Technische Analyse: kongenialer Partner der Fundamentalanalyse

Chartanalyse ermöglicht ein Timing unabhängig von psychologischen Faktoren. Martin Utschneider, Leiter Technische Analyse und Abteilungsdirektor Asset Management bei der Privatbank Donner & Reuschel, betrachtet sie als essenziellen Mosaikstein in einem gelungenen Analysemix.


Technische analyse als Partner für fundamentalanalyse

Der Technische Analyst stützt sich auf Kursbewegungen und leitet daraus Trendanalysen ab. Diese werden unterteilt in kurz-, mittel- und langfristige Trends. Gleitende Durchschnitte, spezielle Chartformationen, Indikatoren und Instrumente zur Messung der Behavioral Finance sind zentrale Werkzeuge zur Ermittlung etwaiger Aufwärts-, Seitwärts-, oder Abwärtsmodi.

Der Grundgedanke ist, dass der Chart „alles diskontiert“: Sämtliche Einflussfaktoren sind aus Sicht der Charttechnik bereits in den vorherrschenden Kursen enthalten. Die Wahrheit liegt sprichwörtlich „im Hier und Jetzt“: Im aktuellen Kurs beziehungsweise Preis.

Wann investieren?

Der Preis (Kurs) an der Börse ist das, was die Anleger und Investoren aktuell bereit sind zu zahlen. Der Buchwert (fundamentaler Wert) spielt dabei sehr oft eine untergeordnete Rolle. Der aktuelle Buchwert des deutschen Leitindex DAX 30 beträgt rund 7.900 Punkte. Der aktuelle Kurs tendiert allerdings um die 14.800.

Gerade in Zeiten politischer und notenbankgetriebener Märkte bietet die Technische Analyse daher eine zielführende Vorgehensweise. Aber wie im richtigen Leben so gilt es auch an der Börse ein „gesundes Mittelmaß“ zu wahren. Mit Hilfe der Charttechnik kann dann die Frage des Timings beantwortet werden. Aktives Risikomanagement und Gewinnsicherung können mittels Stopp-Loss oder Stopp-Buy sichergestellt werden. Man erkennt das „Wann“ des aktiven Investierens.

Natürlich lässt sich einer gut fundierten Technischen Analyse die Zukunft der globalen Finanzmärkte nicht gänzlich vorhersehen. Es ist kein „Glaskugelersatz“. Doch wer es versteht, Chartmuster richtig zu lesen und zu interpretieren, kann daraus immerhin Eintrittswahrscheinlichkeiten und Kurspotenziale ableiten. So hat die klassische „Schulter-Kopf-Schulter-Formation“ eine Eintrittswahrscheinlichkeit von rund 80 Prozent. Das richtige Lesen und Anwenden vorausgesetzt …

Hund folgt Mann

Nach André Kostolany ist das Verhältnis von Börsenkursen und der Wirtschaft „…wie das eines Mannes auf einem Spaziergang mit seinem Hund. Der Mann geht langsam vorwärts, der Hund rennt vor und zurück.“ Langfristig wird der Hund (die Börse) dem Mann (der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung) folgen.

Die Ungewissheit liegt im Zeithorizont und dem Abstand zwischen Mann und Hund, also der Schwankungsbreite der Märkte. Die Aufmerksamkeit des Anlegers sollte immer dem Hund gelten, denn dadurch lässt sich erkennen, ob er kränkelt, hungrig ist oder einfach nur spielen will.

Timing und Technische Analyse werden daher immer wichtiger. Angesichts der zuletzt erlittenen Extremschwankungen könnte aktives Risikomanagement sowie aktive Gewinnsicherung in den kommenden Jahren noch mehr denn je zum Erfolgsfaktor werden. Übereilte „Kaufpaniken“ sowie „Verkaufspaniken“ lassen sich sehr gut vermeiden. Nichts ist schmerzhafter als entlaufenen Gewinnen hinterherzusehen, beziehungsweise massiven Kursverlusten ins Auge blicken zu müssen.

Als Fazit lässt sich ziehen: Fundamental- und Chartanalyse – kein Widerspruch, sondern zwei wesentliche Mosaiksteine für das analytische Gesamtbild. Daher verbinden wir im DONNER & REUSCHEL Asset Management auch die Vorteile der unterschiedlichen Analysemethoden miteinander. Fundamentalanalyse, Technische Analyse und Quantitatives Research: kongeniale Partner auf dem Weg zum langfristigen Erfolg.

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