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Greenwashing und die Grenzen zur seriösen Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit lässt sich gut verkaufen. Aber es gibt auch ernst zu nehmende Kritik an als nachhaltig vermarkteten Geldanlagen, wie jüngst an der DWS oder der Deka. Vor allem das Green- oder Impactwashing stellt ein immer größeres Problem dar. ESG-Experte Dirk Söhnholz erklärt, wie diese von ernsthaften grünen Investments unterschieden werden können und welche Möglichkeiten bestehen, Geldanlagen effektiv auf Nachhaltigkeit zu prüfen.

Von Dirk Söhnholz - 13. Januar 2022
Greenwashing

Foto: iStock.com/Man As Thep

Wenn sogar die Tagesschau über Greenwashing berichtet, sollte man das Thema ernst nehmen. Aber wo liegt die Grenze zwischen Greenwashing und wirklich nachhaltigen Investments? Darauf gibt es keine einfache Antwort, denn für nachhaltige Investments gibt es keine allgemein anerkannte Definition. Auch die zahlreichen neuen Regulierungen helfen dabei bisher nicht weiter. Beispielhaft seien hier die Taxonomieverordnung, die Offenlegungsverordnung (SFDR) und künftig auch MiFID genannt. Bis auf das wohl schwer zu erfüllende EU-Ecolabel setzen diese zumeist nur relativ einfach zu erfüllende Mindeststandards.

Ein Anti-Greenwashing Tool

Die möglichen Grenzen zwischen beschönigenden und ernsthaften Nachhaltigkeitsansätzen können mit einem von der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management in 2020 veröffentlichten Tool identifiziert werden. Dieses wurde Policies for Responsible Investment Scoring Concept (DVFA PRISC) genannt und als „Anti-Greenwashing-Tool“ bezeichnet. DVFA PRISC ist ein einfaches Instrument zur ganzheitlichen Entwicklung und Messung einer verantwortungsvollen Geldanlagepolitik von Investoren und Investmentportfolios. Dabei will die DVFA bewusst keine Verantwortlichkeitsstufen vorgeben, sondern Nachfragenden und Anbietern von Geldanlagen die Möglichkeit geben, diese selbst zu bestimmen.
Das Tool umfasst acht Beurteilungsdimensionen und ermöglicht deren Aggregation zu einer umfassenden Nachhaltigkeitsbeurteilung:

  • Ausschlüsse („Schlechtes“ vermeiden, Exclusions beziehungsweise Negativscreening)
  • Impact-/SDG-Score („Gute“ Investments beziehungsweise Positivscreening)
  • ESG-Score Definition (Aggregierter versus differenzierter ESG-Score)
  • ESG-Score Anwendung (Best-in-Universe versus Best-in-Class)
  • ESG-Score Cut-off (ESG Mindestanforderungen)
  • ESG-Score Messungshäufigkeit (Incidents)
  • Stimmrechtsausübung (Voting)
  • Aktive Einflussnahmeversuche (Engagement)

Die ersten beiden Dimensionen beziehen sich vor allem darauf, was Unternehmen (auch Staaten oder andere Akteure) anbieten. Die weiteren sechs sind vor allem darauf ausgerichtet zu beurteilen, wie die Akteure arbeiten. Für jede dieser Dimensionen werden je drei Klassifizierungen vorgegeben. Bei Ausschlüssen sollten es zum Beispiel mindestens einer bis drei sein, während mehr als sechs Ausschlusskategorien als sehr gut gelten. Nutzer des Tools können die Gewichtungen der Kategorien individuell festlegen und hinzufügen oder ändern, wie deren Erfüllung gemessen werden soll. Zusätzlich könnte so etwa ein CO2-Fußabdruck, Nachhaltigkeitssiegel wie das FNG-Siegel oder die Nachhaltigkeit der Anbieter beziehungsweise Manager von Produkten genutzt werden. Diese Individualisierungsmöglichkeiten führen dazu, dass Geldanlagen sehr unterschiedlich bewertet werden können.

Nachhaltigkeit liegt im Auge des Betrachters

In der Grundeinstellung des Tools werden alle acht Dimensionen mit je 12,5 Prozent gleich gewichtet. Eine Geldanlage kann bei bester Ausprägung in jeder Zeile einen DVFA-PRISC Score von 200 Prozent erreichen, weil ein Adjustierungsfaktor zur Score-Verdoppelung beiträgt.
Dabei wird angenommen, dass Geldanlagen normalerweise nicht auf alle Nachhaltigkeitsdimensionen ausgerichtet sind, sondern nur auf vier von acht. Eine Beurteilung von Investmentfonds durch Mitglieder der Nachhaltigkeitsinvestmentkommission der DVFA hat ergeben, dass selbst die verantwortungsvollsten Fonds am Markt zum Startzeitpunkt des Tools ohne Adjustierung nur etwa bei 50 Prozent PRISC-Default Score lagen, nach Adjustierung also bei 100 Prozent. Die DVFA Kommission Sustainable Investing will die Adjustierung regelmäßig überprüfen und unter Umständen künftig nach unten anpassen.

Greenwashing-Berechnungen

Auf diese Weise lassen sich Geldanlagen einfach auf ihre Nachhaltigkeit prüfen. So erreicht ein Fonds, der zum Beispiel nur Streubomben ausschließt, einen DVFA PRISC Default-Score von acht Prozent. Ein anderer Fonds, der mehr als sechs Ausschlusskategorien, aber sonst keine weiteren Nachhaltigkeitskriterien nutzt, kommt auf 25 von 200 Prozent im Nachhaltigkeitsscore.
Wenn man weitere Geldanlagen mit diesem Tool analysiert hat, kann man für sich selbst definieren, zum Beispiel Geldanlageangebote mit einem Score unter 25 Prozent als nicht nachhaltig zu bezeichnen. Zu beachten ist dabei, dass Themen- oder Branchenfonds möglicherweise anders beurteilt werden müssen. Umgekehrt lässt sich auch individuell festlegen, dass bestimmte Ausschlusskriterien auf jeden Fall genutzt werden müssen, bevor man von Nachhaltigkeit spricht.
Das Tool lässt sich entsprechend auch für die Bestimmung von Impactwashing nutzen. Dafür muss lediglich ein Mindestscore der SDG/Impactdimension definiert werden, ab dem von Impact beziehungsweise SDG-Aligned-Angeboten gesprochen werden dürfte. Je nach Impactverständnis kann man zusätzlich auch Mindestanforderungen an die PRISC Dimensionen „Stimmrechtsausübung“ und „Engagement“ stellen.

Das Kind nicht mit dem Bade ausschütten

Anbieter von Geldanlagen sollten das Risiko von Greenwashing- und Impactwashing-Vorwürfen keinesfalls unterschätzen. Sie können diesen vorbeugen, indem sie ihre eigene Nachhaltigkeitspolitik möglichst klar definieren. Zusätzlich sollten sie möglichst viele nachhaltigkeitsrelevante Informationen für ihre Produkte veröffentlichen. Dafür können zum Beispiel die kostenlosen Nachhaltigkeitsprofile des Forums Nachhaltige Geldanlagen genutzt werden.
Allerdings sollten Anleger und ihre Schützer auch nichts Unmögliches fordern: Kein Geldanlageprodukt ist für alle Anleger perfekt nachhaltig. Produkte, die zumindest etwas nachhaltiger sind als ihre Vorläufer oder Wettbewerber, sind immer noch besser als „business as usual“.

Tipps: Sie sind an mehr zum Thema Nachhaltigkeit? Dann erfahren Sie hier wie Sustainable Finance auf den Punkt gebracht werden kann oder sehen Sie hier im Video-Interview, welche drei Komponenten der Nachhaltigkeit für Rita Herbers wichtig sind.

Dirk Söhnholz

Soehnholz ESG GmbH

Dirk Söhnholz ist Gründer, Eigentümer und Geschäftsführer der Soehnholz ESG GmbH.

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