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EZB auf dem Pfad der Normalisierung

Mit Spannung wurde die Pressekonferenz der EZB anlässlich ihrer geldpolitischen Beschlüsse erwartet. Proportional zur rasant steigenden Inflationsrate war auch der Handlungsdruck auf die Behörde gestiegen. Welche Maßnahmen ergreift sie, um den Euroraum zu stabilisieren?

Von Milan Herrmann - 25. Juli 2022
EZB, Europäische Zentralbank

Foto: istock.com/Nuthawut Somsuk

Mit ihrem „Pfad der Normalisierung“ stellt sich die Europäische Zentralbank (EZB) der historischen Inflationsrate im Euroraum entgegen. Die Wortwahl wirkt wenig spektakulär, doch dahinter verbergen sich zwei weitreichende Entscheidungen. Zum einen wird der Leitzins nach einer zehnjährigen Negativzinsphase vorzeitig auf ein neutrales Niveau angehoben. Zum anderen bereitet sich die EZB mit dem Transmission Protection Instrument (TPI) auf mögliche Spekulationen gegen einzelne Mitgliedsstaaten vor. 

Leitzins – Step by step

Am vorrangigen Ziel der EZB ließ Präsidentin Christine Lagarde nicht den geringsten Zweifel. Die Zentralbank sei zuvorderst in der Pflicht, Preisstabilität im gemeinsamen Währungsraum zu gewährleisten. Zwar könne das Ziel, die Inflation auf zwei Prozent einzudämmen, kurzfristig nicht erreicht werden, zu groß sei die Wirkung der Energiepreise. Allerdings werde das Gremium alles Nötige tun, um mittelfristig wieder einen moderaten Wert einzuhalten. Aus diesem Grund fiel die Anpassung des Leitzinses mit 50 Basispunkten auch doppelt so hoch aus wie zuvor angekündigt. Das Ende der Negativzinsen, das ursprünglich für September vorgesehen war, kommt dementsprechend früher als geplant. 

Die Entscheidung begründete Lagarde mit der Realisierung von Aufwärtsrisiken. Damit ist gemeint, dass die Inflation im Euroraum bereits deutlicher ausfällt, als die EZB noch im Kontext der geldpolitischen Beschlüsse vom Juni annahm. Demgegenüber bewertet die Zentralbank das Abwärtsrisiko, also einen potenziellen Konjunktureinbruch durch die Zinserhöhung als niedriger. Insbesondere die stabil hohe Beschäftigungsquote spricht aus Sicht der EZB gegen dieses Szenario. 

Um künftig zielgenauer auf die Volatilität der Märkte reagieren zu können, wird das Governing Council seine Maßnahmen flexibler an die Rahmenbedingungen anpassen. Das ausgerufene Credo im Kampf gegen die Inflationskrise lautet “Schritt für Schritt und Monat für Monat”. 

TPI – Capable of Going Big

Nachdem bereits die Ankündigung der Zinswende im Juni erhebliche Schwankungen bei Renditen von Staatsanleihen bewirkt hatte, steuert die EZB dagegen. Mit dem nun präsentierten Anleihekaufprogramm TPI soll verhindert werden, dass einzelne Mitglieder der Eurozone zum Ziel von Spekulationen werden. Im Wortlaut der EZB-Chefin richtet sich das Programm gegen “ungerechtfertigte und ungeordnete Marktdynamiken”. Dabei soll das neue Instrument den bestehenden Werkzeugkasten erweitern und nicht ersetzen: 

Anders als das Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP) ist das TPI nicht an einen inhaltlichen Anlass gebunden. Und im Gegensatz zu den Outright Monetary Transactions (OMT) sind die Hürden für Eingriffe seitens der EZB niedriger. Allein die Zentralbank ist zustimmungspflichtig, wenngleich sie Informationen und Bewertungen der Kommission, des Internationalen Währungsfonds (IWF) und anderer Institutionen hinzuziehen wird. 

Ausschlaggebend für die Aktivierung des TPIs ist neben einer Marktanalyse und der Einhaltung von vier Kriterien, dass der Kauf von Staatsanleihen “in einem angemessenen Verhältnis” zur Erreichung der EZB-Ziele steht. In Anlehnung an das berühmte “Whatever it takes”-Zitat des damaligen EZB-Vorsitzenden Mario Draghi unterstrich Lagarde die Bereitschaft, den gemeinsamen Währungsraum zu schützen mit dem Satz “We are capable of going big”. 

Gemischte Reaktionen

Grundsätzlich begrüßen Vertreter der Wirtschafts- und Finanzwelt die von der EZB eingeschlagene Richtung. „Mit der Erhöhung der Leitzinsen um 50 Basispunkte stellt sich die EZB der Inflation entschlossen entgegen“, fasst Christian Ossig, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes (BdB), die allgemeine Zustimmung zur Zinsentscheidung treffend zusammen. Helmut Schleweis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV), merkt an “Die heutige Entscheidung der EZB muss der Startschuss für eine Reihe weiterer Zinserhöhungen sein”. 

Hinsichtlich des Anleihekaufprogramms TPI stellt sich das Stimmungsbild differenzierter dar. Marcel Fratzscher, Leiter des Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), kommentiert, dass das Instrument klug, aber auch riskant sei, “denn es ist unklar, wie dieses Instrument genutzt werden wird”. Clemens Fuest, Präsident des ifo Instituts, beschreibt ausführlicher, welche Folgen Fehler in der praktischen Umsetzung haben können “Zinsdifferenzen gehören zu einem funktionierenden Kapitalmarkt, weil sie unterschiedliche Niveaus von Risiken widerspiegeln […]. Es besteht die Gefahr, dass die EZB hier die Grenze zur Staatenfinanzierung überschreitet […]” 

Insgesamt sendet die EZB mit ihrem Pfad der Normalisierung ein deutliches Signal, die Inflation begrenzen zu wollen. Der vorgezogene Schlussstrich unter die Phase der Negativzinsen findet breite Anerkennung. Ob oder inwieweit das TPI dazu beiträgt, Mitglieder des Euroraums zu stützen, ohne indirekte Staatsfinanzierung zu betreiben, werden die kommenden Monate zeigen. 

TIPP: Sie möchten mehr über die geldpolitischen Beschlüsse der EZB lesen? Hier können Sie sich über die Ankündigung der Zinswende informieren. Oder interessieren Sie sich für weitere Kurznachrichten? Hier finden sie aktuelle Nachrichten aus der Finanzbranche.

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