Digitale Assets – ein technologischer Paradigmenwechsel

Das Bankhaus Metzler hat erkannt: Tokenisierte Assets bieten viele Vorteile gegenüber nicht-tokenisierten Vermögenswerten. Hendrik König und Shahrok Shedari berichten, welcher strategischen Roadmap das Bankhaus bei der Gründung eines eigenen Digital Assets Office gefolgt ist und erklären, warum es manchmal auch vorteilhaft sein kann, kein First Mover zu sein.


Digitale Assets – ein technologischer Paradigmenwechsel

Die Blockchain-Technologie findet bereits in vielen Bereichen Anwendung. So gibt es inzwischen weitreichende Entwicklungen in der Regulatorik zu diesem Thema und auch im Markt sind die Vorteile erkannt worden. Dennoch stehen Wirtschaft und Gesellschaft hier erst am Anfang einer Zeitenwende. Im Prinzip lässt sich alles auf der Blockchain verbriefen – von Picasso-Bildern über Oldtimer bis hin zu Aktien, sobald dies regulatorisch umsetzbar ist.

Bekanntlich spricht man von tokenisierten beziehungsweise digitalen Assets. Für Finanzinstitute liegt der Fokus hierbei in der Regel auf klassischen Assets, wie man sie auch am Kapitalmarkt finden kann. Dabei sollte ein Bankhaus jedoch eine strategische Roadmap haben, wie mit diesen digitalen Vermögenswerten umzugehen ist.

Das Disruptionspotenzial ist enorm. Mit der Institutionalisierung der Blockchain-Technologie steht man vor einem technologischen Paradigmenwechsel, durch den neue Geschäftsmodelle und auch neue große Player entstehen. Darum ist es auch für Banken wichtiger denn je, sich mit dem Thema zu befassen.
Das Bankhaus Metzler hat in der Blockchain-Technologie und den digitalen Assets Chancen erkannt und beschäftigt sich deshalb seit einigen Jahren damit.

Verstärkt betrachtet wurden diese Themen dann Anfang 2020 und dazu in einem Core-Satellite-Ansatz aufgegriffen sowie durch Hypothesen validiert. Der Bereich hat schnell an Momentum gewonnen. Aus einer anfangs kleinen Arbeitsgruppe wurde ein bereichsübergreifendes Team mit 20 Kollegen. Um neben theoretischer auch praktische Erfahrung zu sammeln, wurden mehrere Proof of Concepts (PoCs) mit Kooperationsbanken durchgeführt.

Blockchain-Mythen aufgedeckt

Aufgrund der Ergebnisse und Entwicklungen am Markt erklärte der Metzler-Vorstand digitale Assets Anfang 2022 zu einem strategisch wichtigen Thema der Zukunft. Der für das Bankhaus Metzler nächste logische Schritt war die Bildung einer Einheit, die dieses Thema mit Hochdruck vorantreibt – das Digital Assets Office. Im neu gegründeten Kompetenzzentrum liegt der Fokus auf drei übergeordneten Blöcken. An erster Stelle stehen der Aufbau und die Weitergabe von Wissen, intern und extern.

Denn das Thema ist hochkomplex und vielen fremd. Darüber hinaus kursieren zahlreiche Blockchain-Mythen, etwa, dass ESG und Blockchain nicht gut vereinbar seien. Das Digital Assets Office dient folglich dazu, die Sachverhalte verständlich zu vermitteln und mit Unwahrheiten aufzuräumen.

Natürlich bedarf es beim Wissenstransfer auch Praxiserfahrung. Deshalb werden im Digital Assets Office zahlreiche PoCs durchgeführt, die mit den Geschäftsbereichen des Hauses vereinbar sind. Zum Beispiel wurde eine NFT-Kollektion für die Mitarbeiter generiert und ihnen ein Token in ihre Wallet zugelost. Mit solch einfachen Mitteln lässt sich die Blockchain erlebbar und somit besser erklärbar machen.

Der zweite Fokus-Bereich des Digital Assets Office ist die Technologie selbst. Die Bank priorisiert diese, da sich so Prozesse vereinfachen und neue Vertriebswege erschließen lassen. Hierbei steht das Bankhaus vor ähnlichen Herausforderungen wie andere Institute.

Die Adaption der neuen Technologie wird durch alte Legacy-Systeme erschwert. Oft können diese nur eingeschränkt mit den modernen Systemen kommunizieren. Hinzukommt, dass die Regulatorik vor allem in Deutschland zwar fortgeschritten, aber noch nicht final ist.

Drittens ist es wichtig, dass das Thema als neue Asset-Klasse wahrzunehmen ist. Dass neue Asset-Klassen entstehen, ist selten, und in Kombination mit dem Technologieaspekt eröffnen sich Ansätze für erfolgsversprechende Geschäftsmodelle.

Wissensaufbau und -weitergabe, Adaption der Technologie und Betrachtung der neuen Asset-Klasse: Nach diesen Blöcken hat das Bankhaus Metzler das Digital Assets Office ausgerichtet, um für dieses Thema sowohl Ansprechpartner und Ideengeber als auch Koordinationseinheit zu sein.

Ein guter Zeitpunkt

Das Bankhaus hat sich schon vor der Corona-Krise intensiv mit dem Thema beschäftigt. So konnte die starke Institutionalisierung früh erkannt werden.
Allerdings hat Metzler in seiner Historie bereits mehrere technologische Paradigmenwechsel erlebt. Entsprechend war hier nicht das Ziel, „First Mover“ zu sein.

Blockchain und digitale Assets sind Strukturthemen. Den meisten Unternehmen, die in diesen Markt einsteigen, ist das bewusst. In der Regel werden dabei von allen klassischen Instituten keine vorschnellen Entscheidungen getroffen.

Nichtsdestotrotz lassen sich mögliche Fehler und Risiken nicht vollständig ausschließen. Daher setzt das Bankhaus auf einen Phasen-Ansatz, bei dem die Entwicklungen Schritt für Schritt analysiert und darauf basierend Reaktionen überlegt werden. Dieser Ansatz soll beibehalten werden.

 

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