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Fluch über dem Finanzplatz Düsseldorf

Von Dr. Stefan Hirschmann - 22. April 2008

Liegt ein Fluch über dem Finanzplatz Düsseldorf? Nach den herben Verlusten bei der WestLB, dem Sex-Skandal und der Pooth-Affäre bei der Düsseldorfer Stadtsparkasse sowie der Schieflage der IKB Deutsche Industriebank AG hat es nun ein weiteres Kreditinstitut mit Sitz in der NRW-Landeshauptstadt getroffen. Die Düsseldorfer Hypothekenbank ist nun ebenfalls in den Sog der Finanzmarktkrise geraten und wird vorübergehend auf den Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) übertragen. Die Bank soll einem neuen Eigentümer zugeführt werden. "Damit werden die Schwierigkeiten überwunden, in die das Institut in dem jetzigen angespannten Marktumfeld geraten war", hieß es in einer Pressemitteilung. Die Bedienung und Einlösung der Pfandbriefe sei aber unverändert sichergestellt. Dem Bankenverband zufolge waren die Finanzaufsicht BaFin und die Deutsche Bundesbank über die Transaktion unterrichtet und begrüßten die Maßnahmen, da sie zur Stärkung des deutschen Pfandbriefmarktes beitrügen. Die Düsseldorfer Hypothekenbank ist Spezialist für langfristige Finanzierungen mit institutionellen Kunden. Die Staatsfinanzierung, also die Kreditgewährung an den öffentlichen Sektor, bildet hierbei den Schwerpunkt. Das Bankhaus begann nach eigenem Bekunden erst vor wenigen Jahren damit, die Immobilienfinanzierung als zweite geschäftliche Säule aufzubauen. Inzwischen hat dieser Bereich einen Anteil von 10 % am Gesamtgeschäftsvolumen erreicht. Wegen der Finanzmarktkrise, die ihren Ursprung in drittklassigen US-Immobilienkrediten hat, kämpft das der Unternehmerfamilie Schuppli gehörende Institut nun gegen die Widrigkeiten des Marktes, ohne selbst direkt oder indirekt in den US-Subprime-Märkten investiert zu sein. Bereits zu Beginn des Jahres gingen in Düsseldorf die roten Warnlichter an, als das Totalverlustlimit der Bank überschritten wurde.

Bank nicht in ihrer Existenz bedroht
Die Krise mit nachrangig gesicherten US-Hypotheken sei nicht die Ursache für den Verkauf gewesen, weil das Institut dort nicht engagiert sei, sagte auch der für Immobilienfinanzierung zuständige Vorstand Wolfgang Hampel. Jedoch habe die folgende Finanzmarktkrise zu deutlich ausgeweiteten "Spreads" geführt. Dies hatte zu erheblichen Wertberichtigungen geführt. Als Käufer kommen nach Ansicht von Hampel Bieter aus dem In- und Ausland in Frage. "Das Pfandbriefprivileg kann interessant sein." Für die 90 Mitarbeiter in Düsseldorf und Stuttgart gelte zunächst die "klare Aussage", dass das Geschäft wie bisher weitergeführt werde. Einen festen Zeitraum, bis wann die Bank verkauft werden solle, gebe es nicht. Der Verkauf solle jedoch möglichst zügig über die Bühne gehen. Vorstandskollege Friedrich Munsberg verwahrte sich dagegen, die Situation des Instituts mit anderen Banken wie der IKB und der SachsenLB zu vergleichen. "Die Bank schreibt keine Verluste, das unterscheidet uns von anderen Fällen", sagte der seit Februar amtierende Manager zu Dow Jones Newswires. Tatsächlich war der Jahresüberschuss im vergangenen Jahr von 22 Millionen auf 100.000 EUR geschmolzen. Die Bank sei nicht in der Existenz bedroht, so Munsberg weiter. Deshalb habe es auch keinen Anlass für bankenaufsichtsrechtliche Maßnahmen gegeben.

Unstimmigkeiten zwischen Management und Eigentümern?
Die BaFin hatte erst vor zwei Wochen die Bremerhavener Weserbank AG geschlossen und ein Moratorium verhängt (RISIKO MANAGER berichtete). Inzwischen wickelt ein Insolvenzverwalter das Institut ab. "Die Weserbank war bilanziell überschuldet, das war bei der Düsseldorfer Hypothekenbank nicht der Fall", sagte ein BaFin-Sprecher. Er bestätigte, dass die Behörde am Verkaufsprozess nicht beteiligt war. "Die Lösung haben wir nicht vorgegeben", so der Sprecher. Warum die Düsseldorfer Hypothekenbank nicht direkt an einen Interessenten verkauft wurde, sondern zunächst beim BdB geparkt und anschließend auf einen neuen Käufer übergehen soll, wollte Hypothekenbank-Vorstand Munsberg nicht kommentieren. "Verkäufe sind nicht Sache des Vorstandes, sondern des Eigentümers", so Munsberg. Zugleich wies er die Vermutung zurück, dass es im Vorfeld des Verkaufs zwischen dem Management und der Eigentümerfamilie zu Unstimmigkeiten gekommen sei. Anfang des Jahres hatte die Schuppli-Gruppe ihren 49 %-Anteil an der Essen Hyp an die Commerzbank AG verkauft. Die Essen Hyp wurde anschließend mit der Commerzbank-Tochtergesellschaft Eurohypo AG verschmolzen.

Rating wieder marktfähig
Bereits im Februar hatte die Eigentümerfamilie das Eigenkapital der Bank um 100 Mio. EUR erhöht und die Zuführung von weiteren 50 Mio. EUR zugesagt. Dazu hatte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG das Unternehmen nach einer Sonderprüfung im Auftrag der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht aufgefordert. KPMG hatte außerdem eine Überprüfung der geschäftlichen Ausrichtung empfohlen und die Umfänge der in den letzten Jahren "ertragssteigernd getätigten" Zinsabsicherungsgeschäften kritisiert. Da die Ertragskraft in den kommenden Jahren schwächer zu werden drohe, hatte KPMG eine "Drohverlustrückstellung" von 46 Mio EUR im Jahresabschluss 2007 empfohlen. Für den Ertragsrückgang hatte der Vorstand im Februar Abschreibungen auf Wertpapierbestände und Verluste im Aktienhandel verantwortlich gemacht. Zugleich kündigte das Management an, die gewerbliche Immobilienfinanzierung zu stärken und den derzeit hohen Anteil der Staatsfinanzierungen abzubauen. Bis Ende 2010 sollte demnach der Ertragsanteil aus der Immobilienfinanzierung auf 80 % steigen. Gegenwärtig verzeichnet das Kreditinstitut die meisten Erträge mit der Staatsfinanzierung. Die Ratingagentur Fitch senkte damals die Kreditwürdigkeit der langfristigen Verbindlichkeiten zunächst auf “BBB-“ von “BBB“. Im April wurde der Ausblick dann auf "negativ" gesetzt. Jetzt wurde das langfristiges Emmitentenausfallrating wieder auf “A-“ von “BBB-“ hochgesetzt. Gleichzeitig wurde das Individual Rating auf den niedrigsten Wert der Skala, also “F“ (vorher “C/D“) gesetzt. Die Pfandbriefe wurden mit “AAA“ bestätigt. Das sog. Individual Rating ist ein Indikator dafür, wie ein Institut ohne Support darstehen würde. Hier geht die Skala von einfach A bis einfach F. Ein A heißt höchste Stabilität auch ohne Unterstützung (z.B. des Mutterkonzerns, der Holding, des Landes oder ähnliches). 

Quelle: http://www.risiko-manager.com/

 

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