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Wie ein Blitz aus heiterem Himmel – Europas Banken zu Beginn der Corona-Krise

Die Corona-Krise hatte die europäischen Banken schon im ersten Quartal 2020 hart getroffen. Die Banken haben dies aber bisher relativ gut überstanden. Weitere Belastungen sind allerdings zu erwarten. Ein Marktkommentar von Analyst Jan Schildbach, Deutsche Bank Research.

Von Jan Schildbach - 03. Juli 2020
Europas Banken und die Corona-Krise, wie ein Blitz aus heiterem Himmel

Foto: istock.com/alashi

Während die Erträge und Kosten nur leicht sanken, schossen die Rückstellungen für Kreditausfälle in die Höhe und machten den Gewinn der Branche fast komplett zunichte. Die Kapitalquoten gingen im Quartalsvergleich zurück, jedoch weniger als befürchtet, da Banken die Dividenden für 2019 gestrichen hatten.

Das Bilanzsummenwachstum erreichte mit zehn Prozent gegenüber dem Jahresende einen neuen Rekord, was auf einen Anstieg der Unternehmenskredite, höhere Liquiditätsreserven bei den Zentralbanken und ein höheres Derivate-Volumen zurückzuführen war. Die 20 größten europäischen Banken wurden im ersten Quartal (Q1) von der Corona-Krise und der dadurch ausgelösten Rezession hart getroffen. Bisher ist es ihnen jedoch gelungen, die Auswirkungen zu begrenzen.

Sprunghafter Anstieg der Rückstellungen

Die Erträge waren aufgrund gegensätzlicher Trends insgesamt leicht rückläufig gegenüber dem Vorjahr (-1%). Einerseits handelten die Kunden, besonders während der Verwerfungen an den Finanzmärkten im März, mehr mit Aktien und Anleihen, was dem Provisionsüberschuss zugutekam (+9%). Andererseits litt das Handelsergebnis (-26%) unter höheren Anleihespreads und niedrigeren Aktienmarktbewertungen. Der Zinsüberschuss blieb unverändert, da sich geringere Margen und Volumenwachstum weitgehend ausglichen. Der Trend sinkender Verwaltungsaufwendungen setzte sich fort (-1%). Das durchschnittliche Aufwand-Ertrag-Verhältnis stieg dennoch um zwei Prozentpunkte auf 66 Prozent.

Ein sprunghafter Anstieg der Rückstellungen für Kreditverluste hatte die stärksten unmittelbaren Auswirkungen auf die Gewinn- und Verlustrechnung. Sie stiegen auf das Zweieinhalbfache des Vorjahresniveaus – das allerdings vom Rekordtief nicht weit entfernt war. Darüber hinaus ist die Risikovorsorge im Vergleich zu US-amerikanischen Banken eher gering. Dort stieg sie in Q1 auf das Viereinhalbfache des Wertes von 2019, obwohl die Rezession Europa stärker treffen dürfte als die USA. 2020 wird das BIP im Euroraum voraussichtlich um zwölf und in Großbritannien um 11,5 Prozent einbrechen, verglichen mit sieben Prozent minus in den USA.

Das ist ein wichtiger Maßstab für den wirtschaftlichen Schock, auch wenn sich dieser aufgrund struktureller Unterschiede und einer Vielzahl unterschiedlicher staatlicher Unterstützungsmaßnahmen, die die Ausfallwahrscheinlichkeiten beeinflussen, nicht eins zu eins in Kreditverlusten niederschlagen wird.

Mehr als ein Drittel der europäischen Banken verzeichnete Nettoverlust

Die Entscheidungsträger haben die europäischen Banken aufgefordert, keine übermäßigen Rückstellungen zu bilden und die in den Bilanzierungsregeln enthaltene Flexibilität voll zu nutzen. Damit besteht allerdings die Gefahr, dass sich die bedenkliche Erfahrung nach der Finanzkrise wiederholt. Die Kreditrisikovorsorge der US-Banken war bereits 2011/12 wieder auf Normalniveau. Ihre europäischen Wettbewerber brauchten dafür viel länger, nämlich bis 2014/15.

Gründe dafür waren – abgesehen vom Zweitrundeneffekt der europäischen Staatsschuldenkrise – die erheblich niedrigere Risikovorsorge in Europa und die entschlossenere Reaktion der US-Banken während und unmittelbar nach der Finanzkrise 2008 bis 2010. Die anhaltende Belastung der europäischen Banken ermöglichte es ihren US-Konkurrenten, davonzuziehen und Marktanteile zu gewinnen, besonders im Kapitalmarktgeschäft.

Unter dem Strich blieb in Q1 fast kein Gewinn mehr übrig (-84% gegenüber Vorjahr), da mehr als ein Drittel der europäischen Banken einen Nettoverlust verzeichnete – im Gegensatz zu ihren US-amerikanischen Konkurrenten, die durchweg in den schwarzen Zahlen blieben. Dem ging bereits ein reduzierter Gewinn im Vorjahr voraus. 2018 war das einzige Geschäftsjahr seit der Finanzkrise, in dem alle großen europäischen Banken profitabel waren. Daran dürfte sich vorerst auch nichts ändern.

Höhere Liquiditätsreserven bei Zentralbanken

Die Bilanzsumme legte stark zu: um acht Prozent gegenüber dem Vorjahr und in den ersten drei Monaten gar um zehn Prozent. Ein saisonaler Anstieg im ersten Quartal ist zwar üblich. Dieser ist aber beispiellos – es ist der stärkste Anstieg in einem einzelnen Quartal seit Beginn dieser Zeitreihe 2005. Nicht einmal in den enormen Verwerfungen während der Finanzkrise 2007 bis 2009 oder in der europäischen Schulden­krise verzeichneten die Banken ein derart massives Bilanzwachstum. Gründe hierfür waren höhere Liquiditätsreserven bei Zentralbanken und höhere Interbankforderungen, höhere Derivate-Volumina sowie ein kräftiges Plus bei (Unternehmens-)Krediten.

Das unterstreicht die grundlegend andere, positivere Rolle der Banken in der aktuellen Krise: Im Mittelpunkt der Finanzkrise und der globalen Rezession standen Mängel im Bankensystem. Schwache Bankensektoren in Ländern wie Irland, Spanien und Italien verschärften die Schuldenkrise von 2010 bis 2015. Jetzt hingegen können die Banken dazu beitragen, den wirtschaftlichen Schock zu mildern, der die Welt wie ein Blitz aus heiterem Himmel getroffen hat.

Sie können die Kunden weiterhin unterstützen und Unternehmen, Haushalte und Staaten finanzieren, selbst wenn sich deren Bonität verschlechtert und die Kapitalausstattung der Banken unter Druck gerät. So gesehen bietet die Corona-Krise der Bankenbranche eine Chance auf „Wiedergutmachung“, also die Möglichkeit, ihren Ruf als verantwortungsbewusster Teil der Gesellschaft ein Stück weit wiederherzustellen.

Die risikogewichteten Aktiva (risk-weighted assets, RWA) stiegen in Q1 sowohl gegenüber dem Vorjahr als auch gegenüber dem Vorquartal um zwei Prozent. Zurückzuführen ist das in erster Linie auf das Bilanzwachstum, Ratingmigration, verschärfte Regulierung (regulatorische Inflation) bei Verbriefungspositionen und höhere Marktrisiken aufgrund der extremen Finanzmarktvolatilität. Dadurch wurden einige Verkäufe von Vermögenswerten mehr als ausgeglichen, ebenso wie positive Wechselkurseffekte, da die Währungen vieler Schwellenländer gegenüber dem Euro abwerteten.

Banken: Kapitalausstattung bislang robust

Das gesamte Eigenkapital stieg lediglich um ein Prozent im Jahres- und Quartalsvergleich. Die durchschnittliche CET1-Quote lag mit 13,5 Prozent leicht über dem Niveau von vor zwölf Monaten (+0,2 Prozentpunkte), ging jedoch seit Jahresende 2019 deutlich zurück (-0,4 Prozentpunkte). Die Aussetzung von (mitunter beträchtlichen) Dividenden für 2019, die bereits verbucht waren, wurden nach den Empfehlungen der EZB gestrichen oder zumindest zurückgestellt. Sie wurden durch den Anstieg der RWA und durch Nettoverluste bei einigen Instituten mehr als ausgeglichen und haben zu niedrigeren Kapitalquoten beigetragen.

Diese wären natürlich stärker gesunken, wenn die Kreditrisikovorsorge höher gewesen wäre. Ähnlich sah es bei der Leverage-Ratio aus, die mit 4,8 Prozent im Jahresvergleich unverändert blieb, im Quartalsvergleich jedoch um 0,3 Prozentpunkte sank. Damit ist die Kapitalausstattung insgesamt bislang robust geblieben.

Die größten Belastungen stehen allerdings noch bevor, da die Rezession erst voll zum Tragen kommt und wahrscheinlich nicht vor 2022 vollständig überwunden sein wird. Mit Blick auf die Liquidität gelang es den Banken trotz der Turbulenzen, die Mindestliquiditätsquote (Liquidity Coverage Ratio, LCR) mit im Durchschnitt soliden 146 Prozent gegenüber dem Vorquartal weitgehend stabil zu halten (-5 Prozentpunkte gegenüber Vorjahr).

Tipp: Sie möchten mehr Marktkommentare? Dann lesen Sie die Beiträge „Real Assets trotzen turbulenten Märkten“ und „Was die Wiederwahl Donald Trumps für die Kapitalmärkte bedeutet“.

Jan Schildbach

Deutsche Bank Research

Jan Schildbach ist Analyst und Teamleiter Banken und Finanzmärkte bei Deutsche Bank Research.

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