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Börse & Märkte

Kryptowährungen – Technisch genial oder Blase fatal?

Bitcoin ist der bekannteste Vertreter unter den Kryptowährungen, welche derzeit in aller Munde sind. Expertenmeinungen zum Thema sind jedoch gespalten. Sind Kryptos der Heilsbringer für den Finanzmarkt oder doch nur die nächste große Blase, die bald zu platzen droht? Ein Kommentar.

Von Robert Halver - 20. Dezember 2017

Grafik nach: Bloomberg, Baader Bank Kapitalmarktanalyse

Hinter einer Kryptowährung stehen miteinander verkettete Blöcke, die sogenannte Blockchain. Sie ist eine Art dezentrale Datenbank, zu der jeder Zugang hat, der mit seinem Computer an die Krypto-Währung angebunden ist. Über jede ausgeführte Zahlungstransaktion weiß also jeder Bescheid. Es herrscht vollständige Transparenz. Diese Transparenz würde willkürlichen Preisschüben auf breiter Ebene einen Riegel vorschieben und gesamtwirtschaftlichen Nutzen bringen. Und da die teilnehmenden Geschäftspartner anonym sind, ist sogar der Datenschutz gewährleistet.

Wo liegen die Fallstricke von Kryptos?

Doch kennt man die Geschäftspartner nicht persönlich, sind kriminellen Handlungen Tür und Tor geöffnet. Mit welcher Berechtigung werden Steuerhinterziehung, Schwarzgeld oder Drogenkriminalität durchleuchtet, wenn man alternativ dunkle Krypto-Ecken erlaubt?
Da mittlerweile viele Menschen Kryptos nutzen, können Zahlungstransaktionen mitunter mehr als zehn Minuten dauern. Bei Mastercard, Visa, American Express oder PayPal geht das ruckzuck. Hieß es nicht, dass die zügige Zahlungsabwicklung der große Vorteil von Cyber-Geld sei?
Und wer sich schon über die Wiedereinführung oder Erhöhung von Überweisungs- oder Kontoführungsgebühren bei Girokonten aufregt, sollte vor Transaktionen mit Kryptowährungen die Familienpackung Valium zu sich nehmen.

Da die Schöpfung von Kryptogeld durch Rechenkapazitäten der Computer eingeschränkt und daher nicht beliebig vermehrbar ist, bestimmt sich sein Kurs allein durch Angebot und Nachfrage. Aber welches Unternehmen will im Zahlungsverkehr eine Währung akzeptieren, die bei Kursverlusten die Gewinnmarge zerschlägt? Insgesamt sind Kryptowährungen für den Otto-Normal-Verbraucher nicht zum Bezahlen geeignet.

Kryptowährungen sind der Erzfeind der Politik

Und es gibt noch das ganz große Killerargument gegen Kryptos als allgemeines Zahlungsmittel: Mit ihrer beschränkten Verfügbarkeit hätten diese Währungen zwar einen starken Stabilitätscharakter und würden die unsolide, ungebremste Geldvermehrung über die Druckerpresse der Geldpolitik beenden. Doch mit nicht mehr beliebig vermehrbarem Kryptogeld wären leider auch die üppigen staatlichen Sozialleistungen nicht mehr zu finanzieren. Und wie will man sich erst von zukünftigen (Euro-)Krisen „freikaufen“?

Überhaupt, wie sollen in einer global brutal wettbewerbsintensiven Welt Standortverbesserungen, Steuersenkungen und digitale Infrastruktur sowie Militärausgaben bezahlt werden? Hatte Ronald Reagan nicht die damalige Sowjetunion mit unendlich viel Geld totgerüstet? Wurde wegen dieser „hehren Ziele“ nicht sogar die Gold-Deckung von Krediten Anfang der 70er-Jahre ersatzlos gestrichen? Auch Gold hat den „Nachteil“, nicht beliebig vermehrbar zu sein.
Also, warum sollte sich ein Politiker für den umfangreichen Einsatz von Kryptowährungen wie Bitcoin, Ether usw. einsetzen? Sollen sie auf hohes Wirtschaftswachstum, das von den Notenbanken mit ihrer Währung „Geld“ hemmungslos gedüngt wird, verzichten? Welcher Politiker will denn das real existierende Märchen von Rumpelstilzchen beenden, das erlaubt, aus Stroh, also aus Nichts, Geld zu machen? Politiker lassen nicht die Finger vom Geldausgeben. Wer verzichtet schon freiwillig auf die Chancen einer Wiederwahl? Oder kämen Frösche jemals auf die Idee, ihre eigenen Tümpel trockenzulegen? Bevor sich Kryptowährungen auch nur ansatzweise in Richtung konkurrenzfähiges Massenzahlungsmittel entwickeln, werden sie von der Politik auf die Guillotine gelegt.

Für Anleger, die Risiko aushalten, sind Kryptos allerdings paradiesische Spekulationsobjekte. Und wenn eine Anlageform wie Bitcoin seit Jahresbeginn etwa 1000 Prozent gewonnen hat, kann man getrost von einer Blase sprechen. Allerdings hat es auch schon Abstürze von 30 Prozent gegeben. Aus heutiger Sicht ist zu erwarten, dass der Kurs von Bitcoin & Co. noch weiter ansteigt. Die Finanzindustrie hat Kryptowährungen längst als Anlageobjekt entdeckt und smarte Produkte darauf gestrickt. Kryptowährung kann man online auf einem Bitcoin-Marktplatz kaufen. Bitcoin-Börsen wie CEX.IO, Kraken, Bitstamp und Paymium sind Alternativen. Indexzertifikate von Banken gibt es auch schon. In den USA ist sogar die Einführung eines Bitcoin-Futures geplant, wodurch Kryptos für institutionelle Anleger die höheren, professionellen Weihen erhalten. Selbst in den Boulevard-Blättern liest man mittlerweile davon. Das Thema ist also im Volkskapitalismus angekommen.

Die nächste „Sau“ wird über das Börsenparkett gejagt

Kommt Ihnen diese Blase bekannt vor? Es gab bereits Blasen bei Tulpen, bei Eisenbahnen, Immobilien oder dem Neuen Markt. Und tatsächlich: Legt man den Kurs von Bitcoins zeitversetzt mit der Entwicklung des Neuen Markts übereinander, sind Ähnlichkeiten nicht nur rein zufällig. Das Ende vom Lied kennt jeder. Der Auslöser eines Platzens der Krypto-Blase könnten weltweit scharfe Regulierungen aus Angst vor einer die Politiker einschränkenden Währungs-Konkurrenz sein.

Was bleibt nach dem Hype übrig?

Wie lange sich die Krypto-Blase noch aufbläht bzw. wann sie platzt, kann niemand prophezeien. Eins ist aber klar: So wie die Eisenbahnen die Eisenbahn- und das Internet die Dotcom-Blase überlebt haben, wird die Blockchain-Technologie die Krypto-Blase überleben.

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