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Kweku Adoboli: Vom UBS-Rogue Trader zum reuevollen Speaker

Gefeiert für den Profit, den er brachte, geächtet für den Betrug, den er beging – Kweku Adoboli durchlief in den letzten 15 Jahren alle Stufen der Gesellschaftsleiter. Für seinen Ruhm als Rogue Trader bei der UBS bezahlte er schließlich mit der Deportation. Heute kämpft er für Veränderung in der Finanzindustrie.

Von Fiona Gleim - 25. April 2022
Anlagebetrugsreihe

Foto: istock.com/Denis Novikov

Kweku Adobolis Position ist eindeutig: Solange sich strukturell in der Bankbranche nichts verändert, ist eine Wiederholung der Ereignisse nicht auszuschließen. Gemeint sind die Ereignisse der Jahre 2008 bis 2011, für die Adoboli Verantwortung bekennt. 2012 wurde der ehemalige Investmentbanker des Betruges schuldig gesprochen. Grund waren nicht autorisierte Spekulationsgeschäfte, durch die die Schweizer Großbank UBS eine Summe von rund 2,3 Milliarden US-Dollar verlor.  

Mit Risiko zum Profit

Seine Wurzeln hat Kweku Adoboli in Ghana. Hier wurde er 1980 geboren, als Sohn eines Diplomaten der Vereinten Nationen. Zweifelsohne bescherte ihm die Profession seines Vaters gewisse Privilegien. Die Familie lebte in verschiedenen Ländern, bis es sie 1991 schließlich nach London verschlug. Dort blieb Adoboli auch, während es den Rest der Familie zum nächsten Wohnort zog. Nach der Internatsschule trat er zunächst ein Studium zum Chemieingenieur an, bevor er dann doch im E-Commerce und der Wirtschaftsinformatik landete.  

Als Praktikant im Jahr 2002 kam Adoboli zum ersten Mal in Kontakt mit der UBS. In späteren Interviews erklärt er, dass ihn dabei besonders die kooperative und vertrauensvolle Arbeitsatmosphäre in der Bank beeindruckt hatte. Bereits 2003 unterschrieb er bei UBS den Arbeitsvertrag und stieg als Trainee für Hochschulabsolventen ein.  

Nachdem er sich unterschiedlichen Positionen in verschiedenen Bereichen angenommen hatte, arbeitete er ab 2006 im Londoner Delta-1-Handelsteam im Bereich „Global Synthetic Equity“ mit Exchange Traded Funds (ETFs). Durch seine überaus hohe Risikobereitschaft konnte er sich von seinen Kollegen abgrenzen. Dieserart gelang es Adoboli, hohe Profitsummen für die Institution zu schlagen. Entsprechend wurde er auch belohnt und fand sich später als Associate Director wieder.  

Betrüger aus dem Land verbannt

In seinen Entscheidungen also bestätigt, weitete Adoboli seine Risikobereitschaft zunehmend aus und verließ damit auch den Bereich des Autorisierten. Die Wagnisse überschlugen sich, was er durch Schein-Absicherungsgeschäfte zu verschleiern versuchte. Im Rahmen von UBS-Kontrollverfahren fielen die Positionen des Händlers auf. Rückfragen führten zum Geständnis.  

Der offizielle Vorwurf: Betrug durch Missbrauch seiner Position in zwei Fällen sowie vier weitere Fälle der Bilanzfälschung. Trotz des Plädoyers auf Unschuld hinsichtlich der Klagepunkte entschuldigte sich Adoboli öffentlich. Damit räumte er den Milliardenverlust durch die Missachtung jeglicher intern geltender Risikovorschriften verursacht zu haben sowie die Haltung geheimer Konten ein. Das Urteil wurde 2012 von einem Londoner Geschworenengericht ausgesprochen und erklärte ihn des Betruges in zwei Fällen schuldig, was für Adoboli in eine Haftstrafe von sieben Jahren mündete. Seitens der UBS reagierte der damalige Chief Executive Officer (CEO) Oswald Grübel mit seinem Rücktritt.  

Aufgrund guter Führung konnte Kweku Adoboli frühzeitig entlassen werden. Für ihn endete die Strafe jedoch nicht hier: Neben einem lebenslangen Berufsverbot in der Finanzdienstleistungsbranche, drohte ihm 2016 die Deportation zurück nach Ghana. Das Verwaltungsgericht wies alle Einwände Adobolis ab, 2018 wurde die Ausweisung vollgestreckt und seither lebt er in der Hafenstadt Tema.

Das Problem liegt im System, nicht in Individuen

Trotz der widerwilligen Ausweisung aus seiner Wahlheimat, lässt sich Kweku Adoboli nicht ins gesellschaftliche Exil drängen. Auf die Frage, ob er sich selbst als Krimineller bezeichnen würde, entgegnet er, dass ihm dieses Label auferlegt wurde. So sei es ihm ein persönliches Anliegen zu seinen Lügen und fehlerhaften Entscheidungen zu stehen, jedoch habe er kaum für die Bereicherung seiner selbst betrogen und stets im Sinne der Institution handeln wollen.  

Nach Jahren der Reflektion bemüht sich Adoboli heute um Offenheit und Transparenz, was den Arbeitsalltag und das Umfeld eines Investmentbankers angeht. So schildert er rückblickend die Herausforderung des Jobs, verbunden mit dem kontinuierlichen Druck und hohem Stresslevel, die an der physischen und psychischen Gesundheit zehren. Ebenso betont er den Konkurrenzdrang der Branche wie auch den Mangel echter sozialer Beziehungen. Er beschreibt die Tatsache, dass Risikoträger als Innovatoren gelten, als einen fundamentalen Konflikt. 

Heute sieht er seine Aufgabe darin, anderen anhand seiner Erfahrung zu helfen und die Probleme des Systems aufzuzeigen. Das große Ziel sei dabei, die Strukturen zu verändern und Rogue Trading zukünftig zu verhindern. Seit seiner Entlassung im Jahre 2015 beteiligt er sich an Workshops und Seminaren, besucht Universitäten und spricht über Themen wie „Risk, Culture and Systems Failure“ oder „Ethics and Guidance in the Corporate World“.  

Tipp: Interessieren Sie sich für andere spannende Betrugsfälle? Erfahren Sie hier mehr über denjenigen, mit dem alles anfing: Der, dessen Name das Ponzi-System trägt oder lesen Sie hier mehr über Victor Lustig, den Mann, der den Eifelturm verkaufte.

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