Bitte melden Sie sich an

Registrieren Sie Sich als Premium-Mitglied, um Vorträge herunterzuladen.

  • 100% Rabatt auf alle Club-Events und Kongresse
  • Download der Vortragsunterlagen aller Veranstaltungen
  • Zugriff auf Fotogalerie aller Veranstaltungen
Sie sind noch kein Mitglied?

Dann registrieren Sie sich jetzt:

Jetzt Mitglied werden
Sie sind bereits Mitglied oder waren Teilnehmer?

Bitte loggen Sie sich ein:

Jetzt einloggen
Jetzt Mitglied werden

„Request-to-Pay macht das Bankkonto zum Nabel der Welt”

Request-to-Pay schafft im Zahlungsverkehr ein völlig neues Echtzeit-Erlebnis rund ums Kaufen und Bezahlen. Das Verfahren erlaubt, bei einer Transaktion zusätzlich Informationen zu versenden, die Firmenkunden und Verbrauchern das Leben erleichtern. Bereits 2021 will die DZ BANK mit ersten Angeboten starten, erläutern Nils Brinkhoff und Fabian Wendel.

Von Thorsten Hahn - 04. November 2020

Foto: istock.com/Govindanmarudhai

Herr Brinkhoff, Herr Wendel, was macht Request-to-Pay für Banken so interessant?
Wendel: Open Banking, PSD2 und Echtzeitüberweisungen verändern den Zahlungsverkehr immer mehr und erlauben vor allem digitalen Anbietern, in den Markt vorzudringen. Häufig bieten sie Lösungen an, die auch von Banken selbst hätten stammen können. Request-to-Pay erinnert jetzt wieder daran, dass Geld eine Heimat hat, und das ist das Konto. Request-to-Pay macht das Konto wieder relevant, weil die IBAN als eindeutige Adresse für einen Kunden zu 98 Prozent beständig ist – und Banken gelten in Deutschland immer noch als die Postboten mit dem größten Vertrauensvorschuss.

Das müssen Sie erklären.
Wendel: Wenn Sie jemand auffordert, einen Geldbetrag zu bezahlen, bekommen Sie dafür meist eine Rechnung per Post, eine E-Mail vom Online-Händler oder eine Kurznachricht über eine App, etwa PayPal oder SMS. Die verwendeten Anschriften, also die postalische Adresse, E-Mail-Adresse oder die Mobilfunknummer, ändern sich jedoch, wenn jemand umzieht, eine neue SIM-Karte bekommt oder die E-Mail-Adresse wegen zu viel Spam wechselt. Die IBAN aber bleibt über lange Zeiträume hinweg stabil und eignet sich deshalb als Adresse besonders gut.
Brinkhoff: Request-to-Pay ist kein neues Bezahlverfahren, sondern ermöglicht, über die bestehende Echtzeitinfrastruktur Nachrichten zwischen Gläubiger und Schuldner auszutauschen. Wenn man so will, stellen auch SEPA-Lastschriften nichts anderes dar als einen vorab autorisierten Request-to-Pay. SWIFT verfügt sogar über einen eigenen Nachrichtentyp, um einen Transfer anzufordern. Neu ist vielmehr, rund um das Grundgeschäft Informationen auszutauschen – mit dem Konto als Briefkasten und der IBAN als Anschrift, um unkompliziert Überweisungen auszulösen. Das Konto wird also wieder zum Nabel der Welt. Wer irgendwo bezahlen möchte, braucht sich nur noch mit der IBAN zu identifizieren und kann den Betrag beispielsweise in einer Banking-App direkt freigeben. Die Banken machen damit einen wichtigen Schritt, um die eigene Angebotswelt in ein vollwertiges Ökosystem zu verwandeln und das Bezahlen wieder da zu verorten, wo es auch nach unserem Selbstverständnis hingehört: zum Konto einer Bank.

Banken dürfen in diesem Modell selbst als Third Party Provider auftreten.

Wenn aber die eine Bank mitmacht und die andere nicht – was passiert dann?
Brinkhoff: Ich glaube, die Gefahr besteht nicht, weil das Interesse der Institute über alle Säulen hinweg ausreichend groß sein dürfte. Wir befürchten auch keinen Wildwuchs bei Standards, wenn sich alle an das vom European Payments Council EPC beschriebene Schema für Request-to-Pay halten. Die EBA Clearing will ab November 2020 RtP-Nachrichten testen. Weil viele Banken für das Clearing von Instant Payments ohnehin über das Echtzeitzahlungssystem RT1 an die EBA angebunden sind, lassen sich gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Es liegt auf der Hand, bei Request-to-Pay die hochverfügbare 24/7-Infrastruktur für Instant Payments zu nutzen.

 

Einfacher Bezahlvorgang
mit Request-to-Pay
1
Kunde hat Artikel bei Online-Shop
im Warenkorb und kann ein
Bezahlverfahren auswählen.
2
Bei Auswahl „Überweisung RTP“ gibt er
seine IBAN ein, um den Prozess bei seiner
Hausbank anzustoßen.
3
Der Kunde erhält eine Nachricht von seiner
Bank, dass eine Zahlungsanfrage vorliegt.
4
Er öffnet die App seiner Bank und
authentifiziert sich wie gewohnt.
5
Die Zahlungsanweisung zeigt Händler,
Währung, Betrag und Bezahlvarianten.
6
Händler wird über die Bezahlung informiert
und kann die Ware versenden.

 

Das Internet ist doch auch hochverfügbar. Warum jetzt so kompliziert?
Brinkhoff: Sie meinen Open Banking. Wer PSD2-konforme Zahlungen auslösen darf, kann beispielsweise über die Bank-API auf das Konto eines Kunden zugreifen und entweder eine SEPA- oder Echtzeit-Überweisung ausführen. Klarna oder PayPal nutzen diese Methode, damit für Kunden keine unnötigen Medienbrüche entstehen, wenn sie einkaufen und bezahlen wollen. Die Bank des Zahlenden spielt in diesem Modell keine aktive Rolle. Banken dürfen selbst als Third Party Provider auftreten, weil ihre Banklizenz sie dazu berechtigt. Es geht gar nicht darum, eine Variante gegen die andere auszuspielen. Aus Kundensicht zählt vielmehr, wie einfach sich etwa die Banking-App bedienen lässt.

Apropos Kunden: Welchen Anreiz haben sie, Request-to-Pay zu nutzen?
Wendel: Händler zahlen mit einem kleinen Prozentsatz dafür, wenn Kunden mit Kreditkarten oder E-Wallet einkaufen. Bis das Geld gebucht ist, vergehen zudem einige Tage. Und falls eine Zahlung etwa wegen Betrugs scheitert, zieht das weitere Kosten nach sich, um bereits versendete Waren zurückzuholen oder schlimmstenfalls abzuschreiben. Wenn das Geld noch unterwegs ist, steht es auch noch nicht bereit, um eigene Ausgaben zu begleichen. Hinzu kommen Gebühren für Rücklastschriften oder Rückbuchungen auf Kreditkarten. Dafür brauchen die Firmen große Working-Capital-Puffer, um den Betrieb aufrechtzuhalten. Hier lohnt sich Request-to-Pay.
Brinkhoff: Viele Firmenkunden stellen ohnehin auf Instant Payments um, weil sie dadurch viel mehr automatisieren und beschleunigen können, gerade was die Folgeprozesse angeht. Request-to-Pay hilft den Unternehmen zum Beispiel auch im Debitorenmanagement, um etwa Gutschriften oder offene Forderungen einfacher oder auch automatisiert zuzuordnen, weil die Referenznummer bereits in der Zahlungsaufforderung steckt und bei der Zahlungsfreigabe unveränderlich mitgegeben wird. Auch Verbraucher genießen Vorteile, weil sie etwa bei einem vorgegebenen Zahlungsziel festlegen können, ob das Geld sofort oder erst im Laufe dieser Frist fließen soll. Darüber hinaus kann ein Kunde mit einem Verkäufer in Echtzeit die Modalitäten der Zahlung abstimmen.

Gute Ideen fallen nicht vom Himmel. Dabei ist Kreativität gefragt, aber auch viel Handwerk.

Was hat Sie auf diese Ideen gebracht und kann man das als Bank lernen?
Wendel: Gute Ideen fallen nicht vom Himmel. Einerseits ist Kreativität gefragt, andererseits aber auch viel Handwerk. Dazu gehört ein systematischer Innovationsprozess, in dem wir uns frühzeitig mit Trends und Technologien beschäftigen und prüfen, ob unsere Geschäftsmodelle betroffen sind und wie. Wir haben dafür innerhalb der DZ BANK Gruppe ein Innovation Lab gegründet und daraus ein Trend Lab entwickelt, bei dem uns Senacor methodisch und fachlich unterstützt hat, um Themen wie Tokenisierung, Künstliche Intelligenz, Quantencomputing oder Request-to-Pay zu erschließen.
Brinkhoff: Beim Trend Lab arbeiten Kollegen aus ganz verschiedenen Bereichen zusammen, das zeichnet dieses Format speziell aus. Request-to-Pay haben wir aus dem Transaction Banking heraus gemeinsam mit der R+V Versicherung angestoßen und mit Vertretern aus unterschiedlichen Unternehmen der gesamten DZ BANK Gruppe sowie Fiducia und GAD vorangetrieben.

Wann startet Ihre Bank mit den neuen Angeboten rund um Request-to-Pay?
Brinkhoff: Wir rechnen derzeit damit, die ersten Dienste noch im nächsten Jahr auf den Markt zu bringen, zuerst für Firmenkunden, die jetzt schon danach fragen. Noch sind wir aber damit beschäftigt, die von uns identifizierten Anwendungsfälle zu bewerten. Dafür haben wir Kriterien entwickelt, die den Kundennutzen abwägen, Effizienz- und Ertragspotenzial sowie Umsetzbarkeit bestimmen und ob das, was wir vielleicht vorhaben, zu den Werten einer genossenschaftlichen Bank passt.

Da haben Sie aber noch einiges vor sich.
Wendel: Das gehört im Innovationsprozess ja dazu: Die besten Ideen zügig als Prototypen umsetzen und dann im Dialog mit Kunden testen, verbessern oder auch wieder verwerfen.

Tipp: Sie möchten mehr zum Thema Payment? Dann schauen Sie mal hier oder melden sich einfach direkt für Next Generation Payment an.

Nils Brinkhoff und Dr. Fabian Wendel

DZ Bank

Nils Brinkhoff ist Abteilungsdirektor für das Lösungsmanagement Firmenkunden im Transaction Banking der DZ BANK.
Dr. Fabian Wendel ist stellvertretender Abteilungsleiter für Innovation und Digitalisierung bei der DZ BANK.

 

 

Lesen Sie auch

Markus Dauber über neue Payment Lösungen und die Zukunft in dem Bereich, Entwicklung Richtung Mobile First

„Treiber der Veränderung im Payment sind unter anderem Digitalisierung und Mobile first“

Markus Dauber, Co-Vorstandsvorsitzender „Volksbank eG – Die Gestalterbank“,[…]

Laura Kracht
Kalischer KfW Verantwortung von Banken in Corona-Krise Kreditanträge

„Die Banken waren sich ihrer Verantwortung bewusst“

Detlev W. Kalischer, Bereichsleiter bei der KfW und[…]

Thomas Friedenberger

Adobe Sign: Fragen für Stanislav Rosahatsky, Senior Solution Consultant bei Adobe Sign

Für welche Einsatzbereiche eignet sich Adobe Sign im[…]

Thomas Friedenberger
Wie Smart Data. also die richtigen Daten bei der Betrugsprävention helfen kann, erklären Dr. Fellix Lowinski und Peter Hiekmann im Interview.

Smart Data: „Nicht die Masse macht es, sondern die Relevanz der Daten“

Dr. Felix Lowinski, Bereichsleiter Vertrieb Unternehmenskunden bei der[…]

Redaktion
Im Interview mit der BANKINGNEWS spricht Iris Bethge-Krauß unter anderem darüber, warum sich das Prinzip Hausbanken und Förderbanken bewährt hat.

„Es ist ein Spagat zwischen Freiheit und Regulierung“

Iris Bethge-Krauß, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands Öffentlicher Banken Deutschlands[…]

Redaktion
Iris Bethge-Krauß, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands Öffentlicher Banken Deutschlands, VÖB, über Frauen und Karriere.

„Ich glaube, dass Frauen mehr ermutigt werden und sich auch mehr zutrauen müssen“

Iris Bethge-Krauß, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands Öffentlicher Banken Deutschlands[…]

Redaktion
Wie die TARGO Dienstleistungs GmbH agile Arbeitsmethoden im Zahlungsverkehr eingeführt hat und wie es mit der Nachhaltigkeit von Bargeld aussieht, erfahren Sie im Beitrag.

Agile Methoden im Zahlungsverkehr: „Bei uns kam der Impuls dezentral“

Interview aus dem Homeoffice: Tanja Kehl und Hendrik[…]

Laura Kracht
Banken müssen resilienter werden, sagt die IT-lerin Luise Linden.

Eine gute IT: „Banken müssen resilienter werden“

Diplom-Informatikerin Luise Linden ist seit 2018 CTO bei[…]

Thorsten Hahn
Constantin Fabricius vom Verband deutscher Kreditplattformen im Interview mit der BANKINGNEWS.

„Es gibt viel Raum für Kooperation mit Banken“

Constantin Fabricius, Geschäftsführer des Verbands deutscher Kreditplattformen, spricht[…]

Redaktion
Dr. Michael Luhnen, Managing Dircetor bei PayPal in Deutschland, Österreich und der Schweiz im Interview

„Neue Technologien führen auch zu veränderten Bedürfnissen“

Dr. Michael Luhnen, Managing Director von PayPal in[…]

Redaktion
Collaboration-Lösungen kommen nun auch bei Banken an

„Jetzt ist die Zeit, in der Collaboration bei den Banken ankommt“

Business Development Manager Frank Nebgen von Cisco über[…]

Thomas Friedenberger
Welche Vorteile bringt Event Streaming für die Finanbranche?

„Eine flexible Architektur ist der einzige Weg, erfolgreich zu sein“

Christian Nicoll von Generali Schweiz über Herausforderungen durch[…]

Daniel Fernandez
Grafik jemand arbeitet im Home-Office, Interview zur Beratung von Banken und Versicherungen in Zeiten der Corona-Krise

Sven C. Sixt: „Ich erwarte eine Beschleunigung der Digitalisierung“

Ein aktuelles Gespräch mit Sven C. Sixt über[…]

Thomas Friedenberger

„Wir müssen die Bank zum Kunden bringen“

Trotz großer Abbau-Zahlen ein neues Filialkonzept? Frank Nebgen[…]

Thorsten Hahn

Das „Sicherheitsrisiko Drucker”: Wie groß ist es in einer Bank wirklich?

Sicherheitsexperte Stefan Dydak von HP spricht offen über[…]

Thomas Friedenberger
Der CEO und Chief Technologist von Camunda sitzen auf einer Bank

„Banken müssen sich zu Software-Unternehmen entwickeln“

Hinter den Kulissen arbeiten deutsche Banken daran, bei[…]

Thorsten Hahn

Ein zweites Leben für neue Räume

Henning Schweizer, Geschäftsführer des Möbelherstellers Girsberger, spricht im[…]

Thomas Friedenberger

„Ich persönlich sehe keine Tendenz zur Deregulierung“

Dr. Jörg Kukies, Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, spricht im[…]

Redaktion

„Wir haben dem Bot beigebracht, sich selbst zu verbessern“

Wie Künstliche Intelligenz den Kundenservice unterstützt, erklärt Götz[…]

Thomas Friedenberger

„Finanzielle Inklusion vorantreiben“

Für kenianische Banken wird das Smartphone zum wichtigsten[…]

Philipp Scherber

„Die Hauptvorteile sehen wir in der Agilität“

Michael Girg, Chief Cloud Officer bei der Deutschen[…]

Thomas Friedenberger

„Wie eine Operation am offenen Herzen“

Ein Gespräch mit Dr. Martin Straaten, Sprecher der[…]

Thorsten Hahn

„Es besteht die Gefahr, dass Banken ihre Beziehung zum Kunden verlieren“

Ein Gespräch mit Burkhard Balz, Vorstandsmitglied der Bundesbank,[…]

Thomas Friedenberger

„Betrug an Banken bringt viel Geld und nur wenig Knast“

Was Banken von Kriminellen lernen können und auf[…]

Daniel Fernandez

„Das erfordert mehr Mut“

Was macht eigentlich ein Agile Coach in einer[…]

Lea Hoffmann