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Die Mitarbeiter sind unser wichtigstes Kapital?!

Von Ernst Kronawitter - 28. Mai 2015

Führungskräfte leiten ein Unternehmen und von ihren Entscheidungen hängt oft Wohl und Wehe des Unternehmens ab. Doch es sind nicht nur Richtungsentscheidungen, mit denen sie sich auseinandersetzen müssen. Genauso müssen sie Fingerspitzengefühl im Umgang mit Mitarbeitern beweisen.

„Die Mitarbeiter sind unser wichtigstes Kapital“, diesen Satz lese ich in fast jedem Unternehmensleitbild. Doch beim genaueren Hinsehen stellt sich dieser Satz als bloße Floskel heraus. Die Wahrheit im Unternehmen sieht oft ganz anders aus. Nicht zuletzt in Gesprächen mit Führungskräften wird mir dies manchmal verdeutlicht. Da erfahren die eigenen Mitarbeiter, vornehm umschrieben, eine sehr geringe Wertschätzung. Mit einiger Wahrscheinlichkeit lässt dies den Schluss zu, dass diejenige Führungskraft auch im Arbeitsalltag alles „unternimmt“, um die eigene, subjektive Wahrnehmung bestätigt zu bekommen. Dies führt dann zwangsläufig zur sich selbst erfüllenden Prophezeiung: Bedingt durch unzureichende Führung verhalten sich die Mitarbeiter dann im Laufe der Zeit zwangsläufig tatsächlich so, wie es die Führungskraft unterstellt. Wenn jedoch die Qualität des Mitarbeiterportfolios sich als objektiv unzureichend herausstellt, muss die Frage gestattet sein, wer denn für dieses Problem verantwortlich ist? Eingestellt wurden die Mitarbeiter doch auch von Führungskräften.

Führungskräfte als Dienstleister für die Mitarbeiter

Im bisherigen Text verwendete ich immer wieder das Wort „Mitarbeiter“ und nicht das von mir verabscheute Wort „Personal“. Für mich signalisiert das Wort „Mitarbeiter“ viel treffender die Aufgabe der Beschäftigten in einem Unternehmen: „In Mitarbeit zusammen mit den Führungskräften den Erfolg des Unternehmens sicherstellen.“ Manche leitende Personen in einem Unternehmen sollten sich auch mal darüber Gedanken machen, was denn „Führen“ bedeutet. Aus meiner Sicht sind Führungskräfte dazu da, den Mitarbeitern zum Erfolg zu verhelfen, was letztlich wiederum den Unternehmenserfolg sichert. Führungskräfte sehe ich als Dienstleister für die Mitarbeiter und nicht umgekehrt. Unter dieser Prämisse ist es notwendig, dass Führungskräfte in manchen Situationen ihr Ego zurücknehmen und Erfolge mit ihren Mitarbeitern teilen oder diesen sogar ganz überlassen. Was dagegen gar nicht geht ist, Misserfolge weitgehend den Mitarbeitern zuzuschreiben. Mitarbeiter sind keine Untergebenen, sondern Partner, die auf die Unterstützung und Hilfe der Führungskräfte vertrauen können und auch sollten. Wie oft hören wir in Gesprächen, der Herr Sowieso oder die Frau Soundso ist Abteilungsdirektorin geworden und hat 100 Leute unter sich. Man achte auf das Wort „unter“!

„Wenn Führungskräfte so tun, als ob sie führen, werden die Mitarbeiter so tun, als ob sie arbeiten.“

Neulich erfuhr ich im Gespräch mit einem Mitarbeiter einer kleineren Bank, dass er für Termine bei seinem Chef bis zu drei Wochen warten muss. Mit wirklicher Führung hat dies aus meiner Sicht nichts mehr zu tun. Mag sein, dass der zu besprechende Sachverhalt bei diesem Termin für die Führungskraft keine große Priorität hatte. Für den Mitarbeiter signalisierte dies jedoch, dass seine Arbeit aus der Perspektive des Vorgesetzten eigentlich nicht so wichtig ist. Was will die Führungskraft denn bewirken? Stört er sich an der Motivation des Mitarbeiters? Will er ihm signalisieren, dass seine Aufgabe unwichtig ist? Wohl eher nicht. Doch genau das bewirkt er.
In der Beurteilung der Situation „Termin in drei Wochen“ könnte man auch zu dem Schluss kommen, dass der Chef so viel Tagesgeschäft um die Ohren hat, dass er gar nicht mehr Zeit zum Führen, in diesem Fall für ein „Mitarbeitergespräch“, hat. Dann gilt für mich Folgendes:
„Wenn die Führungskräfte so tun, als ob sie führen, werden die Mitarbeiter so tun, als würden sie arbeiten.“

Gute Führung entscheidet über den Erfolg des Unternehmens

Führung ist eine verantwortungsvolle Aufgabe, die in höchstem Maße über den Erfolg eines Unternehmens entscheidet. Inwieweit gute Führung erlernbar ist, kann ich nicht beurteilen. Bei dieser verzwickten Frage stehe ich nicht alleine: selbst kompetente Wissenschaftler kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen.
Ich bin mir jedoch sicher, dass ein großer Schritt zur guten Führung getan ist, wenn Vorgesetzte Mitarbeiter nicht nur als diejenigen betrachten, die ihre betrieblichen Aufgaben zu erfüllen haben, sondern als Menschen wahrnehmen. Man könnte es auch mit folgender Aussage zusammenfassen: „Behandle deine Mitarbeiter so, wie du auch behandelt werden möchtest“.
Wer möchte tatsächlich einmal über die Straße auf die andere Seite gehen und damit „Führung“ aus einem anderen Blickwinkel betrachten? Dann sind womöglich manche gute Alternativen erkennbar.
Wie immer Sie auch führen, ich wünsche Ihnen bei dieser manchmal schwierigen Aufgabe viel Erfolg.

Bildnachweis: skynesher via istockphoto.de

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