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Lessons learnt? – 10 Jahre nach Beginn der Finanzkrise

Von Jürgen P. Müller - 21. Juli 2017

"Haben wir unsere Lektion aus der Finanzkrise gelernt?" Dieser Frage ging die Diskussionsrunde mit Herbert Hans Grüntker, Dr. Elke König, Prof. Dr. Jan Pieter Krahnen, Prof. Dr. Axel Weber und Martin Zielke nach.

In 2007 war eine Finanzkrise ausgebrochen, die uns bis heute beschäftigt. Bedeutende Persönlichkeiten sind im Juli 2017 in der Goethe-Uni Frankfurt zusammengekommen, um zu beleuchten, wie Vergangenheit und Zukunft in Verbindung mit dieser Finanzkrise zu beachten sind. Die Frage zur Vergangenheit wurde schnell ausgeräumt, bei dieser Diskussionsveranstaltung, zu der der Bundesverband Öffentlicher Banken, welcher seit 100 Jahren besteht, der Bundesverband deutscher Banken und das Center for Financial Studies geladen hatte. Die Krise ist noch nicht zu Ende, und es kann heute noch nicht bewertet werden, ob alle Probleme in Zukunft zu lösen sind. Damals hatte die Krise bis 2008 die internationalen Finanzmärkte an den Rand des Zusammenbruchs gebracht. Reaktionen der Panik waren insbesondere in Deutschland nicht auszuschließen. Eine weder rechtlich noch tatsächlich gedeckte Behauptung der Bundeskanzlerin nach dem G20-Treffen verhinderte das Schlimmste: „Die Spargelder sind sicher.“ Die Sparer glaubten es.

Das Resümee für die Welt war ein anderes: „Es sollten keine unkontrollierten Märkte existieren.“ Daraus folgten Reformen und Regulierungen mit internationaler Abstimmung. Nach 10 Jahren sollte hinterfragt werden, ob die Antworten finanzpolitische Regeln neu festgesetzt haben und welche Maßnahmen zur Erhöhung der Widerstandsfähigkeit von Finanzmärkten und Staaten noch zu ergreifen sind. Besteht die Gefahr, dass die Absichten der USA das Rad zurückdrehen? Sollte das Stability Board die bessere Zusammenarbeit für die Zukunft und einer positiven Fortführung sicherstellen? Einstimmig ist das Nein zur Renationalisierung. Fragen bleiben:

  1. Welche Regulierung kann ihren Fortgang finden?
  2. Was wurde bisher erreicht?
  3. Wie hoch waren die Kosten?
Prof. Dr. Jan Pieter Krahnen, Direktor des CFS. Bildnachweis: www.offenblen.de (Alex Becker)

Nach dem Direktor der CFS an der Goethe-Uni, Herr Prof. Krahnen, sind Evaluation, Bewertung in der Historie und Forschung des House of Finance auf dem Campus der Universität durch das Sammeln von Wahrnehmungen zu erkennen und in der Methodik zu reflektieren.

Nach dem G20 in Washington war es ein symbolischer Akt der Bundeskanzlerin, die Garantie der Spargelder zu behaupten. Heute fehlen noch immer Strukturen und ein Ausgleich der Regulatorik im Vertrieb von Finanz- und Kapitalmarktprodukten. Kann die Kreditwirtschaft als Volkswirtschaft definiert werden?

Der frühere Präsident der Deutschen Bundesbank, Herr Weber, zeigte die damaligen Einschnitte auf. Nicht nur Lehman Brothers verschwanden vom Markt, sondern auch deutsche Landesbanken als Folge der größten Finanzkrise der Nachkriegszeit. Die primäre Fragestellung des prägnanten Treffens war, ob die Finanzwelt diese Lehrstunden gelernt hat (lessons learnt?).

Die damalige Forderung nach mehr Kapital im Rückhalt der Banken wurde erfüllt. Die Regularien von Basel I hatten 30 Seiten; Basel III hat 30.000 Seiten. Wie viele werden es bei Basel IV sein, von dem Lockerungen in der Praxis zu erwarten sind. Etwa 60.000 regulatorische Events pro Jahr sind zu erwarten und verschiedene Regulatoriken in Staaten sind zu bewerten. Der Umfang ist zu prüfen, um den Überblick zu wahren und zukünftige Risiken einschätzen zu können.

Die Prognosen des IWF waren positiv, bis die USA Verminderungen der Regularien forderten. Eine neue Krise wie 2007 ist beherrschbar. Wird eine neue Krise von der gleichen Art sein? Banken haben heute nicht mehr die Ertragskraft wie vor einigen Jahren, aber nach wie vor das Ziel ein ertragreiches Geschäftsmodell zu präsentieren. Dazu gehört, die Weitergabe von Negativzinsen zu begrenzen.

Eine weitere Problematik der Banken stellen die Fintechs dar. Sie stehen unter dem Druck, dass sie die Digitalisierung noch mehr integrieren und dabei erkennen müssen, dass nach außen hin analoge Strukturen zur Aufrechterhaltung der Ordnung und des Verständnisses bei den Kunden präsentiert werden müssen. Gleichzeitig ist als Konsequenz der Rückzug der Banken zu realisieren. Für die Vorgaben von Basel I-IV fehlt die Sensibilisierung, verbunden mit geringerer Risikoverfolgung. Nationale Überlegungen hierzu sind negativ. Die Verteilungsrisiken der Notenbanken, verbunden mit schwachen Bewerbern am Markt, zeigen die fehlende Nachhaltigkeit auf dem Kapitalmarkt. Dabei bleibt die zu erwartende Erkenntnis, dass das Finanzsystem den Aktienmarkt korrigieren wird.

„Haben wir unsere Lektion aus der Finanzkrise gelernt?“ Dieser Frage ging die von Dr. Detlef Fechtner moderierte Diskussionsrunde mit Herbert Hans Grüntker, Prof. Dr. Jan Pieter Krahnen, Dr. Elke König, Prof. Dr. Axel Weber und Martin Zielke nach. Bildnachweis: www.offenblen.de (Alex Becker)

Die Betrachtung der Ereignisse der Vergangenheit erlaubt die Feststellung, dass Banken heute besser kontrolliert aufgestellt sind, aber noch Aufgaben für die Zukunft bestehen. Die Digitalisierung sollte als Basis der Verbesserung von Geschäftsmodellen vertieft werden – auch um die Risiken von Cybercrime zu vermindern. Die Verfolgung moderner Thesen durch Banken ist gut, aber im Kreis der Führung deutscher Banken zeigt sich die Erkenntnis, dass Banking früher ein langweiliges Geschäft war.

In der Konsequenz gibt es weniger Institute, nur noch vier Landesbanken – aber die verbliebenen mit verdoppelter Eigenkapitalausstattung! Ambivalität ist als Unsicherheit zu sehen. Das Beispiel von zwei italienischen Banken, die innerhalb des italienischen Staates hätten überleben sollen, zeigt die Kraft der EZB-Regulierung, die das nicht zugelassen hat. Bei zwei weiteren italienischen Banken waren diese Vorgaben nicht durchzusetzen. Hier muss die Frage zur Proportionalität der Aufsicht gestellt werden. Europäische Institute können Probleme lösen, sich aber bezogen auf 10 Jahre noch nicht zurücklehnen.

Die Krise von 2007 ist noch nicht vorbei. Auf Spanien sei verwiesen. Das Ziel bleibt die Herstellung der Normalität und verständige Auflösung der noch verbliebenen kritischen Faktoren. Zum Bail-In gibt es im Zweifel keine Alternative. Die augenblickliche Situation lässt sich als aktuellen Versuch sehen, die Krise zu lösen. Dazu ist weniger Optimismus erforderlich. Die letzte Meile muss noch gegangen werden. Nach wie vorgefährdet sind Versicherungen, Pensionsfonds, Bonds -Verkauf, Non Performing Loans (NPLs).

Die Art dieser Frage stellt sich nach der Politik der EZB, die keine abrupte Zinsänderung erwarten lässt. Eine Kreditklemme gab es 2009/2010 tatsächlich. Geändert hat sich der Wunsch nach gesellschaftlicher Akzeptanz und Nutzenstiftung. Die Frage nach dem Schaden eines nicht funktionierenden  Banksystems bleibt offen. An den aktuellen Maßnahmen sind keine Änderungen zu empfehlen. Richtig ist, dass die Vereinigten Staaten aufgrund ihrer Stärke schneller aus der Krise kommen werden. Dennoch besteht nach wie vor Ansteckungsgefahr für alle, die zu regulieren sind. Die Teilnehmer waren der Meinung, dass sonst eine neue Krise zu erwarten ist.

Als spezifische Problemstellungen wurden Schattenbanken aufgezeigt, die reguliert werden müssen. Die aktuellen Intonationen aus den USA beinhalten das Ignorieren alter Gefahren, da damals installierte Einschränkungen am Finanzmarkt in den USA nicht mehr gelten sollen. Wenn etwas passiert, besteht die Hoffnung auf einen qualifizierten Insolvenzrichter im jeweiligen Bundesstaat am relevanten Wochenende. „To big to fail“ ist zu komplex und es ist nicht zu erkennen, was mit einer Regelung in diesem Sinne bewirkt wird. Es bleibt richtig, den Finanzmarkt zu beobachten und die einzelnen Punkte des Treffens zu koordinieren.

Hier gelangen Sie zu einem ausführlichen Video der Diskussionsveranstaltung.

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