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Filialen sterben und leben lassen

Der SchlĂŒssel zum Erfolg im Kampf um Kunden zeichnet sich immer klarer ab: online UND offline, heißt die Devise. Was bedeutet das fĂŒr die Banken?


Bildquelle: iStock.com/EtiAmmos

„Wenn es bei den ErtrĂ€gen keine Fortschritte gibt, dann muss der Vorstand an die Kosten ran“, fordert Michael HĂŒnseler, Fondsmanager bei Assenagon, vom Vorstand der Commerzbank.

Kosten muss man sicherlich im Blick haben. Doch wenn ein Unternehmen bei den ErtrÀgen keinen Fortschritt erzielt, dann helfen mittel- bis langfristig auch keine Programme zur Kosteneinsparung. Denn dann stimmt mit dem GeschÀftsmodell etwas nicht!

Dumm nur, dass ein Mitglied im Vorstand noch im MĂ€rz 2018 mit diesem Zitat in unserem Vorstandsinterview glĂ€nzte: „Ich hege wiederum eine große Begeisterung fĂŒr den Gedanken, mit 1.000 Filialen vor Ort zu bleiben“, so Michael Mandel von der Commerzbank. (Das ganze Interview lesen Sie hier.)

Schon damals merkte man, dass Mandel im Gedankenkorsett der klassischen Filiale verhaftet war, wie beinahe jeder Bankleiter hierzulande. Die Idee, vor Ort prĂ€sent zu sein, ist die Abgrenzung zu Direkt- und Smartphone-Banken. Perfekt! Vor Ort kann „Bank“ jedoch auch ohne eine klassische Filiale mit einem Geldautomaten, Tagestresor, SchließfĂ€chern und einem Versicherungsbeitrag fĂŒr das Betreiben einer Kasse sein.

Welches GeschÀftsmodell ist das richtige?

„Ohne Filialnetz fehlt mir doch in der Stadt meine WerbeflĂ€che“, konterte ein Sparkassenvorstand vor einem Jahr die Idee, mit nur EINER Flag-Ship-Filiale und einem Netz von BeratungsbĂŒros fĂŒr den Kunden wirklich vor Ort zu sein. Dann schließe ich auch keine Filialen, sondern verlege den Standort von A nach B. B wie Beratung! Mit Beratung lĂ€sst sich Geld verdienen. Mit einem Servicemitarbeiter, der einen Zahlschein ausfĂŒllt, nicht.

WerbeflĂ€che buche ich fĂŒr deutlich weniger Aufwand bei den dafĂŒr spezialisierten Anbietern, mit PlakatwĂ€nden an prominenter Stelle.

Nochmal: Filialen einfach schließen, ist nur schnödes Kosteneinsparen. Das strategische Zusammenspiel von kompetenter Gesamtbedarfsberatung, einem echten Omnikanalansatz und Kunden, die sĂ€mtliche Standardanliegen online abwickeln können, ist die Lösung. Dass man mit Beratung sogar viel Geld verdienen kann und dies zu Lasten von tradierten Banken schon viele Jahre macht, zeigt die Truppe der DVAG. Ich weiß, die Buchstaben wollen Sie hier nicht lesen. MĂŒssen Sie leider aushalten!

Und dass „Online“ oftmals nicht alleine zum Erfolg fĂŒhrt, zeigen Unternehmen wie Cyberport (als reiner OnlinehĂ€ndler gegrĂŒndet, heute mit 16 Filialen in Deutschland und Österreich), MyToys oder jĂŒngst der Online-Optiker Mister Spex, der nun auch 100 Filialen im umkĂ€mpften Markt um die SehschwĂ€che eröffnen will.