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Wo bleibt Smart-Banking?

Die Digitale Agenda der Bundesregierung beschreibt die Grundsätze der Digitalpolitik und deren Handlungsfelder. Die digitalen Infrastrukturen, die digitale Wirtschaft und die digitalen Lebenswelten in unserer Gesellschaft gehören zu diesen Handlungsfeldern.

Von Florian Dreifus - 19. Dezember 2016

Bildnachweis: iStock.com/artisteer

Viele Lebensbereiche werden „smart“, also intelligent: Smart Grid, Smart Metering, Smart Home, Smart Traffic, Smart Car, Smart City, Smart Contract. Wo aber stehen wir bei der Entwicklung von Banken und Versicherungen, die einen bedeutenden Bereich der digitalen Agenda darstellen?

Intelligentes Banking?

Smart Banking  bedeutet  nicht einfach „intelligentes Banking“, denn das würde den Eindruck erwecken, das heutige Bankgeschäft sei nicht intelligent. Das Bankgeschäft der Zukunft erfordert aber mehr – es erfordert, dass Banken sich auf die individuellen Bedürfnisse ihrer Kunden fokussieren, um die Kundenbindung zu stärken. Frische Ideen, Fantasie und Flexibilität – nicht gerade weit verbreitete Eigenschaften im überregulierten Bankwesen – sind gefragt, um den modernen Bankkunden zu begeistern und zu überzeugen. Vergleicht man etwa Smart Banking mit Smart Home, ergeben sich viele neue Ideen für das Festigen der Kundenbindung. Im Smart Home ist alles im Haus miteinander vernetzt, sodass sich beispielsweise die Jalousien je nach Witterung oder Sonnenstand wie von selbst öffnen oder schließen. Ist dieser Automatisierungs- und Vernetzungsgedanke auf Bankgeschäfte übertragbar? Will der Bankkunde, dass sich Zahlungen von selbst auslösen, wenn sie berechtigt sind? Ist er an einer individuellen, intelligenten, alles integrierenden Finanzplanung interessiert, die Geld, Versicherungen, Depots, Steuerprognosen und Konsumverhalten umfasst? An einer Planung, die sich seiner jeweiligen Lebensphase anpasst, ergänzt durch Wünsche oder Vorsorgeprodukte? Würde der Bankkunde seine Rechnungen gerne in einem elektronischen Briefkasten vorfinden, die sich selbstständig bezahlen, wenn er etwas eingekauft hat? Wäre es nicht sein größter Wunsch, bei einer Überweisung einfach nur die E-Mail-Adresse einzugeben statt der umständlichen IBAN? Manche behaupten, wir hätten diese Ziele schon erreicht oder seien durch die Payment Service Directive II (PSD II) nah dran. Aus Sicht des Kunden, der nach wie vor zu Hause die Aktenordner mit Unterlagen zu Versicherungen, Bankprodukten, Notar und Grundbuchinformationen füllt, ist das allerdings nicht der Fall.
Der digitale Wandel hat das Potenzial, für völlig neue Formen der Kommunikation und Arbeitsorganisation zu sorgen, von denen jeder Bürger profitieren kann. Natürlich gibt es immer noch Bedenken dagegen, wenn sich alles in einer Hand befindet. Banken haben aber einen Vorteil  – sie genießen nach wie vor das Vertrauen der Menschen.

Die Rolle von Banken in einer smarten Welt

Die Bundesregierung setzt sich mit der Digitalen Agenda das Ziel, die Sicherheit und den Schutz von Daten zu gewährleisten, damit die Digitalisierung all ihre Vorteile für Gesellschaft und Wirtschaft in Deutschland entfalten kann.  Die Banken unterliegen dabei strengen aufsichtsrechtlichen Vorgaben und Kontrollen, so dass die Daten besser aufgehoben sind  als in Fort Knox. Kein Unternehmen ist so gut vor Cyber-Angriffen geschützt wie Banken. Die Menschen können neuen digitalen Diensten und Angeboten vertrauen und mit höchstmöglicher Sicherheit im Internet agieren.

Jederzeit transparent und überall abrufbar

Die PSD II geht einen Schritt in diese Richtung. Smart Banking würde weit mehr umfassen als Bankdienstleistungen und damit unser Leben verändern. Die Bank wäre mit vielen Unternehmen und Serviceleistungen die digitale Schnittstelle zu vielen Grundbedürfnissen, die Menschen haben. Der ganze „lästige Papierkram“ wäre intelligent geordnet, jederzeit transparent und überall abrufbar.  Das ist deshalb so interessant, weil jeder Kunde sein Verhalten ändern und bessere oder bewusstere Entscheidungen treffen könnte – allein durch die zusätzlichen Informationen. Kann ich mir das neue Smart TV leisten oder verschulde ich mich hoffnungslos? Bekomme ich einen Warnhinweis, wenn es besser für mich wäre, auf eine Anschaffung zu verzichten? Wohin verschwindet mein Geld, das ich eigentlich für meine Ziele und Wünsche sparen wollte? Kann ich meine Lebensqualität im Alter steigern, wenn ich frühzeitig von meiner Bank auf bestimmte Dinge hingewiesen werde, die in meine jeweilige Lebensphase passen?

Die Welt wird smart

All diese neuen Fragestellungen zeigen eines überdeutlich:  Banken haben jetzt die Chance, ihr Geschäftsmodell komplett zu überdenken, ohne dabei ihr zentrales Werteversprechen – das Vertrauen – aufzugeben.  Die Welt wird smart und Smart Banking ist ein spannender Evolutionsschritt für uns alle.

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