Die Deutschen und ihr Bargeld sind unzertrennlich, oder? Das sehen die Autoren von โBargeldverbotโ anders. Hier klingt es fast so, als stรผnde die Bargeldabschaffung schon fest. Das Buch von Dr. Ulrich Horstmann und Prof. Gerald Mann ist aber bereits 2015 erschienen.
Bargeldverbot? Bisher Fehlanzeige โ im Gegenteil: Wiederholt sprechen sich Vertreter von Regierung und Bundesbank gegen eine Bargeldabschaffung aus, so auch Staatssekretรคr Dr. Jรถrg Kukies oder Bundesbanker Burkhard Balz in der BANKINGNEWS.
2020 ist das Buch in einer komplett aktualisierten und erweiterten Auflage erschienen. Laut Horstmann und Mann werde seit der ersten Auflage โoffener denn je fรผr ein Zurรผckdrรคngen des Bargelds plรคdiertโ. Und so wundert es nicht, dass man zu Beginn mit einer orwellianischen Vision konfrontiert wird: โVerkaufsplattformen, Kartendienstleister, Banken und nicht zuletzt der Staat profitieren finanziell. Diese โMasters of the Universeโ kรถnnen enteignende Zwangsmaรnahmen elektronisch einleiten, steuern und รผberwachen.โ
โBig Brother Staatโ will also kein Bargeld mehr und schafft es langsam ab โ und die Banken machen frรถhlich mit und schaufeln sich die Taschen voll. Laut den Autoren natรผrlich gut versteckt hinter Beweggrรผnden wie Terrorismus- oder Geldwรคschebekรคmpfung. So einfach ist die Bargeldabschaffung aber nicht, denn es gibt noch den Protest der Bรผrger. Und genau diesen will das Buch wecken: Es will aufrรผtteln.
Im Fokus steht die Frage: Welche Folgen hรคtte eine Bargeldabschaffung? Detailliert wird aufgelistet, welche Schritte bereits den Weg zu einer โreinen Digitalgeldweltโ markieren โ etwa die Abschaffung des 500-Euro-Scheins, das Verbot fรผr anonyme Barzahlungen รผber 10.000 Euro (durch die vierte EU-Geldwรคscherichtlinie) oder die Ankรผndigung von Facebooks Libra. Ebenso werden Hintergrundinformationen zu wirtschaftspolitischen Zusammenhรคngen gegeben und durchaus nachvollziehbar รผber mรถgliche Risiken und Nebeneffekte der Bargeldabschaffung aufgeklรคrt.
Und was passiert 2021 bis 2023 im โWar of Cashโ? Von einer bargeldlosen Gesellschaft wรผrden aufgrund der Finanz- und (Staats-)Schuldenkrise vor allem Digitalgeldanbieter und Politiker profitieren. Und: โDie EZB kรถnnte versuchen, sich selbst als โMaster of the Universeโ der digital gesteuerten Geldversorgung zu etablieren.โ Aber eigentlich regierten dann Facebook, Amazon und Co. die Welt, kรถnnen nahezu willkรผrlich die Preise bestimmen, sogar eigene Wรคhrungen erschaffen und so ihre Stellung weiter ausbauen.
Das heiรt also: Auch wenn es fรผr Banken durch verschรคrfte Regulierung und dem Inkrafttreten neuer Geldwรคscherichtlinien immer schwerer wird, die Auflagen zu erfรผllen und eine Zukunft ohne Bargeld da verlockend scheint โ fรผr sie wird in solch einer Zukunft auch nicht alles rosig aussehen. Nach wie vor mรผssten die Finanzinstitute einen โBank Runโ befรผrchten, die Bรผrger wรผrden ihnen vielleicht nicht mehr vertrauen,
geldflutende Maรnahmen wรผrden im Sand verlaufen und vor allem die Konkurrenz durch Plattformen immer stรคrker werden.
โBargeldverbotโ ist ein Manifest fรผr die freie Wahl der Zahlweise โ gegen verschรคrfende Regulierung. Das Buch ist also wie Orwells Roman: Ein โWas-wรคre-wennโ โ und auch eine Warnung fรผr Finanzinstitute, auf die Bedรผrfnisse ihrer Kunden zu hรถren.
- Titel: Bargeldverbot
- Autoren: Ulrich Horstmann, Gerald Mann
- Preis: 8,99 โฌ
- Umfang: 192 Seiten
- Verlag: FBV
- ISBN: 978-3-95972-214-8
Tipp: Sie mรถchten mehr Rezensionen? Dann lesen Sie die Rezensionen der Bรผcher โHeute schon einen Prozess optimiert?โ, โVon Tulpen zu Bitcoinsโ und โChange durch Co-Creationโ.
Laura Kracht ist ehemalige Redakteurin beim BANKINGCLUB.

