Jetzt Mitglied werden

Der Mann auf der Überholspur

Von Dr. Stefan Hirschmann - 07. November 2006

Dr. Alessandro Profumo, der Vorstandschef der italienischen Großbank UniCredit, tritt nicht sehr häufig in der deutschen Öffentlichkeit auf. Zu groß ist meist das mediale Interesse und obwohl Profumo seit einigen Monaten bereits fleißig die deutsche Sprache lernt, spricht er lieber Englisch. Die Angst vor einer Blamage à la Giovanni Trapattoni ("Ich habe fertig!") sitzt tief. Durch die Fusion seines Instituts mit der HypoVereinsbank ist er hierzulande aber gefragter denn je. Die Fachzeitschrift "die bank" beschreibt ihn als den "Star der italienischen Bankenwelt", als einen "Strahlemann und Gesellschaftslöwe, der es in den letzen Jahren zu viel Ruhm und Ehre gebracht hat". Der unbestrittene Star war Profumo somit auch beim diesjährigen Symposium des Centre for Financial Research (CFR) der Universität zu Köln, obwohl es mit Prof. Dr. Axel Weber (Deustche Bundesbank), Dr. Thomas R. Fischer (WestLB), Dr. Immo Querner (Talanx) und Dr. Markus Rieß (Allianz Global Investors) u.a.m. an Prominenz aus der Hochfinanz kaum mangelte. Was an Profumos Führungsstil beeindruckt, ist weniger die bloße Tatsache, innerhalb weniger Jahre eine der weltweit größten Banken aufgebaut zu haben, sondern insbesondere das Tempo. "Ruck-Zuck"-Profumo dürfte einen neuen Rekord bei dem Totalumbau der HVB-Group und der Integration in die UniCredit aufgestellt haben. Jüngster Coup: Mit 99,4 Prozent des anwesenden Kapitals stimmte die deutsche HypoVereinsbank für den Verkauf der Bank Austria Creditanstalt AG (BA-CA) an ihre italienische Konzernmutter. Die einstmals zweitgrößte deutsche Bank ist jetzt stark geschrumpft – die Konzernmutter dafür umso mehr gewachsen. Nur wenige Tage später dann die Übertragung der Mehrheitsbeteiligung an der polnischen Bank BPH aus dem Besitz der BA-CA und der UniCredit. Mit Ausnahme von Polen ist das Osteuropageschäft der Gruppe nun künftig bei der BA-CA angesiedelt. Hier blitzt das übergeordnete strategische Interesse der UniCredit am osteuropäischen Bankenmarkt durch.

 

Tempo, Tempo, Tempo
Alessandro Profumo geht derweil unbeirrt seinen Weg. Und er macht keine Kompromisse bei der Geschwindigkeit. Im ehrwürdigen Excelsior Hotel gegenüber des Kölner Doms zeichnet er das Szenario einer europäischen Universalbank. Bohrgeräusche arbeitender Handwerker stören den Vortrag, doch der ehemalige McKinsey-Berater zieht keine Augenbraue hoch, macht keine Pause, redet einfach weiter: Platz 14 weltweit gemessen an der Marktkapitalisierung, 430 Mrd. Euro Kreditvolumen, operative Tätigkeit in 20 Ländern, über 28 Millionen Kunden, 134.000 Mitarbeiter und die höchsten Marktanteile in Kroatien (22,4 %), Bulgarien (20,7 %), Polen (21,2 %), Bosnien (23,4 %) und Österreich (19,1 %). Das ist es, was einen europäischen Champion ausmacht. "Wir sind sehr ergebnisorientiert", sagt Profumo und meint damit eigentlich sich selbst. Wer bei der Zusammenführung der unterschiedlichen Kulturen im Gefolge einer Übernahme nicht mitzieht, bleibt eben auf der Strecke. "Das Vorleben einer Unternehmenskultur fängt beim Top-Management an", meint der Banker des Jahres 2002. Spezialisierung, Kundenzufriedenheit und Geschwindigkeit nennt er als Schlüsselfaktoren des Erfolgs. Und da ist wieder sein Merkmal: "Tempo, Tempo, Tempo" – die oberste Prämisse eines gelungenen Integrationsprozesses.

 

 

Römisches Reich auf dem Vormarsch nach Osten
Matthias Graf von Krockow, Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter der Privatbank Sal. Oppenheim, plant dagegen in anderen Kategorien. Wer einem Unternehmen mit über 200-jähriger Tradition vorsteht, denkt langfristig. So vergleicht er die UniCredit mit dem Imperium des Römischen Reichs, das konsequent nach Osten vorrückt, doch Profumo kontert gelassen: "Ich komme aus Genua, nicht aus Rom". Der promovierte Betriebswirt kam 1994 zum Credito Italiano und wurde dort ein Jahr später Generaldirektor. Im Jahr 1997 übernahm er den Chefsessel bei UniCredito und wurde mit 39 Jahren der jüngste Vorstandschef einer italienischen Großbank. Was ist sein Erfolgsrezept? Es ist das richtige Timing, die Finesse oder auch das Glück des Tüchtigen. Auf jeden Fall ist es nicht duplizierbar. Der Merger in Deutschland sei nur vor dem Hintergrund der Entwicklung im italienischen Bankenmarkt nachzuvollziehen, sagt er. Die Frage, inwieweit die Übernahme der HVB nur der Anfang einer Entwicklung im deutschen Bankenmarkt war, will er deshalb nicht beantworten. Er zieht es vor, über die Geschichte des eigenen Hauses zu reden. Denn er ist der eigentliche Macher der UniCredit-Gruppe, die in den 90er Jahren aus der staatlichen Bank Credit Italiano und mehrere Sparkassen fusioniert wurde. Profumo konsolidierte, internationalisierte das neue Institut und legte die Weichen für die noch heute bestehende Struktur der drei Bereiche Retailgeschäft, Firmenkunden und Private Banking. In der Folge expandierte die Bank konsequent nach Osteuropa und betrat damit weitgehend Neuland. Mittlerweile ist wohl mehr als ein Drittel aller Mitarbeiter in Zentral- und Osteuropa tätig, wo die Bankengruppe eine marktführende Stellung einnimmt.

 

 

Risikomanagement auf Holdingebene
Einen wichtigen Anteil am Erfolg hat auch das Risikomanagement. Auf der Holdingebene ist der Chief Risk Officer (CRO) angesiedelt, der die konzernweiten Assets managt, die Risiko-Politik bestimmt, einzelne Geschäftseinheiten unterstützt und für die Implementierung einer übergreifenden Risikokultur verantwortlich ist. Seit Januar 2006 besetzt diese Position der deutsche Risiko-Profi Henning Giesecke. Er ist auch für das laufende Basel-II-Projekt zuständig. Die Risiko-Divisionen verteilen sich auf die Bereiche Kreditrisiko, Marktrisiko, Liquiditätsrisiko und Operationelles Risiko. Die Einheit wurde erst im November 2005 – nach der Intergration der HVB – neu organisiert und strukturiert. Und zwar ganz nach der Art Alessandro Profumos: Tempo, Tempo!

Quelle: http://www.risiko-manager.com

 

Lesen Sie auch

Mit Customer Journey Mapping den Kunden erreichen

Im Webinar „Komplexe Omnichannel-Kommunikation mit Customer Journey Mapping[…]

Redaktion

Die Zukunft im Blick – Next Generation Customer 2018

Wie sieht die Zukunft der Finanzberatung und der[…]

Philipp Scherber

Cybercrime Day 2018

Auf dem Fachkongress „Cybercrime Day - IT-Sicherheit in[…]

Daniel Fernandez

Blockchain als Game Changer für das Supply-Chain-Management

Ein Smart Contract ist in der Lage, automatisch[…]

Philipp Scherber

Next Generation Customer 2018

Am 07. und 08. November 2018 veranstaltet der[…]

Redaktion

Wir stellen vor: Steffen von Blumröder

Wer sind die Mitglieder des BANKINGCLUB? Bei welchen[…]

Redaktion

„KI kommt mit Macht auf uns zu“

Nachbericht zur Abendveranstaltung „KI – Magic Boost for[…]

Tobias Schenkel

Signaturtag 2018

Vorbericht zu unserem Fachkongress Signaturtag 2018 am 19.[…]

Daniel Fernandez

Wir stellen vor: Christian Albrecht

Wer sind die Mitglieder des BANKINGCLUB? Bei welchen[…]

Redaktion

Wir stellen vor: Oliver Welp

Wer sind die Mitglieder des BANKINGCLUB? Bei welchen[…]

Redaktion

Wir stellen vor: Rouven Kasten

Wer sind die Mitglieder des BANKINGCLUB? Bei welchen[…]

Redaktion

Wir stellen vor: Angela Adomeit

Wer sind die Mitglieder des BANKINGCLUB? Bei welchen[…]

Redaktion

Wir stellen vor: Stefan Seyler

Wer sind die Mitglieder des BANKINGCLUB? Bei welchen[…]

Redaktion

FRAUDMANAGEMENTforBANKS 2018

Vorbericht zu unserem zweitätigen Fachkongress

Dalia El Gowhary

„Früher war alles besser – oder?“

Das Quartier 110 in Berlin Mitte verbindet Vergangenheit[…]

Philipp Scherber

BANKINGCLUB und Fujitsu mit neuer Videoserie am Start

Kein Moderator, kein Skript, dafür fundierte Meinungen aus[…]

Redaktion

Wer ist eigentlich dieser BANKINGCLUB?

„Ich hab’ da mal eine Frage: Was machen[…]

Redaktion

„Nicht nur bunte Zettel und Workshops“

Eine Erkenntnis stand im Zentrum des zweitägigen Fachkongresses[…]

Redaktion

„There is no such thing as a killer feature“

Auf dem Ein-Tages-Kongress "Digitale Transformation" am 10. April[…]

Philipp Scherber

„Technologie lässt Barrieren fallen“

An zwei Abenden in Köln und Berlin stellten[…]

Philipp Scherber

Digital Wealth Management im Drehstuhl

Am 18. Mai 2018 widmeten wir uns gemeinsam[…]

Philipp Scherber

Moral, MiFID II und Verletzungen beim Handball

Nachbericht zum Kongress COMPLIANCEforBANKS 2018

Tobias Schenkel

„Bei der Pflicht sicher, bei der Kür am Anfang“

Vernetzung ist einer der Kernaspekte der EU-Zahlungsdiensterichtlinie PSD2.[…]

Philipp Scherber

Die Zukunft des Retail-Banking

Gemeinsam mit unserem Premiumpartner Salesforce haben wir den[…]

Redaktion

COMPLIANCEforBANKS 2018 – Vorbericht

Das Jahr 2018 beschert den Compliance-Abteilungen von Banken[…]

Redaktion

Wir stellen vor…

An dieser Stelle möchten wir Ihnen die Gelegenheit[…]

Redaktion

„Will ich der digitale Löwe sein oder das Schaf?“

In einer Gesellschaft, die sich im stetigen Wandel[…]

Daniel Fernandez

Fehler sind erlaubt – ein Scheitern nicht

Nachbericht zum Fachkongress "Zukunft der Bankorganisation" am 20.[…]

Philipp Scherber

Schnelle und sichere Akquise der Kundendaten auf mobilen Endgeräten: zwei Fallstudien aus dem Banksektor

Überblick Die Anfrage nach Dienstleitungen in Selbstbedienung steigt[…]

Armand Renoncet

Wir vernetzen die Finanzbranche

Ab dieser Ausgabe widmen wir dem Club und[…]

Thorsten Hahn

Kontrolle behalten: So lassen sich E-Signatur und Kundendaten schützen

Datenlecks und Malware-Attacken beherrschen seit längerem die Schlagzeilen.[…]

Daniel Schmidt

Lessons learnt? – 10 Jahre nach Beginn der Finanzkrise

In 2007 war eine Finanzkrise ausgebrochen, die uns[…]

Jürgen P. Müller

A2iA Mobile SDK, die Zukunft des Dokumentenmanagements

Wenn es darum geht, handschriftliche Daten zu digitalisieren,[…]

Armand Renoncet

250. Ausgabe

BANKINGNEWS feiert Ausgabe 250. Gegen Geschenke in Form[…]

Thorsten Hahn

Was man beim Aktienkauf beachten sollte!

Da ich beruflich viele Transaktionen am Aktienmarkt tätige,[…]

Florian Müller

Danke!

Zwei Kalenderjahre BANKINGNEWS im Zeitungsformat und wir sind[…]

Thorsten Hahn

Alles Gute zum 1. Geburtstag!

Viele haben sich gefragt, ob es von mir[…]

Thorsten Hahn

Welche Vorteile bietet mir der BANKINGCLUB?

BANKINGCLUB ist einer der größten Wirtschaftsclubs für Mitarbeiter[…]

Thorsten Hahn

Kofax Webinar „Digitalising the Customer Experience in Banking”

Digitalisierung ist DAS Thema in allen Bereichen der Interaktion[…]

Holger Schreyer

Alles neu, macht der Mai

Sie haben es längst gesehen, auf BANKINGCLUB.de haben[…]

Thorsten Hahn

Kofax Roundtable „Service verbessern, Kunden begeistern“

  Möchten auch Sie Ihren Service verbessern und[…]

Holger Schreyer

Glückwunsch

Die BANKINGNEWS werden zehn Jahre alt und ich[…]

Julian Achleitner

Totgesagte leben länger – aber war Print jemals tot?

Diese Woche erhalten rund 8.000 Mitarbeiter von Banken[…]

Julian Achleitner

Nie wieder das Haus verlassen

Kaum ein Verfahren ist bei Online-Abschlüssen so in[…]

Julian Achleitner

Print lebt!

Wenige Monate vor dem 10. Geburtstag des BANKINGCLUBs[…]

Thorsten Hahn

In eigener Sache

Noch ein paarmal schlafen, dann gibt´s was in[…]

Thorsten Hahn

Kofax Business Breakfast – Erfolgreiche Interaktion im Zeitalter des Kunden

Man sagt, auch der längste Weg beginnt mit[…]

Holger Schreyer

BANKINGNEWS Ausgabe 7 vom 13.05.2014

Zum Download diesen Link nutzen!      […]

Redaktion

BANKINGNEWS Ausgabe 6 vom 30.04.2014

Zum Download diesen Link nutzen!      […]

Julian Achleitner