Jetzt Mitglied werden

Was ist Cloud Computing?

Von Thorsten Hahn - 01. August 2011

BANKINGNEWS sprach dazu mit Dr. Walter Kirchman, dem Vorsitzenden der Geschäftsleitung von Finanz Informatik Technologie Service (FI-TS).

BC: Vielerorts hört man dieser Tage Begriffe wie ‚Cloud-Computing‘ oder ‚Cloud-Services‘. Was genau verbirgt sich dahinter?
Dr. Kirchmann: Cloud-Computing ist die Auslagerung von Rechenleistung, Speicherkapazitäten und Anwendungen in eine ‚Wolke‘ – also einen öffentlichen oder privaten Bereich des Internets. Der Anwender muss dann nicht mehr selbst in Hard- und Software investieren, sondern nutzt die in den Rechenzentren von Cloud-Anbietern betriebenen Anwendungen als Service. Grundsätzlich unterscheidet man beim Cloud-Computing zwischen einer ‚Private Cloud‘ und einer ‚Public Cloud‘ – je nachdem, wie die in Anspruch genommenen Kapazitäten bereitgestellt werden. Erfolgt der Zugriff auf flexibel skalierbare IT-Ressourcen, die nur dem eigenen Unternehmen bzw. Konzern zur Verfügung stehen, spricht man von der ‚Private Cloud‘. Nutzen viele Unternehmen die gleiche IT-Infrastruktur, spricht man von ‚Public Cloud‘. Bei dem Zugriff auf Applikationen in einer Cloud ist das Endgerät – ein PC, Laptop, Tablet-PC oder Smartphone – das ‚Fenster‘ zur Anwendung. Diese aber läuft nicht mehr direkt auf dem Endgerät sondern im Rechenzentrum des Unternehmens oder Service-Providers. Wer im privaten Umfeld zum Beispiel GMX oder Facebook nutzt, vertraut schon auf Cloud-Services.

BC: Welche konkreten Vorteile bieten sich Finanzinstituten und wie können sie diese effektiv und effizient nutzen?

Dr. Kirchmann: In erster Linie sind es direkte und nachhaltige Kosteneinsparungen. Banken können durch die Nutzung von Cloud-Services ihre Investitionen in Hard- und Software minimieren und die Kosten für die Wartung und den Betrieb ihrer IT senken. Ein weiterer Vorteil ist die Abrechnung der Cloud-Dienste: Sie erfolgt typischerweise sehr flexibel, indem nur der tatsächliche Verbrauch berechnet wird. Durch die Nutzung von Cloud-Computing können Banken schnell neue und innovative Technologien einsetzen, die dafür benötigten Rechen- und Speicherkapazitäten individuell hinzu buchen oder reduzieren und so die Zeit bis zur Produkteinführung für ihre eigenen Angebote verkürzen. Letztlich profitieren sie von geringeren IT-Kosten, einer höheren Innovationsgeschwindigkeit, einem hohen Maß an Flexibilität und einer besseren Energieeffizienz.

BC: Nehmen wir nur mal das aktuelle Beispiel Sony. Dort wurden aus einer virtuellen Datenbank unzählige hochbrisante Nutzerdaten gestohlen. Nun die kritische Gegenfrage: Hat die Cloud nicht auch einige Schattenseiten?
Dr. Kirchmann: Bisher gibt es vorwiegend Sicherheitsbedenken. Und gerade im Finanzsektor spielen sensible Daten und umfangreiche Regulierungsvorschriften natürlich eine große Rolle. Daher ist es wichtig, dass sich Finanzinstitute auf die richtlinienkonforme Umsetzung dieser Vorschriften durch den Cloud-Anbieter verlassen können. Dabei spielt auch Vertrauen eine wichtige Rolle. Bislang sind Cloud-Services im Finanzsektor eher Neuland. Aus diesem Grund werden viele der angebotenen Dienste auch noch in einer Private Cloud betrieben. Zudem muss bei den Instituten die Bereitschaft noch wachsen, sich von dem Konzept der ‚Individuallösung‘ zu trennen. Denn um die Vorteile der Cloud-Computing nutzen zu können, müssen sich Finanzinstitute auf die in der Wolke eingesetzten Standardtechnologien einlassen. So können sie bei uns z. B. SAP aus der Cloud beziehen. Bei anderen Anbietern sollten natürlich gerade Bankhäuser sicherstellen, dass ihre Daten – allen voran die personenbezogenen – wirklich in Deutschland liegen und der Cloud-Anbieter alle regulatorischen Anforderungen der Finanzbranche erfüllt.

BC: Wenn man sich für eine Cloud-Lösungen entscheidet, wie gestaltet sich der Umstieg und die Implementierung?

Dr. Kirchmann: Zunächst einmal gilt: Cloud-Computing ist eine Evolution und keine Revolution des klassischen Outsourcings. Das bedeutet, Finanzinstitute müssen zunächst intern die Bereiche identifizieren, die am meisten von einem Cloud-Angebot profitieren. Dabei gilt es zu eruieren, welche Anwendungen sich am ehesten für die Nutzung in der Cloud eignen und welche Anpassungen dazu notwendig sind. Dann müssen die Institute ihre eigene IT-Landschaft und ihre individuellen Anwendungen Cloud-fähig machen. Wir empfehlen hier eine Strategie der kleinen Schritte. So können die Institute zunächst intern die nötige Erfahrung sammeln, wie sie ihre Cloud-Projekte erfolgreich steuern. Und wir raten, den Prozess zusammen mit einem branchenerfahrenen Serviceanbieter anzugehen. So kann man gemeinsam eine Testumgebung für erste unkritische Anwendungen wie z. B. ein internes Zinsberechnungstool aufbauen und diese in der Cloud erproben. Das gibt Finanzinstituten die Chance, den Cloud-Anteil ihrer Anwendungslandschaft nach und nach auszubauen. Läuft dabei alles gut, können große geschäftskritische Anwendungen folgen. Für den Umstellungsprozess sollte man auf alle Fälle ein paar Jahre Zeit einplanen.

BC: Wo sehen Sie die Zukunft der Cloud und welche Herausforderungen für Banken ergeben sich daraus?

Dr. Kirchmann: Cloud-Computing wird Normalität. Durch die zunehmende Nutzung von Cloud-Anwendungen im privaten Bereich wie Google Docs werden die Hemmschwellen auch bei Unternehmen sinken. Grundsätzlich sollten Banken vor der Inanspruchnahme von Cloud-Services dieselben Punkte prüfen, die sie auch bei einem klassischen Outsourcing bedenken. Allen voran Aspekte der Rechtssicherheit (Compliance, Governance, Sicherheit) und der Vertragssicherheit (Datenschutz, Ort der Datenspeicherung, Zugriff auf Subunternehmer). In der Zukunft wird es viele weitere neuartige und unterschiedliche Endgeräte geben, mit denen die Anwender arbeiten. Daten und Applikationen werden dann immer öfter in der Cloud liegen und die Anwender greifen über entsprechende Schnittstellen darauf zu. Je standardisierter die Technologie für den Zugriff auf die Daten ist, desto mehr profitieren Finanzinstitute von den Synergieeffekten der Cloud.

Foto von http://www.nexthop.de/de/Presse/FI_TS/Bildmaterial/Dr_Walter_Kirchmann_0

Lesen Sie auch

Der Computer analysiert, der Mensch entscheidet

Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz hat das Potenzial,[…]

Thomas Belker

Künstliche Intelligenz als Use Case Factory: vom Management operativer Risiken lernen

Viele Herausforderungen der Gesamtbanksteuerung sind noch nicht gelöst.[…]

Lars Holzgraefe

Das gute Gefühl, alles unter Kontrolle zu haben

Klingt nach einer klassischen Fintech-Idee, kommt aber von[…]

Nils Brinkhoff

Das Blockchain Lab der Commerzbank

Vor zwei Jahren startete die Commerzbank zusammen mit[…]

Sören Hartung

„There is no such thing as a killer feature“

Auf dem Ein-Tages-Kongress "Digitale Transformation" am 10. April[…]

Philipp Scherber

„Technologie lässt Barrieren fallen“

An zwei Abenden in Köln und Berlin stellten[…]

Philipp Scherber

Digital Wealth Management im Drehstuhl

Am 18. Mai 2018 widmeten wir uns gemeinsam[…]

Philipp Scherber

Ausweg aus der Legacy-Falle

Advertorial: IT-Verantwortliche von Finanzunternehmen geraten zunehmend unter Druck:[…]

Thomas Hellweg

Die Zukunft ist fehlerfrei – Dortmunder Volksbank arbeitet erfolgreich mit helic ID

Eine schlechte Datenqualität kann sich heutzutage kein Unternehmen[…]

Patrick Paetzel

„Den Nachbearbeitungsaufwand so gering wie möglich gestalten“

Im Jahr 2015 kam es zu einer Sonderprüfung[…]

Christian Grosshardt

„Ohne Macher kommen Projekte nicht in Gang“

Der Erfolg von IT-Projekten ist zu einem Großteil[…]

Philipp Scherber

BAIT – Bankaufsichtliche Anforderungen an die IT: Herausforderung und Chance

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) reagiert auf wachsende[…]

Gerald Spiegel

Die elektronische Signatur

Für eine verbesserte und kontrollierbare Kundekommunikation

Redaktion

Papierlos zu mehr Effizienz – und nebenbei Bäume retten

Die Bank of Montreal (BMO) setzt auf technologische[…]

Jochen Razum

Robotic Process Automation ist das neue Outsourcing für Banken

Banken in Deutschland entdecken Robotic Process Automation (RPA),[…]

Robert Scholze

Vom digitalen Assistenten zum virtuellen Bankberater

Künstliche Intelligenz hat Einzug in die Bankenwelt gehalten[…]

Sven Guhr

Vier Kriterien zur erfolgreichen Digitalisierung des Kreditantragsprozesses

Die Digitalisierung schreitet nicht nur im Kreditgeschäft mit[…]

Achim Himmelreich

Die CeBIT will neue Wege gehen

„d!conomy – no limits“ – unter diesem Motto[…]

Christian Grosshardt

Business Intelligence: So profitieren Banken von professioneller Datenverwertung

Zunehmende Regulierung, immer komplexere Prozesse und Disruption im[…]

Heiko Böhm

„Kreditwirtschaft hat noch keine Lösung gefunden“

Obwohl mittlerweile vielerlei Payment-Lösungen existieren, sind Bargeld und[…]

Christian Grosshardt

„Man muss als Bank vorne mit dabei sein“

Kreditinstitute stehen vor der täglichen Herausforderung, ihre Services[…]

Christian Grosshardt

Blockchain birgt großes Potential für Finanzdienstleister

„Blockchain wird die Art, wie weltweit Geschäfte gemacht[…]

Daniel Fernandez

„Gewaltiger Engpass entstanden“

Seit einiger Zeit sehen sich insbesondere die IT-Fachbereiche[…]

Christian Grosshardt

Digitaler Erfolgsfaktor für Banken: einfacher und schneller Kreditantrag

In Zeiten des Internetgeschäfts macht der Wunsch nach[…]

Cybercrime: Ein wesentliches Risiko?

Banken sollten das Thema Informationssicherheit nicht nur der[…]

Gerald Spiegel

Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der IT

Wenn Finanzinstitute wachsen, steigt nicht nur die Bilanzsumme.[…]

Elisabeth Schoss-Leppert

Wo bleibt Smart-Banking?

Die Digitale Agenda der Bundesregierung beschreibt die Grundsätze[…]

Florian Dreifus

Neue (digitale) Wege einer Traditionsbank

Digitalisierung bedeutet für viele eine Umstellung im prozessualen[…]

Michael C. Neubert

Digitale Vermögensverwaltung – Kunden-erfolg und MiFID II unter einem Dach

Digitalisierte Mehrwertdienstleistungen machen die Vermögensbetreuung auch im Retailbereich[…]

Mario Alves

„Es bedarf eines zentralen Kommunikationskonzepts“

Im 21. Jahrhundert leben und arbeiten wir in[…]

Christian Grosshardt

Die Gunst der Stunde

Als noch das Kerbholz oder der Ishango-Knochen zum[…]

Horst Liebscher

„Dialog statt Push-Kommunikation“

Social Business-Technologien können interne Unternehmensprozesse und externe Kommunikation[…]

Philipp Scherber

„Heutzutage muss man vielen Qualitätsaspekten genügen”

SDL ist weltweiter Marktführer für Übersetzungslösungen. Das Unternehmen[…]

Anna Stötzer

Kosten runter, Datensicherheit rauf und zufriedenere Mitarbeiter

Die Volksbank Freiburg hat ihre Druckerflotte konsolidiert. Kostendruck[…]

Julian Achleitner

Kosten- und Risikoreduzierung durch qualitativ hochwertige Kundendaten

Entity Resolution, also die Systematisierung, Verlinkung und Gruppierung[…]

Philipp Scherber

„If you can make it in Ansbach, you’ll make it anywhere.”

Cloud Computing, Safe Harbor, Privacy Shield und Blockchain[…]

Philipp Scherber

„Gemeinsam mit unseren Kunden deren Herausforderungen lösen.“

Security-Lösungen sind für jede Bank ein absolutes Muss.[…]

Julian Achleitner

Transaktionsklassifikation für die Kundenanalyse

Es gibt eine unglaubliche Menge an Kundendaten, welche[…]

Ronny Fuchs

EZB mit neuer Website

Die Europäische Zentralbank hat ihr Kommunikationsangebot einer Frischzellenkur[…]

Christian Grosshardt

„Bank geht heute nur, wenn man seine Daten auch entsprechend im Griff hat!“

Digitale Zeiten erfordern schnelles Handeln und eine noch[…]

Christian Grosshardt

„Positiver Wandel in der Projektmanagementkultur mit Softwareeinsatz“

Die Berlin Hyp AG ist auf großvolumige Immobilienfinanzierungen[…]

Julian Achleitner

„Aktionismus ohne ganzheitliche Strategie muss endlich aufhören!“

Gerne lassen Banken über ihre Marketingabteilung verlautbaren, dass[…]

Christian Grosshardt

Advertorial: Was Kunden wollen – Deutschlands Banken-IT im digitalen Umstyling

Banken-IT: Zwischen Software und Beratungsgespräch Vielfältig und modern:[…]

Christian Grosshardt

Datenschutz gilt nicht nur für Firewalls

In Zeiten von Cyber-Attacken und den dafür notwendigen[…]

Christian Grosshardt

Sind Banken bereits abgehängt?

Während Banken über die bestmögliche Umsetzung von Mobile-Payment-Lösungen[…]

Christian Grosshardt

Digitalisierung, aber wie?

Berlin, London und im Silicon Valley, hier entstehen[…]

Thorsten Hahn

„Es ist höchste Eisenbahn!“

Die Komplexität in der gesamten Banksteuerung hat sich[…]

Christian Grosshardt

Wem gehört die Zukunft?

Autor: Jaron Lanier Euro: 24,99 480 Seiten, gebunden[…]

Christian Grosshardt

Digitalisierung konsequent umsetzen, gerade bei alltäglichen Prozessen.

Die Digitalisierung hat uns alle und unser alltägliches[…]

Christian Grosshardt

„The Amazon moment for banking!“

Andauernd reden wir von der fortschreitenen Digitalisierung. Fakt[…]

Christian Grosshardt

Titelverteidigung – „MBVO.de“ gewinnt erneut

Und täglich grüßt das Murmeltier! Nachdem das Verbraucherportal[…]

Christian Grosshardt