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„Kreditwirtschaft hat noch keine Lösung gefunden“

Obwohl mittlerweile vielerlei Payment-Lösungen existieren, sind Bargeld und girocard immer noch des Volkes liebste Zahlungsmittel. Auf dem Fachkongress Next Generation Payment präsentierten Klaus Bechtold und Jörn Rauchbach von REINER SCT die „girocard smart POS“ und sprachen unter anderem über die Wichtigkeit eines funktionierenden Supportnetzes für Banken.

Von Christian Grosshardt - 29. März 2017

Klaus Bechtold (rechts) ist seit Januar 2001 Geschäftsführer der REINER Kartengeräte GmbH & Co. KG. Davor fungierte er bereits als Technischer Leiter und Entwicklungsingenieur.

BANKINGNEWS: Im Zahlungsbereich wird von allerhand Lösungen gesprochen. Auf Ihrem Banner findet man den Begriff „girocard smart“. Was bietet diese Lösung?

Klaus Bechtold (KB): Die girocard smart POS ist ein Point-of-Sale-Terminal, das durch Mobilität und Einfachheit ein sicheres Verfahren darstellt; speziell im Zahlungsbereich, wo sich vieles verändert. Wir legen dabei den Fokus im Spannungsfeld Sicherheit und Bequemlichkeit auf den Aspekt Sicherheit.

„Hohe Transaktionskosten schrecken ab“

Sahen Sie eine Notwendigkeit für die Einführung Ihres Produkts, weil etwa bereits vorhandene Lösungen nicht beide Aspekte dieses Spannungsverhältnisses adäquat abgedeckt haben?

KB: Die Bequemlichkeit bzw. Mobilität bewerten wir derzeit als eher nicht abgedeckt bzw. wir sehen relativ wenige Lösungen, die sich mit dem Thema Hardware-Sicherheit auseinandersetzen. Unser Antrieb ist es, diese Sicherheit auch in Verbindung mit Hardware zur Verfügung zu stellen, weil reine Softwarelösungen in unserem Umfeld immer wieder Angriffen ausgesetzt sind.

Jörn Rauchbach (JR): Wichtig ist zudem die Bequemlichkeit auf Händlerseite. An wie vielen Stellen habe ich nicht die Möglichkeit, Kartenzahlungen auszulösen? Es gibt viele Märkte, Beauty-Studios etc., die keine Kartenzahlung ermöglichen. Hier kann man mit unserer Lösung punkten.

Aber wo liegt das Problem, dass man gerade in dieses Bereichen nicht auf diese Art und Weise  bezahlen kann?

JR: Die Kreditwirtschaft hat noch keine Lösung gefunden. Man setzt dort auf lange Laufzeiten. Dementsprechend muss sich der Händler langfristig binden. Er hat hohe Transaktionskosten und er wird für wenige Kartenzahlungen bestraft. Das schreckt ab.

Viele Endkunden meiden immer noch die Nutzung innovativer Produkte. Dies liegt auch an der Vielzahl von Pannen, die in der Öffentlichkeit diskutiert werden. Was entgegnen Sie solchen Menschen?

KB: Insgesamt pflichte ich Ihnen bei, was das konservative Bezahlverhalten angeht. Eine Studie der Deutschen Bundesbank aus dem März 2015 benennt 79 Prozent der ausgelösten Transaktionen als Bargeldzahlungen und 53 Prozent der getätigten Transaktionssumme wird durch Bargeld repräsentiert. 2014 waren es noch 84 Prozent, d.h. es geht zurück, aber nicht so weit zurück wie soeben im Vortrag angesprochen (Sven Siering, Deutsche Postbank AG, sprach über die Überlegungen in Schweden, das Bargeld abzuschaffen; Anm. d. Red.). Bargeld ist immer noch ein deutsches Vertrauensmerkmal.
Menschen, die in unserem Umfeld arbeiten, möchten Datenklau verhindern. Vor allem das Nachvollziehen eines Nutzerverhaltens ist ein ganz sensibler Datensatz. Dieser darf nicht abgefangen werden. Unsere Kommunikation erfolgt ausschließlich verschlüsselt über ein Sicherheitsmodul und einem dort hinterlegten Schlüsselmanagement. Ein physischer Angriff auf dieses Medium zerstört die Schlüssel, sodass diese nicht mehr verwendet werden können. Deswegen werden weder persönliche Daten noch Kartendaten noch Beträge noch die PIN in klarschriftlicher Manier übertragen und auch nicht gespeichert.

JR: Die girocard ist neben dem Bargeld das zweite Medium, welches eine generell hohe Akzeptanz besitzt. Wir wollen die Skeptiker, die Händler, aber auch diejenigen mitnehmen, die bezahlen wollen. Das ist ein Wechselspiel. Je mehr Stellen es gibt, an denen man mobil bezahlt, umso mehr Akzeptanz wird die girocard finden.

Über Implementierung wird viel diskutiert. Ihr Haus betont, dass es bundesweiten Support anbietet. Sind Ihnen die Probleme bei Implementierungsprozessen bereits begegnet, sodass Sie das Thema Support deswegen so hervorheben?

KB: Es geht in diese Richtung, wenn Sie mit Partnern zusammenarbeiten, die nicht von ihrem Grundgedanken her Hardware verkaufen. Wir arbeiten mit Kreditinstituten, deren Berater eben nicht Hardwareverkäufer sind und somit nicht den zwingenden Antrieb sowie die Zeit besitzen, Supportfälle zu lösen. Wenn Sie mit zusätzlichen Geräten, also PCs, Smartphones oder Tablets, zusammen arbeiten müssen, dann gibt es Probleme in der Bedienung oder Probleme des Verständnisses. Genau diese Problematik nehmen wir unseren Vertriebskunden ab, indem wir die Endkunden selbst betreuen. Deshalb ist uns unsere Supportleistung so wichtig, da uns die vergangenen Jahre gezeigt haben, dass dies die richtige Herangehensweise ist. Es gibt durchaus Mitbewerber im Umfeld der Kartenleser, welche den Weg des Supports gar nicht beschritten haben oder auch nicht konnten, weil sie nicht in Deutschland ansässig sind. Die Übernahme des Supports bei unseren Vertriebskunden stellt ein enormes Plus dar.

„Die erste Frage: Wer macht den Support?“

JR: Oftmals kommt während der Gespräche mit Geldhäusern in den ersten fünf Minuten die Frage auf: Wer macht den Support? Man ist noch gar nicht im Verkaufsgespräch und es äußert sich bereits die Angst, dass man etwaige Probleme selbst bewältigen muss.

Aber es gibt doch interne IT-Abteilungen.

JR: Sicher, aber das hat auch immer etwas mit speziellen Kompetenzen und Zeit zu tun. Es ist einfach nicht deren Schwerpunkt. Diese Botschaft wollen wir gerne vermitteln: „Macht ihr den Vertrieb und die Kundenansprache.“ Die IT der Bank muss sich nicht mit unserer Hardware und den daraus erfolgenden Thematiken auskennen.

Stichwort Digitalisierung: Im Vergleich zu anderen Branchen wird dem Bankensektor häufig Innovationsarmut und -verweigerung vorgeworfen Wie bewerten Sie die Innovationsbereitschaft deutscher Kreditinstitute?

KB: Ich sehe für Banken in Deutschland die Notwendigkeit als vertrauenswürdige Institution zu arbeiten. Und eine solche Institution benötigt Solidität, die sich in diesem Fall besonders durch Sicherheit begründet. Selbstverständlich benötigt man Innovation, aber lassen Sie uns die Sicherheit dabei nicht aus dem Auge verlieren.

JR: Das erkennt man auch daran, dass Banken in innovativen Bereichen eher Partnerschaften eingehen, ob mit Fintechs oder durch die Gründung einer Tochtergesellschaft. Wenn das technologische Vorhaben angegriffen wird, verliert nicht die gesamte Kreditwirtschaft an Reputation.

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