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Was die Wiederwahl Donald Trumps für die Kapitalmärkte bedeutet

Keine Rezession + kein Aktienmarkt-Crash = Trump wird wiedergewählt! So könnte die „Donald-Formel“ 2020 lauten. Welche Folgen sein Wahlsieg für die Kapitalmärkte haben könnte, erklärt Senior-Portfoliomanager David Wehner.


Seit 2016 sind wir in einer Phase steigender geopolitischer Sorgen, die sich durch Nationalismus, Abschottungspolitik und weltweite Proteste kennzeichnet. Die Börsen reagieren oft schnell und heftig auf (geo-)politische Ereignisse und erholen sich genauso schnell wieder, wenn die Beruhigungspille namens „Zentralbankpolitik“ ihre Wirkung entfaltet.

Besonders Donald Trump beschäftigt seit der gewonnenen Wahl im Jahr 2016 die Weltpolitik und die Kapitalmärkte. Trump wird in vielen Kapitalmarktanalysen, gleich nach der Zentralbankpolitik, als wichtigster Einflussfaktor genannt. Deshalb wird die US-Wahl im November 2020 wegweisend sein.

Wer die Swing States gewinnt

Im Wahlkampf 2016 ging Trump als Außenseiter ins Rennen. Seine Konkurrentin Hillary Clinton hatte mehr Unterstützer, eine volle Wahlkampfkasse und lag in den Umfragen klar vorn. Im direkten Vergleich hatte Trump etwa drei Millionen Stimmen weniger als Clinton. Da der US-Wahlkampf kein Popular Vote ist, gewinnt aber der Kandidat mit den meisten Wahlmännern. Trump wird auch 2020 vielleicht keine Mehrheit der Amerikaner hinter sich bringen können.

Das muss er auch nicht, solange er in den Swing States gewinnt. Die Chancen dafür stehen derzeit gut: Die US-Wirtschaft wächst, die Arbeitslosenquote ist auf einem historischen Tief und die Aktienmärkte sind auf Allzeit-Höchstständen. Zudem sinkt das Handelsdefizit der USA, ein Wahlversprechen Trumps. Donald Trump ist kein Vorzeigepolitiker, allerdings hat er es trotz seiner impulsiven Art geschafft, ein Handelsabkommen mit Kanada, Mexiko und Japan zu schließen. Seine Hauptziele sind aber China und die Europäische Union, mit denen die USA das größte Handelsdefizit aufweist.

Ein neuer Trumpf in Trumps Blatt

Der Handelskonflikt mit China brodelt schon seit über zwei Jahren. Seit Mitte 2019 gibt es dabei eine erste Entspannung. Die Phase eins des Handels-Deals steht kurz vor dem Abschluss (Stand: Januar 2020). Trump nutzt den Streit, um seine Position im Inland bei seinen Wählern zu stärken. Zudem kann er durch die Eskalationsstufen im Handelskonflikt die amerikanische Zentralbank Fed unter Druck setzen, eine wirtschaftsfreundliche Geldpolitik zu verfolgen.

Neben dem Handelsstreit mit China entwickelt sich seit Anfang Januar ein neuer Trumpf in Trumps Blatt: der Iran-Konflikt. Durch die Auseinandersetzung mit dem Iran beweist Trump für vieler republikanische Wähler Stärke und generiert ein neues Feindbild, das er im Wahlkampf nutzen kann – besonders wirtschaftlich, da ein schwelender Iran-Konflikt für Unsicherheit sorgt und die Fed dazu zwingen könnte, die Aktienmärkte zu beruhigen.

Kursfeuerwerk eher unwahrscheinlich

Auf Trumps Wiederwahl würden die internationalen Börsen gelassen reagieren. Eine Kursfeuerwerk wie nach seiner ersten Wahl ist unwahrscheinlich, da seine aktienfreundlichen Reformen nicht wiederholbar sind. Trump bleiben noch sechs mögliche Zinssenkungen durch die Fed und kleinere Wahlgeschenke, um die Aktienkurse weiter nach oben zu treiben.

Die Demokraten befassen sich derzeit mit dem Impeachment-Verfahren gegen Trump. Nach derzeitigem Stand kann es Trump jedoch nicht gefährlich werden, da die Republikaner im Senat die Mehrheit besitzen. Ob das Impeachment-Verfahren nicht eher den Demokraten schadet, bleibt abzuwarten. Die Präsidentschaftskandidaten der Demokraten sind in der heißen Phase der Vorwahlen mit vier Bewerbern im engeren Favoritenkreis.

Größtes Risiko für die Kapitalmärkte

Joe Biden, Vize-Präsident unter Obama, startete im Frühjahr 2019 als Favorit ins Rennen. Jedoch wirkt der 77-Jährige in Debatten und bei Auftritten angeschlagen und sein Image ist durch die Ukraine-Affäre seines Sohnes Hunter belastet. Politisch ist Biden gemäßigt. Im Gegensatz zu Elizabeth Warren: Sie steht für radikale Pläne und ist klar dem linken Lager der Demokraten zuzuordnen.

Ein Shooting-Star unter den demokratischen Kandidaten ist Pete Buttigieg, 38 Jahre alt, homosexuell und redegewandt. Er liegt in den Umfragen derzeit unter den Top 4 und vertritt moderne Ansichten, die US-Wähler überfordern könnten.

Im Moment liegt Bernie Sanders leicht vorne, der zudem in der letzten Spendenrunde das höchste Spendenvolumen einsammeln konnte. Seine politischen Ansichten sind noch weiter links einzuordnen
als die von Warren. Falls sich Sanders bei den Vorwahlen durchsetzt, hängt seine Chance bei der Präsidentschaftswahl von der Konjunktur ab. Ein Linksrutsch in der Politik der USA würde die internationalen Aktienmärkte belasten.

Die Situation der US-Wirtschaft

Seit der Wahl zum Präsidenten wird Donald Trump von den westlichen Medien kritisiert. Seine Beliebtheitswerte sind dennoch auf dem gleichen Niveau wie 2016 oder teils sogar höher. Für die Demokraten wird es schwer werden, einen Kandidaten aufzustellen, der gegen Trump bestehen kann.

Momentan spielen Donald Trump viele Faktoren in die Hände, insbesondere die Situation der US-Wirtschaft. Solange es in den USA zu keiner Rezession kommt – die Wahrscheinlichkeit dafür liegt derzeit bei 35 Prozent – hat der 45. Präsident sehr gute Chancen auf die Wiederwahl. Für die Kapitalmärkte bedeutet das keine Veränderung, sie sind mit der Trump-Politik vertraut.

Auf einen Linksrutsch in der US-Politik durch Sanders oder einen anderen linksgerichteten Kandidaten der Demokraten würden die Börsen dagegen mit einer Kurskorrektur reagieren.