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Die Rückkehr der Zombie-Banken

Von Thorsten Hahn - 12. März 2009

Als die japanische Regierung in den 1990er Jahren die wichtigsten Banken des Landes auffing, kostete die Rettungsaktion die japanischen Steuerzahler rund 20 % des Bruttosozialproduktes. Damals war die Kritik vor allem aus den anglo-amerikanischen Ländern groß.
Presseveröffentlichung

Als die japanische Regierung in den 1990er Jahren die wichtigsten Banken des Landes auffing, kostete die Rettungsaktion die japanischen Steuerzahler rund 20 % des Bruttosozialproduktes. Damals war die Kritik vor allem aus den anglo-amerikanischen Ländern groß. Die USA warfen Japan vor, "Zombie-Banken" künstlich am Leben zu halten. Gemeint waren damit bankrotte Geldinstitute, die keine Kredite mehr vergaben, aber über lange Zeit künstlich am Leben erhalten wurden. Doch heute schlägt die Welle zurück, denn nun werfen die Asiaten der amerikanischen Regierung vor, mit der Citigroup die größte Untotenbank der Welt über Wasser zu halten. Doch Fed-Chairman Ben Bernanke weist den Begriff "Zombie-Banken" für große US-Institute entscheiden zurück. Zwar müsse das Bankensystem durch die US-Regierung stabilisiert werden, doch es gebe keine "Zombie-Banken" in den USA, sagte Bernanke bei der jüngsten Anhörung im Senat. "Ich denke nicht, dass irgendeine US-Großbank eine Zombie-Bank ist", sagte Bernanke. "Alle Banken vergeben Kredite. Sie sind alle lebensfähig." Zudem sei eine Verstaatlichung von US-Banken weder angebracht noch notwendig.

Gleichwohl: Das Unwort ist wieder im Umlauf – und zwar auf Welttournee. Auch die Mainzer VWL-Professorin Beatrice Weder di Mauro, zugleich Mitglied im deutschen Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung ("Fünf Wirtschaftsweise"), sieht neuerdings wieder die Gefahr von "Zombie-Banken", die nicht wirklich überlebensfähig sind – sogar für Deutschland. Wichtig sei im Gefolge der Finanzkrise, die Bankenlandschaft endlich zukunftsfähig zu machen, eine Kreditklemme zu verhindern und die Kosten für den Steuerzahler zu minimieren, so Weder di Mauro im Rahmen einer Veranstaltung von Arvato Infoscore in Berlin. "Ich habe die Hoffnung auf ein restrukturiertes Bankensystem noch nicht aufgegeben", meint die Wirtschaftsweise, doch seien derzeit noch immer keine Durchbrüche erkennbar. Schuld weist sie vor allem den Aufsichtsbehörden zu, die "massiv reformbedürftig" seien, eine Regulierungsarbitrage zugelassen und systemische Zusammenhänge durch ihre institutsbezogene Sichtweisen vernachlässigt hätten. Die Banken dagegen hätten allzu oft falsche Risikomodelle im Einsatz gehabt und eine zu hohe Modellgläubigkeit an den Tag gelegt. Gepaart mit verfehlten Anreiz- und Vergütungssystemen seien die Irrwege der Branche vorgegeben gewesen.

In der Retrospektive die Verfehlungen einer gesamten Industrie anzumahnen, ist mittlerweile wieder schwer in Mode gekommen, doch muss letztlich auch Beatrice Weder di Mauro einräumen, dass die Wirtschaftsweisen die Subprime-Krise nicht vorhergesehen haben. Einer der Gründe ist zweifellos die Komplexität des modernen Bankgeschäfts sowie des Risikomanagements. "Wir brauchen wieder eine gesunde Skepsis bei komplexen und strukturierten Produkten", sagt Wolfgang Lorenzkowski, Deputy Chief Risk Officer bei der Commerzbank. Banker sollten nur jene Geschäfte tätigen, die sie auch vollumfänglich verstehen. Darüber hinaus sei es notwendig, nachhaltig belastbare Geschäftsmodelle mit einer klaren Risikostrategie aufzusetzen, die auch den Risikoappetit intern definiert. Überhaupt seien die Anforderungen an die Risikokommunikation in größeren Instituten besonders hoch, weiß Lorenzkowski. "Wir sind professionelle Risikomanager", sagt der Bankexperte, "doch das bedeutet nicht, dass wir die Risikofrüherkennung nicht weiter professionalisieren könnten".

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