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Unsere Weltmeister als Vorbild

Von Ernst Holzmann - 26. Januar 2015

Jogi Löw und die Gewinner unseres „vierten Sternes“ haben perfekten Anschauungsunterricht geboten, wie man Mannschaften erfolgreich formt und führt, nicht nur „auf dem Platz“, sondern auch in Unternehmen oder Organisationen. Die in beiden Lebensbereichen – Fußball und Management – geltenden Erfolgsfaktoren können dabei an der dazu passenden Bezeichnung DREAM TEAM wie folgt „übersetzt“ werden.

D steht für Definition einer begeisternden Mission.
Dabei ist es egal, ob man sich vornimmt Weltmeister oder die „Beliebteste Bank“ zu werden. Unsere Weltmeister wurden noch kurz vor Beginn des Turnieres für die Zielvorgabe „Wir wollen Weltmeister werden“ von vielen belächelt. Von Spiel zu Spiel konnte man aber erkennen, dass dieser Anspruch auf dem Bewusstsein der eigenen Stärken, eines klaren Planes und vor allem dem unbedingten Willen aller Beteiligten beruhte.

R wie Rollen klar verteilen; oder „der richtige Mann am richtigen Platz“.
Klare Zuordnung von Aufgaben und Verantwortungen auf Basis der Stärken der einzelnen „Spieler“ beseitigt Missverständnisse im Team, jeder kann sich auf seine Position konzentrieren, Verschwendung von Energie wird vermieden. Die Schnittstellen beim Zusammenspiel verschiedener Spezialisten müssen klar definiert sein. Auch wenn bei unserem Team in Brasilien manchmal die Besetzung der Spielpositionen „suboptimal“ erschien, bestätigte der Titelgewinn die richtigen Entscheidungen bzgl. Aufstellung und Verteilung der entsprechenden Aufgaben.

E wie Eingreifen und Entscheiden.
In der täglichen Arbeit aufmerksam und im ständigen Kontakt mit der Mannschaft bleiben und bei Abweichungen entsprechend frühzeitig eingreifen, auch um irreparablen (und teuren) Schaden zu vermeiden. Jogi Löw hat dazu in Brasilien Führungsstärke bewiesen, als er trotz des Sieges gegen Algerien die Struktur der Mannschaft änderte und frische Kräfte (Klose, Schweinsteiger) brachte. Frühzeitiges Konfliktmanagement vermeidet unnötige Eskalationen und Störungen des „Betriebsfriedens“ und sorgt für gegenseitige Unterstützung.

A wie Anreize und Atmosphäre schaffen.
Menschen, egal „auf dem Platz“ oder in einer Bankfiliale, arbeiten zwar für Geld, aber nicht ausschließlich. Oder wie Philipp Lahm seine Motivation beschrieb, als er den Cup in der Hand hielt: „Ich wollte nicht schon wieder von unten zugucken, sondern das Ding endlich einmal selber hochhalten.“ Dieser Wunsch nach Beachtung und speziell nach Anerkennung, gemeinsam mit Kollegen etwas Besonderes zu erreichen, treibt Menschen oft mehr an, als nur das monatliche Gehalt oder eine zusätzliche Prämie.

M gleich Mischung.
Erfahrung und Jugend, Experten und „Querdenker“, Introvertierte und „Spaßmacher“, weibliche und männliche „Spieler“. So hat man Freude an der Arbeit im und mit dem Team und man kann voneinander lernen. Für die Führungskräfte bedeutet dies ganz besonders, dass die Suche nach Talenten (die auch empathische Führung und Freiräume erwarten) immer wichtiger und die „Alten“ mehr denn je unverzichtbar werden. Und ein „Podolski“ tut jedem Team gut, gerade wenn‘s mal nicht so richtig läuft.

T wie Teamgeist entwickeln und pflegen.
Jeder ist gleich wichtig, es darf keine „Lieblings- und Ersatzspieler“ geben, gerade wenn man in kleinen Filialen auf verlässliche Zusammenarbeit und „blindes Verständnis“ angewiesen ist. Dazu gibt es aus meiner Sicht neben Jogi Löw kein besseres Vorbild als Jupp Heynckes, erfolgreicher Trainer von Spitzenteams. Hermann Gerland beschrieb den Arbeitsstil seines „Chefs“ einmal so: „Jupp hat nämlich eine unvorstellbar wichtige Fähigkeit: Er vermittelt jedem Mitarbeiter, dass er wichtig ist. Den Spielern und allen drum herum. Ob für den Platzwart, den Zeugwart oder die Angestellten auf der Geschäftsstelle, er hat für sie immer ein nettes Wort“.

E wie Einsatz zeigen und verlangen.
Erfolg beruht mehr auf „Transpiration“ als auf Inspiration. Und dies betrifft nicht nur die Mannschaft im Spiel, sondern ganz besonders den Coach am Spielfeldrand. Morgens der Erste, abends der Letzte ist hier der Anspruch an die Verantwortlichen. Vorleben statt nur „Vorbeten“, nicht von anderen verlangen, was man selbst nicht bereit ist zu tun. Herausragendes Beispiel für Leidenschaft und Einsatz ist Bastian „Kampf-Schweinsteiger“, der im Endspiel gegen Argentinien Gott sei Dank öfters aufstand als er „hingefallen wurde“.

A wie Achtung des Einzelnen.
Bei Misserfolgen sachlich Ergebnis von Leistung und Einsatz trennen, keine Sündenböcke suchen, und schon gar nicht Einzelne öffentlich diskreditieren. Dass dabei kein Missverständnis aufkommt: Respektvolles Umgehen und Achtung des Einzelnen bedeutet nach meinen Erfahrungen nicht „in Watte packen“ oder „Weggucken“. Bei Fehlverhalten oder mangelnder Leistung bedarf es klarer Worte, aber hier ist das „Wie“ entscheidend. Emotionen oder persönliche Angriffe sind fehl am Platz, klare Argumentation, das Aufzeigen der Fakten, der Austausch von Argumenten und das Anbieten von Unterstützung stehen im Mittelpunkt.

M wie Motivation hoch halten.
Beim Einsatz entsprechender Mittel (z.B. Reden vor gesammelter Mannschaft, Einzelgespräche) ist es entscheidend, glaubwürdig zu sein, Vertrauen in die Leistungsfähigkeit der Einzelnen zum Ausdruck zu bringen und keine Angst vor Versagen zu wecken. Und dabei ist es egal, ob Gespräche „in der Kabine“, oder am Schreibtisch geführt werden. Gerade nach Misserfolgen gehört das entsprechende Aufmuntern zu Eigenschaften eines guten Trainers, egal ob in „Fußball- oder Lederschuhen“. Vielleicht helfen dabei ja auch die legendären Worte des deutschen Torwarts Oli Kahn: „Immer weiter, Immer weiter….!“

Bildnachweis: daboost über istockphoto.de

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