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„Banken müssen sich zu Software-Unternehmen entwickeln“

Hinter den Kulissen arbeiten deutsche Banken daran, bei der Digitalisierung ihre offenen Flanken zu schließen. Der Berliner Software-Anbieter Camunda spielt dabei eine wichtige Rolle. Ein Gespräch mit den Gründern Jakob Freund und Bernd Rücker.

Von Thorsten Hahn - 14. Februar 2020
Der CEO und Chief Technologist von Camunda sitzen auf einer Bank

Jakob Freund (rechts) ist CEO von Camunda. Der Wirtschaftsinformatiker verantwortet die Bereiche Strategie und Innovation. Bernd Rücker kümmert sich als Chief Technologist im Unternehmen um die globale Software-Engineering-Community.

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BANKINGNEWS: Von Goldman Sachs über die ING, BNP Paribas und S-Kreditpartner bis hin zur Bank11. Was machen die Institute mit Camunda?

Jakob Freund: Camunda ist eine Workflow-und-Decision-Automation-Plattform, die hilft, Prozesse schnell und flexibel zu automatisieren. Viele Unternehmen nutzen Camunda, um zeitnah kundenorientierte Anwendungen an den Markt zu bringen und dann nach und nach veraltete Legacy-Systeme abzulösen, weil sie die Digitalisierung ausbremsen.

Bernd Rücker: Digitalisieren heißt auch, veränderte Kundenerwartungen zu erfüllen. Wer heute eine App nutzt, erwartet, seine Belange einfach und schnell selbst zu steuern. Das gilt auch fürs Banking. Jetzt müssen die Finanzinstitute aber nicht nur ihre eigenen Webseiten und Apps anbinden, sondern auch mobile Zahlungssysteme und, wegen der PSD2-Richtlinie, zusätzlich ihre Daten Drittanbietern zugänglich machen. Viele Kernbankensysteme lassen das aber nicht so einfach mit sich machen.
Freund: Wir haben die Banken gefragt, wo der Schuh am meisten drückt. Fast drei Viertel fühlen sich abgehängt von der digitalen Konkurrenz im Zahlungsverkehr. 71 Prozent beklagen, dass die IT nicht mehr schnell genug ist, um mithalten zu können. Damit ist nicht nur die Geschwindigkeit an sich gemeint, sondern auch das zu langsame Tempo, in dem sich neue Funktionen und Produkte einführen lassen. Darum suchen die Institute nach Alternativen.

Warum steigen viele Banken auf ein Workflow-Automation-System um?

Rücker: Die Architektur folgt einem leicht zu verstehenden Prinzip. Komplexe Abläufe werden in kleinere Aufgaben, oft unabhängige Microservices, zerlegt. Einer dieser Services nimmt etwa einen Zahlungsauftrag über die Webseite oder eine App an, der nächste prüft, ob das Konto gedeckt ist, ein weiterer, ob sich die eingegebene IBAN korrekt auflösen lässt. Erst dann findet die Zahlung statt. Wenn sich daran etwas ändern soll, brauchen die Entwickler nur den jeweils betroffenen Microservice anzupassen und sie müssen nicht das gesamte System anhalten. Gleiches gilt für eine neue Schnittstelle, um etwa ein Vergleichsportal anzubinden. Das macht die Software
insgesamt flexibel und unterstützt die Fachbereiche dabei, Funktionen einfacher zu verändern oder neue Funktionen zusammenzusetzen.

Jemand muss diese Microservices schreiben. Werden aus Banken IT-Firmen?

Freund: Davon sind wir überzeugt. Banken müssen sich zu Software-Unternehmen entwickeln, damit sie ihre Geschäftsmodelle digitalisieren und gegen digitale Angreifer wie Fintechs verteidigen können. Deren Kernkompetenz liegt darin, ein besonders hohes Niveau bei der Nutzererfahrung liefern zu können. Kunden messen ihre Banken künftig daran, ob sie das auch so gut hinbekommen. Darum sollten die Institute selbst beeinflussen können, wie sich ihr digitales Angebot anfühlt. Das kann nur gewährleisten, wer den Technologie-Stack selbst kontrolliert.

Was ist mit Anwendungen, die eine Bank nicht oder erst später ablösen kann?

Rücker: Keine Bank kann sich von jetzt auf gleich von allen Legacy-Systemen auf einmal verabschieden. Die Institute tun sich generell schwerer damit, ihren Host auszuwechseln, als etwa Anbieter im Bereich Energie oder Telekommunikation. Deshalb empfehlen wir, das Application Retirement gut zu planen und nach und nach die veralteten Systeme abzuschalten.
Freund: Viele CRM- und Banking-Systeme verfügen über Schnittstellen, um auch ältere Anwendungen in einen digitalen Prozess zu integrieren. Das sollte sich aber nicht zu einer dauerhaften Lösung entwickeln. Wir haben gesehen, dass das eher dazu führt, dringend notwendige Investitionen hinauszuschieben. Die Digitalisierung lässt sich aber nicht austricksen.

Was ist mit Robotic Process Automation? Gartner geht davon aus, dass der Markt bis 2022 jedes Jahr um mehr als 40 Prozent wächst.

Freund: RPA eignet sich als schnelle Medizin, um manuelle Prozesse digital zu verpacken und so einen akuten Schmerz zu behandeln. Unternehmen müssen aber darauf achten, dass sie sich keine Schatten-IT aus Software-Robotern aufbauen, weil das teuer werden kann und die IT von den wertschöpfenden Aufgaben abhält. Viele Entscheider übersehen darüber hinaus, dass sie – genau wie bei eigens entwickelter Software – Knowhow aufbauen müssen. Nur geschieht das jetzt plötzlich in den Fachbereichen, die RPA machen wollen, und nicht in der für Software verantwortlichen IT.

Wenn sich alle wichtigen Dinge auf die IT verengen, was bleibt dann noch für die Fachbereiche?

Freund: Bislang hat vor allem die IT festgelegt, was geht und was nicht. Zum Beispiel buchen viele der großen Banken in Deutschland heute noch nicht in Echtzeit, obwohl das fachlich schon vor zehn Jahren Sinn ergeben hätte. Erst jetzt zwingen digitale Wettbewerber die Institute dazu, sich von diesen Beschränkungen zu befreien. Eine Bank, die selbst Software entwickelt, erleichtert ihren Fachbereichen vielmehr, Wettbewerbsstrategien schneller umzusetzen.

Rücker: Microservices unterstützen agiles Arbeiten. Wenn eine neue gesetzliche Vorschrift kommt, kann sie viel zielgerichteter in einem fokussierten Team aus IT und fachlich dafür verantwortlichen Kollegen gelöst werden. Hinzu kommt außerdem, dass fachliche Anforderungen nicht mehr an die Release-Zyklen des gesamten Systems gebunden sind. So gelangen die Organisationen ganz von alleine zu einem schnelleren Vorgehen und wenden sich endlich vom Wasserfall ab.

Wovor sollten sich die Institute hüten, wenn sie in Digitalisierung investieren?

Rücker: Jede Bank muss ihr gewähltes Geschäftsmodell technisch abbilden können. Dabei greifen viele zu Standard-Software und bauen sie um. Das ist gefährlich, weil keine Bank sich von den technischen Vorgaben dieser Software freimachen kann. Sich im Wettbewerb zu differenzieren, wird so zu einer nahezu unlösbaren Aufgabe. Das aber, was die Kunden direkt betrifft, sollte jede Bank selbst gestalten. Hinderlich sind zudem sehr große, lange geplante Projekte, die mehrere Jahre dauern sollen. Kein Institut kann es sich leisten, sich über einen so langen Zeitraum einzuschließen, um eine möglichst perfekte Lösung zu suchen. Und schließlich sollte sich der Vorstand auf eine IT-Architektur verpflichten, die das fachlich gebotene Tempo mitgehen kann.

Interview: Thorsten Hahn

Tipp: Das Interview mit Camunda gehört zur BANKINGNEWS 276. Darin gibt es noch mehr spannende Themen, wie zum Beispiel: So gefährlich sind Plattformen für Banken.

Jakob Freund und Bernd Rücker

Camunda

Jakob Freund ist CEO von Camunda. Der Wirtschaftsinformatiker verantwortet die Bereiche Strategie und Innovation.

Bernd Rücker kümmert sich als Chief Technologist im Unternehmen um die globale Software-Engineering-Community.

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