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Bankorganisation

Von Säulen, Telefonzellen und Dinosauriern

Bis zum Jahr 2030 soll es in Deutschland nur noch 150 bis 300 Banken geben. Das prognostiziert das Beratungsunternehmen Oliver Wyman in einer kürzlich veröffentlichten Studie – ein vergleichbares Aussterben gab es zuletzt vor 65 Millionen Jahren: an der prähistorischen Kreide-Tertiär-Grenze.

Von Christian Grosshardt - 29. März 2018

Findet man von Banken und ihren Produkten irgendwann nur noch fossile Überreste? Bildnachweis: iStock.com/279photo, iStock.com/LuFeeTheBear

Banken sterben aus – nicht nur der Boulevard titelt mit steilen Thesen. In seiner Studie, dem „Bankenreport 2030“, spricht das Beratungsunternehmen Oliver Wyman von einem Artensterben, das Seinesgleichen sucht: Bis zu 90 Prozent der deutschen Institute sollen in den nächsten zwölf Jahren von der Bildfläche verschwinden. Bislang schrieben Brancheninsider, Gelehrte und Philosophen über alle möglichen Ausmaße der Bankenapokalypse. Wirklich ernst hat sie niemand genommen. Stellen Banken also die Dinosaurier der Branche dar, gilt es herauszufinden, wer die 150 bis 300 Krokodile sind – artenverwandt mit den schrecklichen Echsen, jedoch gekommen, um zu bleiben. Verwandeln sich Kreditinstitute in Tech-Unternehmen, um den Ansprüchen gerecht zu werden? Dann nähmen sie in diesem Bild die Rolle der Vögel ein, die sich aus den zweibeinigen Theropoden entwickelt haben. Geht Ihnen das zu weit? Nun, Evolution und Anpassung an die Umwelt sind mehr denn je gefragt – egal, ob es um Wirtschaft oder Fauna geht.

Filialdichte nimmt ab durch Fusionen und Ankäufe

Die Studie, über die zuerst die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet hat, geht davon aus, dass sich zum deutschen Drei-Säulen-Modell eine vierte Säule gesellt. Diese bestünde aus einem heterogenen Bündel von vier Gruppen: Auslandsbanken, Fintechs, Marktinfrastrukturanbietern und natürlich global agierenden Technologieunternehmen. Der Kunde von heute ist nicht mehr auf die Hausbank um die Ecke angewiesen, sodass besagte Institute aus anderen Ländern den Wettbewerb anheizen werden, so die Prognose. Mit diesen Möglichkeiten steigen auch die Erwartungen des Kunden, die tradierte Häuser nicht mehr zu erfüllen wissen. Der Trend geht hin zum modularisierten System, in welchem Banken von früher und heute nur noch Teilkompetenzen übernähmen. Fusionen und Aufkäufe führten in letzter Konsequenz zu einer verringerten Filialdichte. Veränderungstreiber seien dabei Technologie und Innovation, Kundenverhalten und Nachfrage, politisches und regulatorisches Umfeld sowie die makro- und sozio-ökonomische Entwicklung. Zwei Szenarien werden skizziert: ein Evolutions- sowie ein Disruptionsszenario, in welchem Banken als Telefonzelle des 21. Jahrhunderts zu enden drohen – ein Ende, das niemand anstrebt.

Die Weichen in den meisten Instituten sind auf Veränderung gestellt. Die bereits vorhandenen technischen Ressourcen bieten den Banken eine sehr gute Ausgangsposition, um den evolutiven Verrückungen der gesamten Wirtschaft gerecht zu werden. Innovationen gehören in diesem Kontext dazu, sollten aber nicht nur der Innovativität wegen eine große Rolle spielen. Der Wechsel in die Kundenperspektive hilft auch gestandenen Vorständen, um das von Oliver Wyman prognostizierte apokalyptische Szenario zu verhindern. Das dürfte auch gar nicht so schwer sein, schließlich ist jeder Entscheider einer Bank auch ein Kunde – im Idealfall sogar beim Haus, das ihn beschäftigt. Banken müssen sich gegen die vierte Säule wappnen, um den digitalen Meteoriteneinschlag zu überleben und nicht letztendlich wirklich als öffentliche stationäre Fernsprecheinrichtung des 21. Jahrhunderts in die Geschichte einzugehen. Wenn sie das bewerkstelligen, ist eine ertragreiche Zukunft möglich. Krokodile und Vögel gibt es schließlich heute auch noch.

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