Die EuropÀisierung der Neo-Broker

Neo-Broker warten mit niedrigschwelligen Angeboten und geringen TransaktionsgebĂŒhren auf. LĂ€ngst ist der Broker-Boom auch in Deutschland und Europa angekommen. Was mĂŒssen die Marktteilnehmer tun, um die EuropĂ€isierung im Broker-GeschĂ€ft erfolgreich mitzugestalten? Nico Baader antwortet im Marktkommentar.


Die EuropÀisierung der Neo-Broker

Im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung der FinanzmÀrkte hat das mobile Investieren in den vergangenen Jahren Einzug in die Wohnzimmer privater Anleger gehalten. WÀhrend der Corona-Lockdown-Phasen erfuhr diese Entwicklung in den vergangenen zwei Jahren einen regelrechten Boom. Insbesondere die hohen VolatilitÀten an den FinanzmÀrkten haben das Interesse am Wertpapierhandel bei der privaten Anlegerschaft verstÀrkt. Auch haben die zwischenzeitlich auf Spareinlagen erhobenen Verwahrentgelte das Interesse an Renditealternativen angekurbelt.

Diesen erkennbaren Trend haben sich vor allem Fintechs, Broker und Online-Vermögensverwalter zunutze gemacht und ihre Dienstleistungen dahingehend ausgebaut. In Form von vereinfachten und optimierten Anwendungsmöglichkeiten sowie dem Zugang ĂŒber das eigene Smartphone haben die Anbieter das Investment-Verhalten der Privatanleger entscheidend befördert.

Nicht nur der Wertpapierhandel ist dadurch benutzerfreundlicher geworden, sondern auch die zugehörigen Onboarding-Prozesse wie beispielsweise die Kontoeröffnung haben sich fĂŒr Anbieter und Kunden durch digitale Anwendungen vereinfacht. DarĂŒber hinaus entstehen durch die GeschĂ€ftsmodelle der sogenannten Neo-Broker oder Robo-Advisor oftmals keine oder vergleichsweise geringe Kosten fĂŒr den Nutzer, was die Anwendung zusĂ€tzlich attraktiv erscheinen lĂ€sst.

SparplĂ€ne ĂŒber mobile ZugĂ€nge

Ein weiterer Nutzenvorteil aus Sicht privater Anleger ist das Investieren in SparplĂ€ne ĂŒber die mobilen ZugĂ€nge. Aufgrund der vergleichsweise langfristigen Ausrichtung eines Sparplans ist diese Anlageform fĂŒr private Sparer von besonderem Interesse. Die Angebote werden unter anderem als alternative Form der Altersvorsorge genutzt und haben sich aufgrund einer Vielzahl verfĂŒgbarer passiver Produkte (ETFs) durchgesetzt. Es ist zu erwarten, dass das strukturelle Wachstum im Wertpapiermarkt durch den zunehmenden Wertpapierbesitz in SparplĂ€nen mittel- bis langfristig unterstĂŒtzt wird.

Wie nachhaltig die Entwicklung ist, lĂ€sst sich ĂŒberdies an der steigenden Anzahl der Wertpapierdepots privater Anleger erkennen. Das Wachstum bleibt ĂŒber die Hochphase in 2020 hinaus auf einem anhaltend hohen Niveau. Immer neue Wettbewerber treten in den Markt ein, fördern das Wachstum und steigern die Aufmerksamkeit fĂŒr das gesamte Angebotsspektrum der Neo-Broker.

Die zusĂ€tzlichen digitalen Angebote kleinerer Neo-Broker oder Robo-Advisor fĂŒhren einerseits zu mehr Wettbewerb untereinander, was eine Konsolidierung am Markt ĂŒber kurz oder lang begĂŒnstigt. Andererseits geht damit auch eine Ausweitung der Angebote ĂŒber regionale Grenzen hinaus einher.

Geldanlage in Europa

Ausgehend von initiativen GeschĂ€ftsmodellen in den USA hat sich in den vergangenen Jahren eine Vielzahl an deutschen Neo-Brokern und Robo-Advisorn am heimischen Markt etabliert. Im Zuge des Wertpapierhandels-Booms in 2020 haben Anbieter aus Deutschland heraus ihre GeschĂ€ftsmodelle in einem nĂ€chsten Schritt auf den europĂ€ischen Markt ausgeweitet. Außerdem sind auch auslĂ€ndische Modelle im Wettbewerb vertreten, die ihrerseits wiederum am deutschen Markt aktiv sind.

Neben den jeweils nationalen Neo-Brokern platzieren insbesondere Anbieter aus Deutschland ihre Angebote zunehmend im europĂ€ischen Ausland. Ein bedeutender Vorteil ist hierbei, dass Deutschland eines der wenigen LĂ€nder innerhalb Europas ist, in dem der Wertpapierhandel mit auslĂ€ndischen Aktien vergleichsweise einfach ĂŒber inlĂ€ndische BörsenplĂ€tze durchfĂŒhrbar ist. Dabei erfolgt die Abrechnung in Euro. FĂŒr private Anleger ist der Wertpapierhandel an inlĂ€ndischen HandelsplĂ€tzen preiswerter als der Handel ĂŒber die Heimatbörsen. Die meisten Neo-Broker bieten den Handel von Auslandsaktien in ihren NullgebĂŒhrenmodellen ebenfalls mit an.

Einen weiteren Vorteil bieten die deutschen Neo-Broker-Modelle ihrer Kundschaft, indem sie ergĂ€nzend zu ihrer Wertpapierhandelsdienstleistung auch Euro- und/oder Verrechnungskonten in FremdwĂ€hrungen mit anbieten. Dieses Setup kann ebenso im europĂ€ischen Ausland genutzt werden. Das heißt, dass ein deutscher Broker seine „inlĂ€ndische Produktwelt“ im Grunde eins zu eins innerhalb Europas skalieren kann. Rechtliche oder sprachliche Anpassungen mĂŒssen natĂŒrlich beachtet werden.

IT-Infrastruktur als Wettbewerbsvorteil

Sowohl fĂŒr etablierte Anbieter als auch fĂŒr neue Marktteilnehmer gilt, dass sie im zunehmenden Wettbewerb die technischen Prozesse sowie die Nutzerfreundlichkeit der Systeme stets ĂŒberprĂŒfen und an aufkommende Anforderungen anpassen mĂŒssen. HierfĂŒr benötigen sie eine im Hintergrund einwandfrei laufende IT-Infrastruktur, die auch außerordentlichen Börsenphasen standhĂ€lt.

Nur wenn ein Neo-Broker in der Lage ist, sowohl neue MĂ€rkte zu erobern als auch neue Produktwelten anzubieten, kann die Ausweitung der Wertpapierhandelsdienstleistung nach Europa erfolgreich gelingen. Denn klar ist, dass die Marktanteile letzten Endes an diejenigen gehen, die ein zuverlĂ€ssiges Setup fĂŒr Anleger bereitstellen.

Neben dem Wachstum ĂŒber LĂ€ndergrenzen hinaus stehen Neo-Brokern bereits jetzt Anforderungen hinsichtlich zu handelnder Assetklassen gegenĂŒber, die sich ebenfalls auf die IT-Belastbarkeit sowie das eigene Wachstum auswirken. So bewegt beispielsweise eine steigende Nachfrage hinsichtlich des Handels von Rentenpapieren oder auch KryptowĂ€hrungen im aktuellen Marktumfeld den Wettbewerb der Neo-Broker.

Fest steht: Um die EuropĂ€isierung im Broker-GeschĂ€ft erfolgreich mitzugestalten, mĂŒssen die Marktteilnehmer gezielt auf die Belange der Anleger eingehen, mögliche neue Kundengruppen in die strategische Sicht miteinbeziehen und dabei die technische AusfĂŒhrung professionell umsetzen.

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