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Neue Technologien drängen auf den Markt: Impfstoffe als Investitionschance?

In Zeiten niedriger Zinsen und steigenden Regulierungen ist die Suche nach lohnenden Investitionsmöglichkeiten schwierig. Digitale Technologien, Kaffee oder erneuerbare Energien sind in aller Munde. Was häufig vernachlässigt wird und in Portfolien gar nicht erst auftaucht, sind medizinische Präparate – im Speziellen Impfstoffe.

Von Stephanie Ruch - 08. August 2019

Bildnachweis: istock/Jackie Niam

Die aktuelle Diskussion um verpflichtende Impfungen zeigt auf, welch Potenzial sich ind dieser Branche verbirgt. Hinzu kommt: In der Produktion werden zumeist noch veraltete Technologien genutzt. Es scheint nur noch eine Frage der Zeit, bis neue Player auf den Markt drängen. Damit ergeben sich große Potenziale für Anleger. Eine Chance, die nicht nur Menschenleben rettet, sondern auch für Investoren durchaus lukrativ ist.

Impfungen sind eine der effektivsten Maßnahmen gegen Infektionskrankheiten. Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) werden mehr als 90 Prozent der Kinder in Deutschland geimpft. In einer 2010 durchgeführten Studie unter niedergelassenen Ärzten sagten 61% der Patienten, dass sie sich regelmäßig gegen saisonale Influenza impfen lassen (Boehmer M et al. im Gesundheitswesen 2014). Impfungen sind also nicht nur lebensrettende Maßnahmen, sondern bieten durch die hohe Nachfrage eine enorme Investitionsplattform. Die Wichtigkeit und das Entwicklungspotential der Impf-Herstellung kann an einigen Krankheitsbeispielen skizziert werden: Bis in die 1960er-Jahre starben zum Beispiel weltweit noch jedes Jahr rund zwei Millionen Menschen an dem sogenannten Pockenvirus. Diese Krankheit ist seit 1979 mithilfe präventiver Impfungen durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) offiziell als ausgerottet erklärt worden. Dieses positive Beispiel zeigt, dass Impfstoffe einen wichtigen Forschungsschwerpunkt darstellen. Zwischen 2007 und 2017 sind nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) allerdings etwa 190.000 Menschen in Deutschland an Erkrankungen gestorben, gegen die man sich hätte impfen können.

Disruptive Entwicklungen auf dem Markt für Impfstoffe

Grund für die Impfskepsis in Deutschland sind teils veraltete Herstellungsprozesse. Dadurch werden Stoffe wie Quecksilber oder Aluminiumhydroxid verwendet, die in breiten Teilen der Gesellschaft umstritten sind – auch wenn ein wissenschaftlicher Nachweis für signifikante, schwerwiegende Schädlichkeit bislang nicht erbracht wurde. Vor dem Hintergrund des Masernschutzgesetzes, das ab 2020 greifen soll, ist die Diskussion um eine Verpflichtung zur Impfung emotionalisiert. Pharma-Unternehmen hinterfragen daher zunehmend die Herstellungsverfahren – Startups und innovative Biotech-Unternehmen suchen nach Partnerschaften, um „saubere Vakzine“ in klinischen Tests zur Marktreife zu bringen.

Die Nachfrage nach Impfstoffen wird jedenfalls in den kommenden Jahren Rekordwerte annehmen: Die Akzeptanz in der Bevölkerung wächst und wird insbesondere nach Einführung neuerer Technologien einen Sprung machen. Zudem ist es wahrscheinlich, dass weitere Impfpflichten, auch über Kitas hinaus, diskutiert werden, um das Netz der Herdenimmunität noch enger und breiter zu spannen. Und bereits seit Jahren stellt Knappheit von Impfstoffen ein Problem dar. In diesen disruptiven Entwicklungen steckt ungeheures Investitionspotenzial.

Veraltete Technologien werden in der Impfstoffherstellung verwendet

Für die Impfstoffherstellung gegen Viruserkrankungen beispielsweise werden aktuell lebende Zellen benötigt, da die Viren gezüchtet werden müssen. Danach werden die Erreger abgetötet oder abgeschwächt (attenuiert) und gereinigt. Manche Impfstoffe werden mit so genannten Adjuvanzen, Verstärkerstoffen, angereichert, um die Wirkung zu erhöhen – dazu zählt auch das oben genannte umstrittene Aluminiumhydroxid.

Impfstofforschung wird auch in Zukunft immer wichtiger.
(Bildquelle: DIE LOUNGE)

Die Zellen zur Zucht wiederum stammen momentan aus Hühnergewebe, Affennierenzellen, Hefezellen, aber auch aus menschlichem fetalem Gewebe. Bereits seit den 1960er Jahren werden aufbereitete Zellen von abgetriebenen Föten (humane fetale Zelllinien) für die Herstellung bestimmter Aktiv-Impfstoffe vermarktet. Dabei handelt es sich um die Aktiv-Impfstoffe gegen die Virusinfektionskrankheiten Hepatitis A, Röteln und Windpocken, die auch heute noch in Deutschland und europaweit ausschließlich unter Verwendung humaner Föten hergestellt werden. Das ist nicht nur ethisch fragwürdig, sondern kann zu Kontaminationen und Verunreinigungen führen. Der gesamte Prozess ist zudem recht teuer. Da teils mit lebenden Erregern hantiert wird, sind aufwendige Hochsicherheitsmaßnahmen von Nöten.

Der aktuelle Standard bei der Impfstoffentwicklung basiert also auf überholten, teuren und ethisch fragwürdigen Verfahren. Ein Beispiel dafür sind Grippe-Impfstoffe, die seit Jahrzehnten in befruchteten Hühnereiern gezüchtet werden. Das ist extrem zeitaufwendig, denn pro Impfdosis ist jeweils ein befruchtetes Ei erforderlich. Nur so kann sich jeder Virus-Subtyp in einem separaten Produktionsschritt vermehren. Die Vermehrung der Viren dauert ungefähr 28 Wochen. Die Hersteller haben daher nur ein begrenztes Zeitfenster für die Impfstoff-Produktion, was regelmäßig zu einer verspäteten Versorgung der Bevölkerung führt.

Zudem lässt es sich nicht vermeiden, dass das Antigen Spuren von Hühnereiweiß enthält, sodass auf diese Weise hergestellte Impfstoffe für Menschen mit einer Hühnereiweiß-Allergie ungeeignet sind. Ein weiterer Nachteil ist, dass es zu Verunreinigungen der Eier kommen kann.

Biotech-Unternehmen haben moderne Lösungsansätze

Heute ist die Biotechnologie eine vielgenutzte Querschnittstechnologie. Ihre Einsatzmöglichkeiten sind nicht auf ein Gebiet beschränkt. Auch in der sauberen und wirksamen Produktion von Impfstoffen haben Biotech-Unternehmen heutzutage eine große Bedeutung.

Dem Biotech-Unternehmen CureVac ist es zum Beispiel gelungen, das Botenmolekül Messenger-RNA (mRNA) medizinisch nutzbar zu machen. Das im Jahr 2000 gegründete Tübinger Unternehmen ist weltweit führend in diesem Forschungsbereich.  Die CureVac-Wissenschaftler haben herausgefunden, dass das natürliche mRNA als Informationsträger für die Bauanleitung von Proteinen verwendet werden kann. So kann der Körper sein eigenes, maßgeschneidertes Medikament gegen eine Vielzahl von Erkrankungen selbst herstellen. Das Prinzip dabei ist einfach: Statt Krankheitserreger oder deren Proteine enthalten die Impfstoffe mRNA, die das gewünschte Antigen kodiert. Der Impfstoff liefert also die Information zum Bau der Antigene, die Produktion findet dann im Körper des Geimpften selbst statt.

Dieses Verfahren bietet vielseitige Vorteile: Zum einen ist keine Anzucht von Pathogenen etwa in Hühnereiern wie beim Grippeimpfstoff nötig. Die Produktion ist zudem zeitsparend. Von der Gensynthese bis zum Abfüllen sind nur etwa sechs Wochen nötig. Ein weiterer Vorteil ist, dass der Impfstoff ohne Kühlung auskommt, was die Logistik vor allem in Entwicklungsländern deutlich vereinfacht. mRNA ist zudem hitze- und kältestabil.

Ein weiteres Beispiel ist das Münsteraner Biotech-Unternehmen Cilian AG, das einen Lösungsvorschlag gegen die immer wiederkehrende Grippewelle bietet: Das Unternehmen entwickelt mit CiFlu® einen innovativen Grippe-Impfstoff, dessen Wirksamkeit u.a. in einer Studie im Rahmen des ADITEC-Konsortiums der Europäischen Union an Mäusen erwiesen wurde. CiFlu® wird in einem biotechnologischen Verfahren mithilfe einfacher Wimperntierchen gewonnen und kommt nach aktuellem Stand der Studien ohne umstrittene Verstärkerstoffe aus. Bei Tests mit dem Impfstoff in Mäusen konnten eine hohe Immunreaktion sowie Schutz gegen Grippeviren nachgewiesen werden. „Wir haben mit der Studie den Nachweis erbracht, dass CiFlu® nicht nur Antikörper produziert, sondern tatsächlich schützt und mehr Gesundheit bringt“, so Dr. Marcus Hartmann, CSO der Cilian AG. Besonders schwache, vorerkrankte oder ältere Menschen können durch die hartnäckigen Grippe-Viren und den langwierigen Krankheitsverlauf enorm geschwächt werden.

Auch die Forschung bietet Investitionsmöglichkeiten. (Bildquelle: DIE LOUNGE)

CiFlu® ist in der Entwicklung nicht nur schneller und sauberer, sondern auch bedeutend günstiger als die bisherige Impfstoffentwicklung, heißt es in Pressemitteilungen der Cilian AG. Damit kann die Produktion für die breite Masse gewährleistet werden. Die Produktionsbedingungen sind ebenfalls unkompliziert, da keine Hochsicherheitsvorkehrungen mit Schutzkleidung benötigt werden. „Wir könnten entspannt in T-Shirts und Jeans im Labor stehen. Wenn ich mit der bloßen Hand in einen der Töpfe hineingreife, wäre der Inhalt nicht mehr verwendbar – aber mir würde nichts passieren. Wir arbeiten mit völlig harmlosen Wimperntierchen, die in jedem Fluß oder See vorkommen. Alleine dadurch ist die Produktion wesentlich agiler, schneller und sicherer“, so Hartmann.

Christian Scheiner, CEO der Cilian AG fordert: Pharmakonzerne sollten sich mehr neuen Produktionsverfahren öffnen und auf saubere Methoden setzen. „In sämtlichen Lebensbereichen setzen wir neue, digitale Technologien ein: Beim Shoppen, Fernsehen und beim Buchen unseres Urlaubs. Wenn es um Grippe-Impfstoffe geht, nutzen wir allerdings immer noch veraltete Technologien. Hier sollte ein Umdenken stattfinden. Niemand sollte im 21. Jahrhundert noch an Grippe sterben.“

Startups suchen nach Investoren und Partnern

Trotz aller Vorteile solcher Innovationen ist der Weg zur Produktreife steinig: Anders als bei beispielsweise vielen digitalen Innovationen sind die Marktzutrittsbarrieren sehr hoch. Eine klinische Studie kann schnell bis zu 50 Millionen EUR verschlingen, Regulatorien und Prüfungen erschweren die Produktion: Das Paul-Ehrlich-Institut überwacht die Arbeiten unter strengen Kriterien. Dafür herrscht hinter diesen Barrieren faktisch kein Wettbewerb mehr, der Markt ist gigantisch und wachsend – mit einem Milliardenpotenzial. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis sich hier mehrere Einhörner herausbilden.

Dennoch fällt es Startups, die auf Entwicklung von Vakzin spezialisiert sind, schwer, Partner und Investoren zu finden. Oft fehlt es an medialer Unterstützung und am öffentlichen Interesse, um die entsprechenden Botschaften breit zu transportieren. Wer sich als Investor jedoch in die Nische begibt und gut beraten lässt, dem tut sich großes Potenzial auf.

 

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