Jetzt Mitglied werden
Börse & Märkte

US-Geldpolitik: überschaubare Implikationen für Devisenkurse von Schwellenländern

Geraten die Devisenkurse von Schwellenländern mit der geldpolitischen Wende in den USA unter Druck, weil Finanzkapital abgezogen wird? Viele Länder sind wirtschaftlich nicht mehr so abhängig von der Entwicklung der US-Zinsen wie zu früheren Zeiten. Auch die Rohstoffpreise sind relativ stabil, während das Aufwärtspotenzial von US-Renditen nicht überbetont werden sollte. So sind erhebliche Abwertungen von Devisenkursen vor allem die Folge der inländischen Wirtschaftspolitik des jeweiligen Schwellenlandes.

Von Dr. Klaus Bauknecht - 03. Juli 2018

Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen in Prozent. Quelle: Bloomberg.

Wenn die Fed in der Vergangenheit die Zinsen erhöhte, ergaben sich fast immer erhebliche Herausforderungen für Schwellenländer: Anfang der 1980er Jahre hatte die Fed unter Paul Volcker die Zinsen drastisch angehoben, um die zweistellige Inflationsrate in den USA zu bekämpfen. Das Ergebnis war eine deutliche Aufwertung des US-Dollar. Dies führte zu einer Schuldenkrise in Südamerika, da dort viele Länder in US-Dollar verschuldet waren.

Als im Jahr 2013 der damalige Fed-Präsident Bernanke eine Wende der US-Zinspolitik nur andeutete, stiegen die US-Renditen deutlich an und das globale Finanzkapital floss zurück in die USA. Auch damals gerieten einige Schwellenländer deutlich unter Druck. Insbesondere für Länder mit chronischem Leistungsbilanzdefizit, die auf internationales Finanzkapital angewiesen waren, ergaben sich heftige Probleme. Schon damals schenkte die Fed möglichen globalen Folgen ihrer Geldpolitik wenig Beachtung.

US-Geldpolitik und -Renditen: Korrekturpotenzial überschaubar

Die Fed hat mit ihren Leitzinsanhebungen das lange Ende der US-Zinskurve angehoben. Das Niveau zehnjähriger US-Renditen, welches lange Zeit Zweifel an der Nachhaltigkeit der geldpolitischen Wende spiegelte, ist jüngst auf rund drei Prozent gestiegen. Doch wieviel Raum für weitere Zinserhöhungen bleibt, ist nicht eindeutig. Zwar sollte die Fed auch dank der US-Steuerpolitik durchaus die Möglichkeit haben, ihren Leitzins in diesem Jahr weiter anzuheben; wie nachhaltig sich die konjunkturelle Erholung erweisen wird, bleibt allerdings abzuwarten. Für weitere Fed-Zinsanhebungen könnte es eng werden – vor allem ab der zweiten Jahreshälfte 2019. Aber selbst mit Zinserhöhungen über 2018 hinaus ist dennoch nicht von einer deutlichen Korrektur am langen Ende der US-Zinskurve auszugehen. Aufgrund der US-Wachstums- und Inflationsprognosen dürfte die Fed-Funds-Rate ihren Höchststand bei ca. 3,5 Prozent erreicht haben. Zudem sollte perspektivisch das Risiko sinkender US-Leitzinsen nicht vernachlässigt werden. Eine bedeutende Korrektur von US-Langfristzinsen ist folglich nicht zu erwarten (Titelbild).

Ist die US-Geldpolitik eine Gefahr für Schwellenländer?

Die potenzielle Gefahr hoher US-Renditen für die Schwellenländer sollte nicht überbewertet werden. Als 2013 die US-Renditen um rund 100 Basispunkte stiegen und die Devisenkurse der Schwellenländer erheblich unter Druck gerieten, waren dieser Entwicklung mehrere Jahre mit hohem Wirtschaftswachstum, ausweitendem Leistungsbilanzdefizit und oftmals eskalierender Korruption in vielen Emerging Markets vorausgegangen. Volkswirtschaften mussten angesichts der abrupten Wende der Kapitalströme einen umfangreichen Anpassungsprozess von Angebot und Nachfrage bewerkstelligen – auch aufgrund eines enormen Öl- bzw. Rohstoffpreisverfalls. Aktuell haben Schwellenländer weder Jahre mit Nachfrageüberschüssen hinter sich, noch sollten US-Dollar basierte Rohstoffpreise eine deutliche Abwärtskorrektur vollziehen.

Zinsanhebungen – nicht immer eine erfolgreiche Stütze für Devisenkurse

Schwellenländer versuchen oftmals mit Zinserhöhungen dem Abwertungsdruck ihrer Währung entgegenzutreten. Grundsätzlich ist das richtig, da steigende Zinsen Währungen stützen. Hebt allerdings die Notenbank ihren Leitzins zu stark an, kann sich dies kontraproduktiv auswirken; die Realwirtschaft wird durch extrem steigende Zinsen belastet. Dies wiederum nährt Zweifel an der Nachhaltigkeit einer solchen Zinspolitik, vor allem wenn diese die politische Stabilität im Land gefährdet.

Landeseigene Wirtschaftspolitik wichtiger Faktor

Wird eine Währung international als überwertet angesehen, kann eine Notenbank sie selbst durch drastische Zinsanhebungen nicht nachhaltig stützen. Dies gilt vor allem dann, wenn die wirtschaftliche Entwicklung des betroffenen Landes negativ verläuft. Historische Beispiele gibt es einige: Der Devisenkurs Großbritanniens Anfang der 1990er Jahre, Russlands Probleme 1998 und immer wieder der südafrikanische Rand waren diesen einseitigen Erwartungen ausgesetzt. Erst eine massive Abwertung führte dann endgültig zu einer ausgeglichenen Einschätzung der Währungsentwicklung.

Abwertung der Türkischen Lira: „Made in Turkey“

Aktuell ist der Abwertungsdruck in Schwellenländern wie Brasilien, Russland oder Argentinien weniger der US-Zinsentwicklung zuzuschreiben als der jeweiligen Wirtschaftspolitik. Das gilt insbesondere für die Türkei. Einseitige negative Erwartungen, die durch innenpolitische Fehlentwicklungen geschürt werden, strukturelle Ungleichgewichte sowie historisch hohe Inflationsraten sorgen für eine Abwärtsspirale aus Abwertung und negativen Erwartungen. So sollte die Lira trotz des schon länger anhaltenden Kursverfalls erst nach einer weiteren drastischen Abwertung nachhaltig Stabilität finden.

Dr. Klaus Bauknecht

IKB Deutsche Industriebank AG

Dr. Klaus Bauknecht ist Chefvolkswirt der IKB Deutsche Industriebank AG. Zuvor bekleidete er diese Position bei ING Barings in Johannesburg.

Lesen Sie auch

Krypto-Science-Fiction

Immer mehr Start-ups schießen sich in ferne Krypto-Galaxien,[…]

Redaktion

Deutsche Unternehmen überweisen 47 Milliarden Euro an Aktionäre

Der Blick auf die Kontoauszüge lässt viele Aktionäre[…]

Christian Kahler

Griff der Notenbanken lockert sich

Die Informationsfunktion von Marktpreisen wurde bislang durch den[…]

Ulrich Kater

Besser wird’s nicht mehr – Ausblick 2018

Die Stimmung der deutschen Unternehmen war noch nie[…]

Stefan Bielmeier

Aufklärung über die Mythen der Automatisierung

In Zeiten von selbstfahrenden Autos, Roboter-Operationen und Computern,[…]

Charles Ellis

Kryptowährungen – Technisch genial oder Blase fatal?

Bitcoin ist der bekannteste Vertreter unter den Kryptowährungen,[…]

Robert Halver

Vorteile aus zwei Welten für die Vermögensverwaltung

Neben der prognosebasierten Portfoliosteuerung hat sich bei der[…]

Christian Jasperneite

So kann es nicht mehr weitergehen

Der S&P 500 hat in den vergangenen dreißig[…]

Otmar Lang

Von Beruf: Liquiditätsspender

Werden Wertpapiere gehandelt, sind sie liquide. Eine Besonderheit[…]

Claus Stielenbach

Bewertung – Wachstum – Risikoaversion

Die Sommermonate waren ein unangenehmes Lehrstück, wie die[…]

Dr. Achim Hammerschmitt

Der Brexit und der Gewerbeimmobilienmarkt in Frankfurt

Der Austritt Großbritanniens aus der EU wird zu[…]

Gertrud Traud

Gebührenexzesse können nicht die Lösung sein

Eine Einführung oder Erhöhung von Gebühren ohne Verbesserung[…]

Robin Buschmann

Aktien oder Gold? Eine typisch deutsche Frage

Gold erfreut sich vor allem in Krisenzeiten großer[…]

Dr. Christoph Bruns

Soll ich jetzt noch Aktien kaufen?

Das fragen viele Kunden ihre Berater. Die deutschen[…]

Jochen Knoesel

Lehren aus der Frankreich-Wahl

Am Ende fiel der Sieg deutlicher aus als[…]

Uwe Burkert

„Es ist höchste Zeit, dass die Deutschen ihre Sparangewohnheiten ändern“

Die comdirect bank AG bietet mit cominvest ab[…]

Philipp Scherber
Erneuerbare Energien Onshore

Erneuerbare Energien – ein wachsendes Geschäftsfeld für Banken

Alle Länder der EU haben sich mit der[…]

Lars Quandel

Handelsbilanzüberschüsse als kulturelles Phänomen

Klarer kann es ein US-Präsident kaum ausdrücken: Trump[…]

Karsten Junius

Das Europa der verschiedenen Geschwindigkeiten

Freud und Leid gehören bekanntermaßen schon seit eh[…]

Carsten Brzeski

Börsen am Scheideweg?

Nunmehr ist es acht Jahre her, dass die[…]

Dr. Christoph Bruns

Tipps für die Geldanlage während der Niedrigzinsphase

Anzeige Durch clevere Investments können Anleger nicht nur[…]

David Gunner

TARGOBANK startet Depoteröffnung für online-affine Kunden

Düsseldorf – Was beim Kreditangebot „Direkt-Geld“ schon lange[…]

Christian Grosshardt

Wie repräsentativ sind Indizes?

Mit der steigenden Beliebtheit von Exchange Traded Funds[…]

Thomas Kettner

Erfolgreich anlegen mit ETFs

Autor: Michael Huber u.a. Euro: 24,99 192 Seiten,[…]

Christian Grosshardt

Trump verunsichert auch weiterhin Anleger

Frankfurt – Die groß angekündigte Pressekonferenz des künftigen[…]

Daniel Fernandez

Aktien mit wenig Potenzial, Anleihen mit erheblichen Risiken

Das Börsenjahr 2016 wurde vor allem von den[…]

Carsten Mumm

Zins-Zäsur verlangt Umsteuern bei der finanziellen Altersvorsorge

Mittlerweile pfeifen es die Spatzen von den Dächern:[…]

Dr. Christoph Bruns

Anlageberatung im Nullzinsumfeld: Neue Konzepte braucht das Land

Die Tatsache, dass Staatsanleihen keine risikolose Rendite mehr[…]

Jochen Knoesel

Long live the King: Der US-Dollar regiert die Welt!

Warum ist der US-Dollar für die Entwicklung der[…]

Andreas Lesniewicz

Warum in die Ferne schweifen?

Am deutschen Aktienmarkt tummelt sich eine Vielzahl attraktiver[…]

Oliver Maslowksi

„Kampfschwadron Apache Hubschrauber“ – was hat es mit „Helikoptergeld“ auf sich?

Die geldpolitischen Maßnahmen scheinen bald ausgereizt zu sein.[…]

Florian Müller

Alles bleibt anders

Nach schwachem Jahresauftakt haben sich die Börsen zuletzt[…]

Carsten Klude

Gute Aussichten bis ins 2. Halbjahr

Die Ankündigungen der EZB im März hatten es[…]

Dr. Harald Preißler

DAX-Analyse: Alles halb so schlimm?

Die Rückkehr der Risikofreude bei den Anlegern führte[…]

Stefan Böhm

The bear is growling!

In den Medien hört man oft, dass man[…]

Roman Kurevic

Es gibt sie doch, die Finanzexperten!

In den letzten Ausgaben der Bankingnews kritisierten André[…]

Vasily Nekrasov

Wahrsager und Kristallkugeln

Hier meine Vorhersage: Auch im kommenden Jahr werden[…]

Lucy O'Carroll

Sind die Börsenschwankungen im Jahr 2015 noch normal?

Die Schwankungen an der Börse verursachte so manchem[…]

Florian Müller

Schwein gehabt!

Das Fahrradschloss „Lock8“ schließt noch nicht. 742 Unterstützer[…]

Thorsten Hahn

Fed-Beben

Erdbeben verursachen häufig auch weit vom Epizentrum entfernt[…]

Ludovic Subran

Banken können ETFs zur Kundenbindung einsetzen

Der zunehmende, von der Regulierung forcierte Verbraucherschutz und[…]

Simon Klein

Postbank: Hauptversammlung beschließt, Aktien von der Börse zu nehmen

Die Jahreshauptversammlung der Postbank beschloss gegen den Willen[…]

Julian Achleitner

Passion Investment: Leidenschaft und Anlageprodukt

Was der eine aus Leidenschaft sammelt, ist für[…]

Julian Achleitner

Nachhaltiges Investieren

Öko ist in! Öko ist sexy! Öko ist[…]

Julian Achleitner

Steht an den Aktienmärkten ein gewaltiger Bärenmarkt vor der Tür?

Wie lange können Aktienmärkte die negativen Fundamentaldaten ignorieren?[…]

Roman Kurevic

Zweitmarkt für Lebensversicherungen: Reformgesetz sorgt für Wachstum

Die Beteiligung der Bewertungsreserven ausscheidender Versicherungsnehmer in der[…]

Matthias Wühle

Passives Einkommen mit Gold

Der Gold-Hype scheint vorbei. Jetzt muss wieder mit[…]

Christian Grosshardt

Kaufen, wenn die Kanonen donnern!

Jeder kennt dieses Zitat von Rothschild, aber sehr[…]

Julian Achleitner

Whisky als Investment

Was dem einen sein Rotwein oder Cognac am[…]

Thomas Ide