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Versicherung

Peer-to-peer-Versicherungen auf bestem Weg zum Marktstandard

Für Kunden ist es unbefriedigend, Jahr für Jahr Beiträge für Versicherungen zahlen zu müssen, auch wenn sie diese gar nicht in Anspruch nehmen. In den meisten Versicherungsbereichen mangelt es jedoch an Modellen, die umsichtiges Verhalten honorieren. In dieser Nische etablieren sich in jüngster Zeit immer mehr P2P-Insurtechs.

Von Tim Kunde - 29. März 2017

Peer-to-peer-Versicherung haben sich weltweit etabliert. Die Grafik zeigt eine Übersicht der erfolgreichsten Anbieter. Bildnachweis: Friendsurance

Die Grundidee vieler Insurtechs basiert darauf, Versicherungen günstiger und fairer zu machen. Wir selbst haben bei Friendsurance ein Peer-to-Peer-Versicherungsmodell (kurz: P2P) entwickelt, das Schadensfreiheit mit jährlichen Beitragsrückzahlungen belohnt. Basierend auf der Idee des Versicherungsvereins auf Gegenseitigkeit werden Versicherte online zu Gruppen zusammengeschlossen, deren Mitglieder sich gegenseitig finanziell unterstützen. Von den gezahlten Versicherungsbeiträgen fließt ein Teil in einen Rückzahlungstopf. Wenn im Laufe eines Jahres kein Schaden passiert, bekommt jeder einen Teil aus dem Topf wieder. Kleine Schäden werden aus dem Topf beglichen. Bei großen Schäden springt das klassische Versicherungsunternehmen mit ein. Ist der Topf leer, tritt eine Ausfallversicherung in Kraft. So ist der Versicherte in jedem Fall voll abgesichert, ohne Zusatzkosten. Bislang haben über 80 Prozent unserer Nutzer Rückzahlungen bekommen – im Kompositbereich durchschnittlich rund 30 Prozent der eingezahlten Beiträge.

Deutsche Finanzdienstleister als Vorbild für internationale Trends

Als wir unser P2P-Modell 2010 eingeführt haben, waren wir der einzige Anbieter am Markt. Als Pionier mussten wir viel Überzeugungsarbeit leisten. Mittlerweile gibt es ein eigenes Segment für Peer-to-Peer-Versicherungen mit 28 Anbietern weltweit. Dabei unterscheiden sich die Anbieter im Wesentlichen durch vier Merkmale: 1.) ob sie als Makler oder Versicherungsunternehmen agieren, 2.) ob sie die einzelnen Peers direkt oder indirekt miteinander verbinden, 3.) in welchen Versicherungssparten sie aktiv sind und 4.) ob sie ihr Angebot bereits gelauncht haben oder noch in der Planungsphase sind. Die wohl wichtigsten Anbieter gemessen an Entwicklungsstand und Kundenzahlen sind Friendsurance in Deutschland, Guevara in Großbritannien, Inspeer in Frankreich und Lemonade in den USA. Die Tatsache, dass immer mehr P2P-Anbieter am internationalen Versicherungsmarkt auftauchen und renommierte Investoren wie Sequoia Capital und Horizons Ventures Millionenbeträge investieren, bestärkt uns darin, dass sich P2P-Versicherungen mittelfristig zu einem Marktstandard entwickeln und den Charakter von Versicherungen verändern werden. Nach einer aktuellen Umfrage des Digital Insurer unter über 600 Fachleuten glauben 84 Prozent, dass P2P-Versicherungen Attitüde und Verhalten der Kunden in Bezug auf Schäden beeinflussen. Sie gehen davon aus, dass Anreize für faires und umsichtiges Verhalten geschaffen werden und dadurch Versicherungsbetrug reduziert wird. Welche der einzelnen Anbieter sich dabei mit ihren Modellen durchsetzen können, bleibt abzuwarten.

Konsequente Kundenorientierung als Erfolgsfaktor

Warum wir davon ausgehen, dass sich unser Modell durchsetzen wird? Als digitaler Versicherungsmakler wollen wir Versicherungen entlang der kompletten Wertschöpfungskette kundenfreundlicher machen. Wir bieten unseren Kunden nicht nur die Chance, mit dem „Schadensfrei-Bonus“ Geld zu sparen. Sie haben auch die Möglichkeit, ihre Versicherungsverträge bequem online zu verwalten. In Kooperation mit dem Vertragsspezialisten Aboalarm haben wir außerdem einen digitalen Account-Check eingeführt und damit als erstes Insurtech die Kategorisierung von Bankdaten integriert: Kunden, die notwendige Informationen wie die Versicherungsnummer nicht zur Hand haben, können ihre Kontobewegungen schnell und sicher auf Versicherungsverträge überprüfen lassen. Die Vertragsdaten werden über die Banken-API von Figo direkt an uns übertragen. So kann der Kunde seinen Versicherungsschutz ganz einfach prüfen und sich umfassend beraten lassen. Von unserem Service haben wir bereits weit über 100.000 Kunden überzeugt. Versicherungsunternehmen profitieren von einer gesteigerten Kundenzufriedenheit und Kundenbindung. Gleichzeitig sparen sie Verwaltungskosten für die Bearbeitung kleiner Schäden.

Auch für Bankkunden relevant

Auch Bankinstitute interessieren sich zunehmend für die Zusammenarbeit mit Insurtech-Unternehmen. Im Rahmen des Multi-Channel-Ansatzes vieler Banken ist „digital Bancassurance“ die logische Ergänzung und weiterer Ansatzpunkt für eine ganzheitliche Kundenberatung. Mithilfe der Insurtechs-Expertise sollen Bankkunden, die bereits Online-Banking nutzen, auch Versicherungsgeschäfte schnell, bequem und übersichtlich online abwickeln können. Wie unser Manager für Bankkooperation Sebastian Langrehr kürzlich beim „Next Generation Customer“-Kongress erklärte: „Technisch ist bereits alles da, um den Bankkunden ein verbessertes Kundenerlebnis zu bieten. Was wir machen, ist neue Services für unsere Bankpartner sinnvoll zu kombinieren, um die Kundenbindungen zu stärken und zusätzliche Erträge zu generieren.“

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