Bitte melden Sie sich an

Registrieren Sie Sich als Premium-Mitglied, um Vorträge herunterzuladen.

  • 100% Rabatt auf alle Club-Events und Kongresse
  • Download der Vortragsunterlagen aller Veranstaltungen
  • Zugriff auf Fotogalerie aller Veranstaltungen
Sie sind noch kein Mitglied?

Dann registrieren Sie sich jetzt:

Jetzt Mitglied werden
Sie sind bereits Mitglied oder waren Teilnehmer?

Bitte loggen Sie sich ein:

Jetzt einloggen
Jetzt Mitglied werden

„Je länger der Krieg dauert, desto schwerer können mögliche Einschnitte sein“

Was bedeutet der Ukraine-Krieg für die Weltwirtschaft? Friedrich Mostböck, Head of Group Research bei der Erste Group Bank AG, über Energieimporte, die Unterschiede der Zentralbanken und die Konjunktur der BRICS-Staaten.

Von Redaktion - 19. Juli 2022
Krieg, Weltwirtschaft

Foto: iStock.com/Dilok Klaisataporn

BANKINGNEWS: Auf Corona folgt mit dem russischen Angriff auf die Ukraine der nächste Dämpfer für die Weltwirtschaft. Welche Risikobewertung bereitet Ihnen aus analytischer Perspektive derzeit das größte Kopfzerbrechen?
Friedrich Mostböck: Das größte Risiko für die Weltwirtschaft, aber auch für die Finanzmärkte ist die Dauer des Krieges. Bis dato haben die wesentlichen Weltwirtschaften und auch die Finanzmärkte die aktuellen Herausforderungen halbwegs verdauen können. Aber je länger der Krieg dauert, desto schwerer können mögliche Einschnitte sein. Das heißt, die Revisionstätigkeit kann bei Fortdauer des Krieges sowohl für die BIP-Wachstumsraten als auch für die Gewinne börsennotierter Unternehmen nach unten gerichtet sein. Es kann aber keiner wirklich beantworten, wann der Krieg enden wird. Denn selbst die NATO geht ja davon aus, dass der Konflikt im schlimmsten Fall noch Jahre anhalten kann.

Deutschland und Österreich sind stark abhängig von russischen Energieimporten. Wo sehen Sie hier Parallelen und wo Unterschiede?
Eigentlich ist ganz Europa stark abhängig von Energieimporten, vornehmlich russischem Gas. Meines Wissens sind es in Europa etwa 40 Prozent, in Deutschland sind es 35 Prozent und in Österreich sogar an die 80 Prozent. Man sieht, dass man über die letzten Jahrzehnte eigentlich mit einem Klumpen-Risiko gelebt hat, weshalb man sich verstärkt um Alternativenergiequellen bemühen muss. Das ist aber nicht passiert. Jetzt gibt es ohnehin eine Energie- beziehungsweise Transformationswende in Europa. Die wird sich massiv beschleunigen. So schnell wird man umgekehrt aber von herkömmlichen Energiequellen auch nicht wegkommen. Daher bemühen sich alle europäischen Staaten darum, von anderen Staaten mit Gas und Öl versorgt zu werden. Österreich ist beispielsweise im Austausch mit den arabischen Staaten.

Der Europäischen Zentralbank wird oft vorgeworfen, dass sie durch ihre Zurückhaltung in der Zinspolitik Preisstabilität vernachlässige und das Szenario einer Stagflation begünstige. Wie sehen Sie das?
Die EZB hat im Vergleich zu anderen Notenbanken vielleicht die Inflationsentwicklung unterschätzt. Man kann ihr aber nicht vorwerfen, dass sie die Preisstabilität vernachlässigt und ein Szenario der Stagflation begünstigt. Warum? Weil der Krieg dazwischengekommen ist. Es wäre vorher eine Überlegung wert gewesen, etwas früher an der Zinsschraube zu drehen. Mit dem Ausbruch des Krieges kommt aber noch ein Sonderfaktor hinzu, weil er das Wirtschaftswachstum belastet und sich damit wahrscheinlich auch das Konsumentenverhalten wieder verschiebt. Andererseits ist es aber so, dass durch die Situation vor allem die Energiepreis-Komponenten steigen. Das wird man in weiterer Folge beurteilen müssen. Wir denken, dass sich die EZB das genau anschauen wird und wahrscheinlich in weiterer Zukunft und im zweiten Halbjahr 2022 Zinserhöhungen vornehmen wird. Der Zug fährt auf jeden Fall in Richtung Zinserhöhungen, wir rechnen nach Juli auch mit weiteren Erhöhungen im September und Dezember.

Glauben Sie, dass die Federal Reserve und die Bank of England durch ihr schnelleres Vorgehen auch Druck auf die EZB ausüben?
Die Fed hat vielleicht teilweise andere Zielsetzungen, aber sie geht in der Regel auch schneller bei Zinsmaßnahmen vor. Meistens ist die konjunkturelle Entwicklung in den USA eine vorgelagerte. Das heißt, wenn weltweit Wachstum erfolgt, ist es in den USA oft schneller spürbar als in der Eurozone. Sie hinkt da hinterher, vielleicht auch aufgrund der Verschiedenartigkeit der einzelnen Länder. Im Wesentlichen sind die Entscheidungen der Fed eher wachstumsorientiert. Wohingegen die EZB eher stabilitätsorientiert oder inflationsorientiert vorgeht. Also gibt es da aufgrund der zugrunde liegenden Volkswirtschaften und der unterschiedlichen Ansätze der Notenbanken von vornherein Unterschiede.

Schrittweise werden die Folgen des Lockdowns in Shanghai auf die internationalen Lieferketten sichtbar. Was glauben Sie, was passiert, wenn der Lockdown andauert?
China geht überhaupt radikaler gegen das Corona-Virus vor, als das beispielsweise in europäischen Staaten der Fall ist. Würden sich die Lockdowns verlängern, hätte das ganz sicher einen weiteren negativen Effekt für Lieferketten. Weil sie aber regional unterschiedlich sind, auch innerhalb Chinas, muss man zunächst beobachten, in welchen Regionen die No-Covid-Maßnahmen erfolgen und dann dementsprechend evaluieren, welche Lieferketten davon betroffen wären. Dass die Lieferketten teilweise schon unterbrochen sind, ist unbestritten. Die Autoindustrie ist ein prägnantes Beispiel.

China haben wir angesprochen. Welche Rolle spielen die BRICS-Staaten insgesamt für die Konjunkturerwartungen der Weltwirtschaft?
Da muss man innerhalb der Staaten differenzieren, Brasilien und vor allem Russland sind inkludiert. Russland ist massiv von Sanktionen betroffen und wird längerfristig starke wirtschaftliche Einschnitte verkraften müssen. Brasilien hat schwächelnde wirtschaftliche Rahmenbedingungen zu verdauen, wird aber wohl auch eher von der Rohstoff- und Energieknappheit profitieren. Südafrika hat mit knapp zwei Prozent ebenfalls vergleichsweise verhaltene Wachstumsraten. China besitzt mit Sicherheit den größten Wachstumsmotor, wenn auch auf gedämpften Niveau. Wir erwarten für 2022 und für das darauffolgende Jahr BIP-Wachstumsraten von etwa fünf Prozent. Das ist weit weniger als in der Vergangenheit. Bei Indien erwarten wir für 2022 noch neun Prozent und für 2023 etwa sieben Prozent. Aus den BRICS-Staaten sind China und Indien jene Länder, die signifikante globale Wertschöpfungsbeiträge beziehungsweise Wachstum bringen.

Welches Resümee ziehen Sie?
Insgesamt werden die Märkte volatil bleiben. Es ist ein ständiges Auf und Ab an den Finanzmärkten, weil man nicht weiß, ob der Krieg nicht doch vielleicht ein baldiges Ende finden kann. Und das wird wohl davon abhängig sein, inwieweit Russland einlenkt und aufgrund des bisherigen Fortschritts auch einlenken muss, um die eigene wirtschaftliche Existenz und die innere Stabilität nicht auf lange Zeit zu gefährden.

Interview: Milan Herrmann und Laura Kracht

Tipps: Sie möchten weitere spannende Einblicke in die Entwicklung der Märkte erhalten? Dann lesen Sie hier mehr zur Zeitenwende im Asset-Management oder erfahren Sie, wieso ESG allein nicht vor Marktrisiken schützt.

Friedrich Mostböck

Erste Group Bank AG

Friedrich Mostböck, CEFA, ist Head of Group Research bei der Erste Group Bank AG.

Lesen Sie auch

Wirtschaft 2022: Ankommen in der neuen Normalität?

Wirtschaft 2022: Ankommen in der neuen Normalität?

Ein neues Jahr und ein weiteres im Zeichen[…]

Daniel Schär
Geldanlage Börse Neobroker

Geldanlage auf Sparflamme

Die Deutschen lieben es, etwas auf „der hohen[…]

Redaktion
Inflation

Inflation: Strohfeuer oder Daueraufreger?

Seit dem Höhepunkt der dritten Corona-Welle handeln die[…]

Dr. Ulrich Kater
Technische analyse als Partner für fundamentalanalyse

Technische Analyse: kongenialer Partner der Fundamentalanalyse

Chartanalyse ermöglicht ein Timing unabhängig von psychologischen Faktoren.[…]

Martin Utschneider
Finanzbranche MCSI ACWI

Die Finanzbranche ganz vorne dabei

Der MSCI ACWI Index hat seine aktuellen Zahlen[…]

Dennis Witzmann
EZB und die Aktien Märkte

EZB: Die Eurozone nimmt Abschied von der „Phillips-Kurve“

Chefvolkswirt Carsten Brzeski über aussichtsreiche Aktienwerte, das strukturelle[…]

Carsten Brzeski

Trading ohne Risiko – die Vorteile eines Musterdepots

Finanzdienstleister bieten neben realen Depots auch immer häufiger[…]

Redaktion
Trends und Märkte 2021, Marktkommentar, Corona-Krise

Märkte und Trends 2021: Mit der Nanny durch die Krise

Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin der Helaba, über[…]

Gertrud Traud
Immer mehr jüngere Menschen entdecken die Börse für sich.

WallstreetBets – Angriff der Millennial-Zocker

Robinhood, Trade Republic & Co. haben es geschafft:[…]

Redaktion
Reinhart/Rogoff Dieses mal ist alles anders

Dieses Mal ist alles anders

Autoren: Carmen M. Reinhart, Kenneth S. Rogoff Preis: 34,99[…]

Dennis Witzmann
Mann auf einem Drahtseil, Equity Token Chancen und Risiken

Equity Token statt Aktien

Der Gang an die Börse ist für viele[…]

Pidder Seidl
Digitales Zentralbankgeld, Kommt es und mit welchen Auswirkungen?

Digitales Zentralbankgeld: Was wäre wenn …?

Kommen digitale Zentralbankwährungen? Denn in Ländern mit ausgereifter[…]

Dr. Jörn Quitzau
Ist die Geldanlage Tagesgeld 2020 noch lohnenswert?

Wie sinnvoll ist die Geldanlage Tagesgeld in 2020 noch?

Das Thema Sicherheit wird derzeit auch für die[…]

GEWINNBRINGEND GELD ANLEGEN MIT DEM ONLINE BROKER

Das klassische Sparbuch hat ausgedient. Es bringt praktisch[…]

Redaktion
Europas Banken und die Corona-Krise, wie ein Blitz aus heiterem Himmel

Wie ein Blitz aus heiterem Himmel – Europas Banken zu Beginn der Corona-Krise

Die Corona-Krise hatte die europäischen Banken schon im[…]

Jan Schildbach
Marktkommentar: Warum immer mehr Anleger gerade in turbulenten Zeiten auf Real Assets setzen

Real Assets trotzen turbulenten Märkten

Nicht nur das Coronavirus wirbelt die Finanzmärkte und[…]

Nikhil Chandra
Sind Dividenden trotz Staatshilfen geboten oder geschmacklos?

Dividenden trotz Staatshilfen – geboten oder geschmacklos?

Corona schlägt auch am Aktienmarkt voll durch. Diskutiert[…]

Sven Wittich

Frankfurt – Stadt der vielen Facetten

Frankfurt, eine Stadt im Herzen von Deutschland. Hier[…]

Alejandro Quintana

Geld investieren im Internet

Wer online investieren will, kann aus einer Fülle[…]

Alejandro Quintana

Handeln ohne Kommission – versuchen Unternehmen wie eToro einfach nur ihr Glück?

„Handel ohne Kommission“ liegt aktuell im Trend –[…]

Redaktion

Was die Wiederwahl Donald Trumps für die Kapitalmärkte bedeutet

Keine Rezession + kein Aktienmarkt-Crash = Trump wird[…]

David Wehner

Schwellenländeraktien: China, Türkei und Russland ins Töpfchen

Die Schwellenländer haben für eine Menge Schlagzeilen gesorgt,[…]

Tim Love

„Wir profitieren davon, dass die Marke unbefleckt ist“

Ein Gespräch mit Dr. Reinhard Krafft, Geschäftsführer Rothschild[…]

Redaktion

Greta und das grüne Geld

Der Klimawandel beherrscht die Schlagzeilen. Wären Banken nicht[…]

Thomas Friedenberger

Geht die Geldpolitik in die nächste Verlängerung?

Trotz guter Konjunktur steigen die Inflationsraten nicht an.[…]

Dr. Ulrich Kater

Grüne Investments: Nachhaltiges Drohpotenzial aufbauen

Ethisch-nachhaltige Geldanlagen wirken. Die Anlagestrategien und Motive der[…]

Samuel Drempetic

Neue Technologien drängen auf den Markt: Impfstoffe als Investitionschance?

In Zeiten niedriger Zinsen und steigenden Regulierungen ist[…]

Stephanie Ruch

Neo-Sozialismus gegen Wohnraum-Knappheit

Im Kampf gegen die stetig anwachsende Wohnraum-Knappheit werden[…]

Robert Halver

Lorbeeren von heute – Kompost von morgen

Deutschland darf sich nicht auf seiner wirtschaftlichen Stärke[…]

Markus Schön

Steigender Rohstoffbedarf in Zukunftsbranchen

Die beständig voranschreitende Digitalisierung unseres Alltags lässt die[…]

Dominik Lochmann

Banca Carige wird zwangsverwaltet

Neues Jahr, neue Führung, neues Glück? Nach dem[…]

Tobias Schenkel

Der Einfluss von ESG-Investments auf Asset Allocation und Nachhaltigkeit

Saubere Energie, Menschenrechte und die Transparenz eines Unternehmens[…]

Stuart Dalheim

EZB sieht Gefahren für Finanzsystem

Internationale Handelskonflikte, Probleme mit Schwellenländern und ein sturköpfiges[…]

Tobias Schenkel

Deutsches Finanzsystem braucht stärkere Abwehrkräfte für Konjunkturwinter

Zeiten der Hochkonjunktur und niedriger Zinsen haben im[…]

Tobias Schenkel

25. Oktober 1929: Schwarzer Tag für Europa

Am Freitag, dem 25. Oktober des Jahres 1929[…]

Redaktion

Von Bullen und Bären

Ob Börsianer oder nicht, den Begriff Bullen- bzw.[…]

Redaktion

Die Legende der chinesischen Treasury-Waffe

Die chinesische Mythologie, welche in ihrer mündlichen Überlieferung[…]

Alexander Krüger

11. Oktober 2008: Einigung in der Krise

Heute vor genau 10 Jahren und ungefähr einen[…]

Redaktion

100 Milliarden

Markus Braun, Chef der Wirecard AG, hält es[…]

Redaktion

Familienangelegenheiten

Trotz guter Quartalszahlen droht der Commerzbank im September[…]

Daniel Fernandez

Handelsstreit mit USA schadet allen Beteiligten

US-Präsident Donald Trump setzt seinen Wahlspruch „America First“[…]

Marco Bargel

US-Geldpolitik: überschaubare Implikationen für Devisenkurse von Schwellenländern

Geraten die Devisenkurse von Schwellenländern mit der geldpolitischen[…]

Dr. Klaus Dieter Bauknecht

Krypto-Science-Fiction

Immer mehr Start-ups schießen sich in ferne Krypto-Galaxien,[…]

Redaktion

Deutsche Unternehmen überweisen 47 Milliarden Euro an Aktionäre

Der Blick auf die Kontoauszüge lässt viele Aktionäre[…]

Christian Kahler

Griff der Notenbanken lockert sich

Die Informationsfunktion von Marktpreisen wurde bislang durch den[…]

Dr. Ulrich Kater

Besser wird’s nicht mehr – Ausblick 2018

Die Stimmung der deutschen Unternehmen war noch nie[…]

Stefan Bielmeier

Aufklärung über die Mythen der Automatisierung

In Zeiten von selbstfahrenden Autos, Roboter-Operationen und Computern,[…]

Charles Ellis