank das allseits erwartete Tapering auf. Einer der Gründe, unserer Ansicht nach sogar der Hauptgrund für diese Entscheidung, sind Sorgen um die Haushalts- und Schuldenlimitdebatte im amerikanischen Kongress. Sollte keine Einigung erzielt werden, wären Verwerfungen an den Finanzmärkten und negative Auswirkungen auf die generelle Stimmung im Land sowie auf die konjunkturelle Entwicklung ziemlich wahrscheinlich. Mit der nun vorliegenden Hochrechnung des Finanzministeriums haben wir das kritische Datum zur Hand: 17. Oktober 2013.

Abgesehen von möglichen Verstimmungen im Zuge der drohenden Zahlungsunfähigkeit hat der Haushaltsstreit in Washington bereits jetzt spürbare Auswirkungen auf das Handelsgeschehen, insbesondere im Rentenmarkt: Je unklarer die Aussichten auf eine Einigung im Kongress, desto unwahrscheinlicher wird eine Tapering-Ankündigung der Fed. Wird sich der Nebel bereits beim nächsten FOMC-Treffen Ende Oktober gelichtet haben? Was passiert, wenn der Faktor „Haushaltsstreit“ auch bis zum übernächsten Treffen Mitte Dezember nicht aus der Welt geräumt ist? Und ist es vorstellbar, dass Ben Bernanke ausgerechnet auf seiner letzten Notenbanksitzung Ende Januar das Tapering einleitet? Und mal angenommen, Janet Yellen wird Ben Bernankes Nachfolgerin – ist es vorstellbar, dass ausgerechnet die „dovishste“ unter den amtierenden Notenbankvertretern bei ihrer ersten Sitzung Mitte März den Einstieg in den Ausstieg aus der ultra-expansiven Geldpolitik verkündet?

Freilich, da sind jetzt unzählige „Wenns“ und „Abers“ drin, aber viele Anleger hegen immer größere Zweifel, ob das Tapering überhaupt innerhalb der näheren Zukunft eingeläutet werden wird. Wir gehen weiterhin davon aus, dass die entsprechende Ankündigung noch in diesem Jahr erfolgen wird. Aber auch dahinter verbirgt sich natürlich die Annahme, der Haushaltsstreit würde keine größeren Verwerfungen an den Finanzmärkten und / oder in der Realwirtschaft auslösen.

Gestern argumentierte ich an dieser Stelle, die Verschiebung des Taperings wäre mitverantwortlich für den deutlichen Rückgang der Renditen in den letzten Wochen. Ein weiterer Faktor sind die zwar guten, aber nicht immer die Erwartungen der Analysten erfüllenden Konjunkturdaten sowohl aus den USA als auch aus der Eurozone. Diesbezüglich bekommen wir heute Einzelhandelszahlen aus Italien, Daten zur Entwicklung der Geldmenge und der Kreditvergabe in der Eurozone, die Zahl der wöchentlichen Arbeitslosenneuanträge in den USA und eine weitere Abschätzung zum US BIP-Wachstum im zweiten Quartal (letzte Schätzung: 2,5% ggü. Vq. ann.). Vermutlich aber sind das alles Zahlen, an welche Sie sich am 17. Oktober vor dem Fernseher kaum mehr werden erinnern können…

Foto von philhol – www.istockphoto.de

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