Jetzt Mitglied werden

Regulatorische Anforderungen effizient umsetzen

Von Ronny Fuchs - 27. Oktober 2014

Die Anzahl neuer und geänderter Regulatorien für Banken ist hoch. In der Zukunft werden sie eher noch mehr als weniger. Fast jede neue oder geänderte Anforderung beeinflusst die IT-Systeme der Banken. Dabei bewegen wir uns in komplexen Systemen. Denn die genauen Auswirkungen liegen  nicht in jedem Fall exakt vorher auf dem Tisch, dazu hat es schlicht zu viele Parameter. Dass die einzelnen Regulatorien immer mehr voneinander abhängig sind, macht die Sache noch komplizierter.

Regulatorische Anforderungen lassen sich nicht zwischen Tür und Angel umsetzen. Es nimmt (sehr) viel Zeit in Anspruch. Eine einzelne Anforderung kann heute mit einer „Schnell-Lösung“ vielleicht effizient gelöst werden. Verliert man dagegen den Überblick über das Ganze, verheddert man sich schneller als man denkt. Letzten Endes summieren sich diese vermeintlichen Lösungen zu einer Ineffizienz. Den Blick bei der Strategie und der Planung zu öffnen, Zusammenhänge zu erkennen und zukünftige Entwicklungen vorweg zu nehmen oder zumindest einfließen zu lassen, ist daher unvermeidbar.

Ebene Bankstrategie
Das Management muss frühzeitig die wichtigsten Entscheidungen fällen. Bei all der Unsicherheit, die es bei neuen Gesetzen und Verordnungen gibt, ist dies nicht immer einfach. Trotzdem müssen die Verantwortlichen frühzeitig Farbe bekennen und Entscheidungen treffen. Dies auch dann, wenn noch nicht alle Anforderungen bekannt sind. Für ein Umsetzungsprojekt ist es allemal besser, wenn eine Entscheidung bewusst geändert wird, als nie eine verbindliche Entscheidung zu fällen.

Ebene IT-Strategie
Die IT muss bei der Umsetzungsstrategie für die Architektur und das Design zwei Anforderungen erfüllen. Sie muss zum einen verwandte aktuelle Anforderungen berücksichtigen und zum anderen mögliche künftige Anforderungen analysieren. Dabei geht es darum zu entscheiden, ob es effizienter ist, diese heute in der Architektur und dem Design ebenfalls zu berücksichtigen. Dies hängt vor allem von zwei Faktoren ab: Erstens, wie können die Anforderungen erfasst werden? Zweitens, wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit des Eintretens?

Ebene Lösungsstrategie
Schließlich muss die IT bei der konkreten Entwicklung zusammen mit dem Business definieren, welche Use Cases wie aufwändig entwickelt werden sollen. Solche, die häufig vorkommen und bei denen viele Mitarbeiter betroffen sind, müssen gut unterstützt und möglichst automatisiert umgesetzt werden.

Management-Entscheidungen
Zu den Management-Entscheidungen zählen u.a. die Frage nach dem Verhältnis der eigenen Bank mit ausländischen Kunden. Mit welchen steuerpflichtigen Kunden werden noch Geschäftsbeziehungen unterhalten und welche Produkte werden noch angeboten. Auch muss sich die Bank bewusst sein, welchen FATCA-Status sie erreichen soll. Diese Entscheidungen sind für die IT sehr wichtig. Sie sind es, die bestimmen, welche Fakten und Daten benötigt werden. Ein einfaches Sparkonto braucht bspw. wesentlich weniger Funktionen und als eine Aktie, um alle notwendigen Informationen im Rahmen von FATCA an die USA zu liefern.

IT-Strategie
Zurzeit ist die Umsetzung der Anforderungen aus FATCA in vollem Gange. Hier stellt sich aus Sicht der IT-Strategie die Frage, wie weit die Anforderungen aus dem AIA bereits berücksichtigt werden müssen. Rechtlich abschließend werden die Anforderungen aus dem AIA zwar jeweils aus einzelnen Staatsverträgen zwischen zwei Staaten kommen, doch der grundlegende OECD-Standard ist bis auf wenige Ausnahmen identisch mit FATCA. Dazu reicht ein Blick in die XML-Spezifikation. Die Entscheidung ist demnach, ob die Lösung etwas aufwändiger, aber generisch spezifiziert wird oder spezifisch nur für FATCA. Im ersten Fall dürften dann die künftigen Anforderungen aus AIA kostengünstiger zu implementiert sein.

Konkrete Entwicklung
Bei der konkreten Entwicklung geht es bei FATCA/AIA vor allem um Use Cases aus der Kategorie „Datenänderungen“. Hierzu zählen rückwirkende Adressänderungen und jegliche Veränderungen am Steuerstatus.
Für alle solchen Use Cases müssen IT-Strategen vorab definieren, wie sie die Vorgaben umsetzen. Besonders wichtig ist die Frage, ob normale Kundenberater sie fehlerfrei abwickeln können. Gibt es nur wenige rückwirkende Adressänderungen, die einen Einfluss auf den Steuerstatus haben, so kann in solchen Fällen ein spezialisierter Mitarbeiter der Steuerabteilung jeweils den Steuerstatus manuell anpassen. Falls nötig, kann er auch notwendige Korrekturen an den Stamm- und Transaktionsdaten vornehmen. Es muss nur sichergestellt werden, dass beim Eintreten eines solchen Ereignisses die interne Steuerabteilung entsprechend informiert wird.

Konklusion
Auch in der heutigen Regulierungsflut ist es möglich, diese Anforderungen in vernünftiger Zeit zu tragbaren Kosten zu implementieren. Dazu ist es aber unabdinglich, dass mit Weitsicht frühzeitig die jeweils notwendigen Entscheidungen getroffen werden. Compliance hat dabei eine ganz wichtige Rolle – sie muss der Geschäftsführung frühzeitig die Handlungsspielräume -optionen mit den entsprechenden Auswirkungen und Risiken aufzeigen. Die IT-Entwicklung muss eine Strategie entwickeln, wie noch nicht abschliessend definierte künftige Anforderungen in die Architektur und das Design mit einbezogen werden können. Schließlich braucht es bei der konkreten Umsetzung pragmatische Ansätze, bei denen in Abhängigkeit vom Mengengerüst, der Komplexität und der Risiken mehr oder weniger technisch raffinierte Lösungen implementiert werden.

Bildnachweis: donskarpo über istockphoto.de

Lesen Sie auch

Ego-Probleme: Wer hat den größten Turm?

Von überall hört man es läuten: Filialen werden[…]

Christian Grosshardt

Fusionsdruck Rot

400 Sparkassen leisten sich knapp 170 weitere Unternehmen,[…]

Thorsten Hahn

Seitenwechsel – Jain zu Fintech

Anshu Jain kehrt den Banken den Rücken und[…]

Philipp Scherber

Targo-Chef vor die Tür gesetzt

Franz Josef Nick muss am Ende des Jahres[…]

Christian Grosshardt

Banken werden EU-Marionetten

Deutliche Einschnitte in die Kundenwahl müssen Banken ab[…]

Christian Grosshardt

Telekom-Konten gehackt!

In der vergangenen Woche soll es zu mehreren[…]

Christian Grosshardt

Probleme bei Paydirekt

Probleme über Probleme. Erst erklärten viele Händler, sie[…]

Julian Achleitner

Herber Rückschlag für Paydirekt

Da haben sich deutsche Banken endlich für einen[…]

Julian Achleitner

Niedrigzins trifft Bausparkassen

Die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) trifft nun[…]

Julian Achleitner

Credit Suisse steht vor Einigung

Credit Suisse kann schon einmal das Scheckbuch zücken.[…]

Julian Achleitner

Cryan läutet neues Zeitalter ein

Nun ist John Cryan schon seit fünf Wochen[…]

Julian Achleitner

Welche Vorteile bietet mir der BANKINGCLUB?

BANKINGCLUB ist einer der größten Wirtschaftsclubs für Mitarbeiter[…]

Thorsten Hahn

Nach Jenkins die Sinnflut

Knapp drei Jahre nach seinem Amtsantritt musste der[…]

Christian Grosshardt

Bankgeheimnis von EuGH gelockert

Erst Euphorie, dann die Ernüchterung: Man ersteigert zu[…]

Christian Grosshardt

Volksbank will Filialen schließen

Haben die Genossenschaftler der Volks- und Raiffeisenbanken zu[…]

Julian Achleitner

Apple Pay nun auch in Europa

In den USA können Verbraucher bereits seit Oktober[…]

Julian Achleitner

Bezahlen mit Selfie

Das ist mal innovativ. Vergessen Sie Bezahlen mit[…]

Julian Achleitner

Persona non grata – Varoufakis tritt zurück

Auf seinem Twitter-Account ist zu lesen: „Minister no[…]

Christian Grosshardt

Chapeau, Herr Neske!

Was für eine Schlagzeile heute Morgen in der[…]

Thorsten Hahn

Vorstand beschließt: Postbank steht zum Verkauf

Nach Tagen des Spekulierens ist zumindest eine Vorentscheidung[…]

Christian Grosshardt

Milliarden durch EZB verloren

Die Niedrigzins-Politik der EZB ist vielen ein Dorn[…]

Christian Grosshardt

Kritik an Deutschland

Wir stehen mal wieder in der Schusslinie! Die[…]

Christian Grosshardt

400 Kunden in die Wüste geschickt

Wer nicht hören will, muss fühlen. Wie SPIEGEL[…]

Christian Grosshardt

Amtlich: Der Euro wird abgeschafft!

Jetzt ist es spruchreif: Nachdem sich die führenden[…]

Christian Grosshardt

Der Dollar ist zurück

Wer hätte das gedacht? Dollar und Euro bewegen[…]

Christian Grosshardt

Gemeinsames Online-Bezahlsystem auf dem Weg

In Zeiten von Fintechs, die extern teilweise Online-Bezahldienste[…]

Christian Grosshardt

Lufthansa mit enormen Verlusten an der Börse

Der gestrige Absturz eines Airbus A320 hat viele[…]

Christian Grosshardt

Radikale Maßnahme bei der Deutschen Bank

Seit einiger Zeit berät die Deutsche Bank in[…]

Christian Grosshardt

Tag 1 nach Blockupy

Unfassbare Bilder boten sich uns gestern aus der[…]

Christian Grosshardt

Blockupy – Ausschreitungen mit Angriffen auf Polizei

Man rechnete mit dem Schlimmsten, aber die Befürchtungen[…]

Christian Grosshardt

Geldwäsche treibt Bank in die Pleite

Banco Madrid ist insolvent. US-Behörden werfender Bank vor[…]

Thorsten Hahn

Den Kunden dort abholen, wo er ist – im Netz

Über 28 Millionen Deutsche erledigen ihre Bankgeschäfte online:[…]

Juliane Hartmann

Turnschuhe sind zum Turnen da

Ein altes Sprichwort besagt: „Kleider machen Leute.“ Dieses[…]

Julian Achleitner

DAX 30 CFD-Trading

Experten raten in diesen harten Zeiten des Niedrigzinses[…]

Julian Achleitner

Finanzprodukte – einfach unterhaltsam

Wie Erklärfilme komplexe Finanzprodukte begreifbar machen und zu[…]

Julian Achleitner

Austerität. Politik der Sparsamkeit: Die kurze Geschichte eines großen Fehlers

Autor: Florian Schui Euro: 19,99 256 Seiten, broschiert[…]

Julian Achleitner

Die BIZ als Wahrsager?

Im Oktober mussten die Aktienkurse einen enormen Einbruch[…]

Christian Grosshardt

Mario "Two-Face" Draghis neuer Job

Auf die Europäische Zentralbank und Mario Draghi wartet[…]

Christian Grosshardt

Bevormundung erwachsener Bürger

In einer freiheitlichen Grundordnung müsste die Eigenverantwortlichkeit des[…]

Julian Achleitner

Maßnahmen gegen Steuerflucht

In drei Jahren wird mit offenen Karten gespielt:[…]

Julian Achleitner

Fintech mal anders

Die Zukunft des Zahlens hat schon längst begonnen.[…]

Julian Achleitner

Ein Tag, der die Welt veränderte

Vor 85 Jahren sorgte der berüchtigte „Black Thursday“[…]

Julian Achleitner

Algorithmen oder das vermeintliche Ende des Beraters

Kann die Maschine Menschen ersetzen? Diese Frage wird[…]

Julian Achleitner

Regionale Werbung mit internationalem Flair

Mehrere Tausend Werbebotschaften versuchen täglich, die Aufmerksamkeit der[…]

Christian Dorn

Auf Wanderschaft

Schon praktisch diese Rucksäcke. Man hat die Hände[…]

Thorsten Hahn

MaRisk-konformer Einsatz des iPads in der Bank

Der Siegeszug des iPad ist nicht aufzuahlten, auch[…]

Thorsten Jekel

„Der Fokus liegt auf der Online-Präsenz“

Im Interview mit den BANKINGNEWS spricht Kai Fürderer,[…]

Thorsten Hahn

Wer die Wahl hat, hat die Qual

Über 200 Vergleichsportale gibt es heute bereits. Das[…]

Thorsten Hahn

Das Mitarbeitergespräch: Führung oder Flop?

Es ist Herbst. Die Tage werden kürzer. Zeit[…]

Niels Pfläging

„Du bist, was Du teilst!“

You are what you share! „Du bist, was[…]

Prof. Martina Dalla Vecchia

Outsourcing von Kreditanalysen

Zeiten ändern sich. Dieser berühmte Satz kann problemlos[…]

Markus Diehl