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Commerzbank zieht Bilanz: Wie geht es weiter?

Die Commerzbank in Turbulenzen – ein Aufsichtsratschef ist nun gefunden. Doch die Bank hat nach wie vor keinen Vorstandsvorsitzenden, nachdem der alte zurückgetreten ist. Nun hat das Kreditinstitut den Geschäftsbericht für das zweite Quartal 2020 veröffentlicht. Wie sehen die Zahlen aus? Hier sind sie.

Von Redaktion - 07. August 2020
Die Commerzbank zieht Bilanz für das zweite Quartal 2020.

„Das Beben rund um die Wirren der Wirecard AG ist längst nicht abgeklungen, da kommt das nächste Beben mit einer Stärke von 12 auf der Finanzbranche-Beben-Skala. Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzender treten gleichzeitig zurück und hinterlassen ein Vakuum in der Leitung der Bank“, sagt BANKINGCLUB-Gründer Thorsten Hahn.

Ja, bei der Commerzbank ist derzeit einiges los. Der Höllenhund „Cerberus“, amerikanischer Finanzinvestor und zweitgrößter Aktionär des Geldhauses, hat kräftig zugeschlagen.

Die Bank mit vielen mittelständischen Kunden ist also nun ohne Spitze. Immerhin: Mit Hans-Jörg Vetter hat man einen Aufsichtsratschef gefunden. Der frühere Vorstandschef der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) war der vom Bund favorisierte Kandidat.

Doch nach wie vor ist nicht klar, wer die Bank denn nun künftig führen soll. Schließlich auch keine leichte Aufgabe, hat man im ersten Quartal 2020 infolge der Corona-Krise ein operatives Ergebnis von minus 277 Millionen Euro verbucht.

Und die Krise ist noch nicht vorbei und erst recht noch nicht abgerechnet. Umso gespannter wird nun auf die Quartalsergebnisse geschaut. Und die sehen gar nicht mal schlecht aus.

Wie hat die Commerzbank im Q2 2020 abgeschnitten?

Die bereinigten Erträge der Commerzbank sind trotz der Corona-Krise im zweiten Quartal 2020 auf 2,3 Milliarden Euro gestiegen. Im Vorjahresquartal (Q2 2019) lagen sie bei 2,1 Milliarden Euro.

Insgesamt wurden die Erträge im Vergleich zum Vorjahresquartal um rund sieben Prozent gesteigert. Gründe seien ein spürbarer Anstieg des Provisionsergebnisses und Aufholungen bei den Bewertungseffekten, die das Vorquartal belastet hätten. Die eingetretende Erholung sei zu erwarten gewesen. Positiv habe sich auch der Venture-Capital-Fonds der Commerzbank, Commerz-Ventures, von rund 50 Millionen Euro ausgewirkt.

Obwohl höhere Belastungen aus dem Risikoergebnis vorlagen, konnte die Bank einen operativen Gewinn von 205 Millionen Euro erzielen (Q2 2019: 309 Millionen Euro). Das Vorsteuerergebnis belief sich auf 211 Millionen Euro (Q2 2019: 329 Millionen Euro).

Damit erwirtschaftete die Bank den Aktionären ein zurechenbares Konzernergebnis von 220 Millionen Euro (Q2 2019: 279 Millionen Euro). Darin spiegele sich auch eine niedrige Steuerquote wider, auch da sich der Bewertungsgewinn von Commerz-Ventures steuerlich nicht niederschlagen würde.

Die Entwicklung im Kundengeschäft sei stabil und im Firmenkundengeschäft ergab sich eine leichte Ertragssteigerung. Das liege vor allem am guten Kapitalmarktgeschäft. Dank der digitalen Angebote könne man auch im Privat- und Unternehmerkunden-Segment Wachstum bei Kunden sowie beim Kredit- und Wertpapiervolumen verzeichnen.

Bei den operativen Kosten hat das Kreditinstitut eine Senkung um 3,3 Prozent erreicht. Die operative Kosten beliefen sich trotz IT-Investitionen auf 1,53 Milliarden Euro. In Q2 2019 lagen sie bei 1,58 Milliarden Euro. Neben dem anhaltenden Kostenmanagement sei auch der fortgesetzte Stellenabbau ein Grund dafür. Ende Juni 2020 beschäftigte die Commerzbank etwa 39.700 Mitarbeiter in Vollzeit, rund 1.000 weniger als 2019.

Demgegenüber stünden 73 Millionen Euro an Pflichtbeträgen. Sie seien mit einem Plus von zehn Millionen Euro gegenüber dem Vergleichsquartal erneut gestiegen. In Q2 2019 lagen sie bei 63 Millionen Euro.

Das Risikoergebnis sei mit minus 469 Millionen Euro deutlich höher, da darin weitere Corona-Effekte von minus 131 Millionen Euro und Belastungen von 175 Millionen Euro aus einem Einzelfall eingerechnet wären. Auch sei eine vorsorgliche Buchung von 84 Millionen Euro für erwartete künftige potenzielle Auswirkungen des Corona-Virus darin inbegriffen.

Insgesamt bliebe die Qualität des Kreditbuches mit einer Quote der Problemkredite von weiterhin 0,8 Prozent weiterhin gut. Zurückzuführen sie dies auf einen massiven Risikoabbau in den vergangenen Jahren.

Die harte Kernkapitalquote verbesserte sich von 13,2 Prozent (im Vorquartal) auf 13,4 Prozent. Die Quote liege deutlich über allen Anforderungen. Dabei wären die neuen regulatorischen Übergangsregeln nicht genutzt worden.

Bettina Orlopp, Finanzvorständin der Commerzbank, sagt zu den Zahlen: „Wir haben unsere Erträge und unsere Kapitalquote im zweiten Quartal gesteigert, das operative Ergebnis ist allerdings durch das Risikoergebnis belastet worden.“ Und weiter: „Umso wichtiger ist es, dass wir unsere Kosten senken, um künftige Belastungen abfedern zu können. Daran arbeiten wir. So haben wir das Kostenziel für dieses Jahr weiter verschärft.“

Corona, Kredit und Konzernspitze: Wie sieht die Zukunft bei der Commerzbank aus?

Wie sieht die Corona-Zwischenbilanz aus? Rund 21.000 Kreditanfragen mit einem Volumen von 20 Milliarden Euro habe die Commerzbank seit Beginn der Pandemie erhalten und KfW-Kredite in Höhe von rund sieben Milliarden Euro genehmigt.

Das heißt: Der Marktanteil des Kreditinstituts bei den KfW-Krediten bis 100 Millionen Euro liegt bei etwa 15 Prozent. Außerdem habe die Bank mehr als 33.000 Kredite mit einem Volumen von mehr als 3,4 Milliarden Euro gestundet.

Der (Noch-)Vorstandsvorsitzende Martin Zielke schätzt die Lage so ein: „Wir haben im zweiten Quartal trotz Corona ein positives Ergebnis erzielt und konnten unsere Kunden tatkräftig bei der Bewältigung der Pandemiefolgen unterstützen. Das hat in diesen Zeiten oberste Priorität“. Er ergänzt: „Dabei zahlt sich für uns aus, dass wir die Bank in den vergangenen Jahren viel robuster und digitaler aufgestellt haben.“

Und: Das Geldhaus meldet einen zusätzlichen Schub in der Digitalisierung und einen Zuwachs an aktiven Nutzern von Portal und Banking-App. Die Nutzerzahl habe im Juni 2020 mit 2,7 Millionen ein neues Hoch erreicht.

Und wie schaut man im Geldhaus auf die Zukunft? Den Digitalisierungsschub möchte man nutzen und neue Funktionen in die digitalen Angebote integrieren, etwa sollen Wertpapiere über die App geordert werden können oder Apple Pay ohne Kreditkarte nutzbar sein.

Was die Bilanzen angeht, ist man verhaltener. Die Bank erwartet 2020 weitgehend stabile Erträge im Kundengeschäft des Segments Privat- und Unternehmerkunden, wohingegen das Firmengeschäft laut Geldhaus höchstwahrscheinlich stärker von der Corona-Krise betroffen sein wird – vorausgesetzt es gibt keinen zweiten Lockdown und die Wirtschaft erholt sich langsam wieder.

Man setze das Kostenmanagement im Kreditinstitut fort und strebe eine Kostenbasis an, die leicht unter dem Level des Geschäftsjahres 2019 liege. Belastungen zwischen 1,3 Milliarden und 1,5 Milliarden Euro würden im Risikoergebnis vermutet. Das bedeutet, dass die Commerzbank mit einem negativen Konzernergebnis rechnet, auch da man mögliche Restrukturierungsaufwendungen miteinbezieht.

Was die harte Kernkapitalquote anbelangt, liege das Ziel nach wie vor bei mindestens 12,5 Prozent und damit im Rahmen der gesenkten regulatorischen Anforderungen.

Und was heißt das nun für die deutsche und europäische Bankenlandschaft im zweiten Halbjahr des Corona-Krisen-Jahres? Man kann es wohl so zusammenfassen: Die Banken machen sich auf das Schlimmste gefasst.

Tipp: Sie möchten mehr von #Soll & Haben? Dann lesen Sie hier alles zum Zwischenbericht der Deutschen Bank für das Jahr 2020.

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