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1466: Il magnifico – Bankier und Finanzier der Kirche

Zu Lebzeiten gehörte Agostino Chigi zu den reichsten MĂ€nnern der Renaissance und ĂŒberwachte die Finanzen der Kirche. Aufgrund seines Wohlstandes und guten GeschĂ€ftssinnes wurde er als “il magnifico” (Der PrĂ€chtige) bezeichnet. Zu seinem 556 Geburtstag, blicken wir zurĂŒck auf sein Leben und Wirken. 


556 Geburtstag von Agostino Chigi, einem Bankier und Finanzier der Kirche

Geboren wurde Agostino Chigi am 1. Dezember 1466. Sein GespĂŒr fĂŒr das Unternehmertum und Finanzwesen wurde ihm in die Wiege gelegt, denn sein Vater Mariano Chigi war ein erfolgreicher Bankier in Siena und Rom sowie Mitglied des Sieneser Rates. Agostino absolvierte seine Lehre in der Bank seines Vaters sowie im Bankhaus Ambrogio Spannocchi in Rom.  

Ein Bankier im Dienste Roms 

1486 wurde er Teilhaber des Bankhauses Ghinucci und zog im darauffolgenden Jahr nach Rom. Hier konnte sich Agostino Chigi das Vertrauen von Papst Alexander VI. sichern, indem er Rom durch die Finanzierung von Kornlieferungen vor einer Hungersnot bewahren konnte. Doch auch in anderen Teilen Italiens verschafft sich Chigi durch Handelsgeschick und die Vergabe von Krediten gute Beziehungen und Macht im Adel. So vergab er 1497 einen Kredit im sechsstelligen Bereich an die Republik Venedig. Was sich heute nicht nach viel anhört, sicherte dem Bankier damals nicht nur das Vertrauen Venedigs, sondern auch eine Monopolstellung im Alaunhandel. Im Jahre 1502 grĂŒndeten er, sein Vater Mariano und der Patrizier Matteo Tommasi eine Bank in Rom, welche ihren Fokus vor allem auf die GeschĂ€fte der Kirche und des Borgia Papstes ausrichtete. So finanzierte “il Magnifico” etwa mit einigen Krediten die FeldzĂŒge Papst Alexanders und dessen Sohn Cesare Borgia in Norditalien. 

Agostino festigt seine Stellung 

Nach dem Tod Alexanders VI. am 18. August 1503 wurden so gut wie alle seiner zu Lebzeiten geschlossenen HandelsvertrĂ€ge durch dessen Nachfolger Julius II., aufgrund seiner Feindschaft zu den Borgia, aufgehoben – mit Ausnahme derer von Agostino Chigi. Auch Julius unternahm viele FeldzĂŒge, wodurch Chigi durch entsprechende Finanzierungen seine Machtposition in Rom weiter ausbauen konnte. Das ließ die Kirche einiges kosten, so sollen zeitweise sowohl die pĂ€pstliche Dreifachkrone als auch die Mitra Pauls II. bei Chigi als Pfand hinterlegt worden sein. Unter Julius wurde Chigi nicht nur zum pĂ€pstlichen Schatzmeister, sondern er wurde auch offiziell in die Familie des Papstes aufgenommen. Folglich erlaubte dies Agostino Chigi das Wappen der Familie Della Rovere zu fĂŒhren. Bereits 10 Jahre nach seinem Amtsantritt verstarb Julius und “il magnifico” diente unter dessen Nachfolger Leo X. – dem dritten Papst innerhalb seiner beruflichen Laufbahn. Bereits die Krönung Leos soll Chigi finanziert haben.  

Neben seiner unternehmerischen Karriere galt Agostino Chigi auch als Förderer der Kunst. So unterstĂŒtzte er etwa KĂŒnstler wie Raffael, Gianfrancesco Penni oder Lorenzetto finanziell  und gestattete ihnen zum Teil sogar eine Bleibe in seiner Villa Farnesina im römischen Stadtteil Trastevere. Hier soll der Bankier auch Feste veranstaltet haben, die in der Renaissance ihres gleichen suchten. Nicht nur Gelehrte und Adel zĂ€hlten zu seinen GĂ€sten, auch Leo X. soll die Feierlichkeiten regelmĂ€ĂŸig besucht haben.  

Eines FĂŒrsten wĂŒrdig 

Agostino Chigi verstarb im April 1520 in Rom im Alter von 55 Jahren, nur sieben Monate nach der Hochzeit mit seiner zweiten Frau Francesca Ordeasch und wenige Tage nach Ableben des KĂŒnstlers Raffael. Der Trauerzug zu seiner letzten RuhestĂ€tte war eines FĂŒrsten wĂŒrdig. So sollen sich 37 Bischöfe, eine große Anzahl von KardinĂ€len, 86 Karossen und weitere Ordensleute beteiligt haben. Chigi hinterließ 5 Kinder, dessen jĂŒngster Sohn erst nach seinem Tod geboren wurde. DarĂŒber hinaus soll der Bankier der Vater von Lucrezia, der Tochter der Kurtisane Imperia Cognati gewesen sein. Nach seinem Tod hatte Chigi in seinem Testament verfĂŒgt, dass alle GeschĂ€fte des Bankhauses abgewickelt und es geschlossen werden sollte. Zum Leidwesen des Rufes der Bank hielten sich seine Erben nicht an diese Vorgabe und fĂŒhrten die GeschĂ€fte des Geldhauses minder erfolgreich fort bis es letztendlich in einer Insolvenz unterging. Heute erinnern neben der Villa Farnesina vor allem sein Grabmal und die Capella Chigi in der Basilica Santa Maria del Popolo in Rom an den einst „prĂ€chtigsten” Mann der Stadt.  

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