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Homeoffice: Führen von gesplitteten Teams

Flexible Arbeitsmodelle haben klare Vorteile: weniger Stress, mehr Freizeit. In der Corona-Krise kommt für Arbeitnehmer noch eine weitere Dimension dazu: der Schutz der Gesundheit. Doch wie sieht es auf der „anderen Seite“ aus? Ist Homeoffice für Führungskräfte tatsächlich ein Albtraum, wie mancher Manager vermutet?

Von Laura Kracht - 23. März 2021
Führen im Homeoffice, Arbeiten über digitale Tools, Menschen kommunizieren über Computer

Foto: iStock.com/sorbetto

Bekommt das Wort „Geisterbahn“ jetzt eine neue Bedeutung? Sind die U-, S- und sonstigen Bahnen sowie Busse in der Corona-Krise, die uns nun schon viel länger und heftiger beschäftigt als Anfang 2020 gedacht, wirklich so leer, weil alle aus dem Homeoffice arbeiten? Nicht ganz.

Doch Fakt ist: Der Begriff Homeoffice hat Hochkonjunktur und die Arbeitsform dahinter – den Job von zu Hause erledigen – findet mehr und mehr Fans. Immerhin bedeutet es für Arbeitnehmer weniger Stress und mehr Freizeit. Laut eines Berichts vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) bleiben so im Durchschnitt etwa 4,4 Stunden pro Woche mehr zur individuellen Verfügung.

Angesichts der fast täglichen RKI-Rekordmeldungen von Corona-Infizierten in Deutschland seit dem Herbst 2020, hat die Bundesregierung das Recht auf Homeoffice noch einmal deutlich hervorgehoben – und seit dem immer wieder betont. So sagte etwa Kanzlerin Angela Merkel:  „Ich bin sehr dankbar, dass sich auch im öffentlichen Leben viele Unternehmen entschieden haben, zu Heimarbeit, zu Homeoffice überzugehen, wo dies möglich ist. Das ist nicht überall möglich. Aber da, wo dies möglich ist, ist es auch möglich zu machen.“

Die Digitalisierung macht’s möglich

Und wer macht’s möglich? Die Digitalisierung. Viele Jobs können heute zu einem großen Teil am Computer erledigt werden – und diese Arbeiten können dann auch von jedem beliebigen Ort mit Internetzugang geleistet werden. „In nur wenigen Jahren hat die Technologie neu definiert, wie wir unser Geschäft aufbauen und betreiben, wie wir unsere Kunden bedienen, wie wir verkaufen und wie wir arbeiten. Aber die Krise hat gezeigt, wie wichtig die Digitalisierung wirklich ist“, sagt Gregor Wills von der Allianz SE. Entsprechend ist Digitalisierung bei dem Versicherer seit Jahren Teil der strategischen Agenda, die auch mit Investitionen in moderne IT und Infrastruktur untermauert wurde.

Das heißt also, auch Mitarbeiter aus der Finanz- und Versicherungsindustrie müssten problemlos in den heimischen vier Wänden arbeiten können – von Schwierigkeiten mit Token, VPN-Tunneln, Kindern, Ehepartnern oder Haustieren mal abgesehen.

Wills spricht von einer „anfänglichen Eingewöhnungsphase“ und einer „Herausforderung“ für die Mitarbeiter weltweit, „insbesondere für unsere Betriebsteams“. Dennoch habe man sich an die Telearbeit gewöhnt und es liefe alles gut. „In vielen der Allianz-Gesellschaften arbeiten bis zu 90 Prozent der Mitarbeiter von zu Hause aus.“

Und in Banken? Bei der Commerzbank arbeiten derzeit deutlich über 50 Prozent der Mitarbeiter im Homeoffice, so Martin Fischedick, Bereichsvorstand Group Human Resources und Leiter des Corona-Krisenstabs der Commerzbank. In der Spitze haben im Frühjahr 2020 bis zu 80 Prozent der Kollegen in den zentralen Einheiten remote gearbeitet.

Das ist die eine Seite. Was heißt das für die entsprechenden Führungskräfte? Dazu nochmal Martin Fischedick: „Nahezu jede Führungskraft führt bei uns also gesplittete Teams, das heißt Teams aus Mitarbeitern, die in den Bankräumlichkeiten arbeiten und von zu Hause aus. Die Situation bringt Veränderungen und Herausforderungen mit sich – für Führungskräfte in Banken genauso wie für Führungskräfte anderer Branchen. Dazu gehört neben veränderten Arbeitsplatzbedingungen insbesondere der reduzierte persönliche Kontakt.“

Führen ohne Augenkontakt

Wie führt man also „ohne Augenkontakt“? Geht das überhaupt gut? Und unter „führen“ fällt auch die Vermittlung von richtigen Arbeitsweisen im Homeoffice, etwa im Bereich Datenschutz. Sensibilisierung und Aufklärung im Vorfeld sind auch Aufgabe einer Führungskraft. Entsprechend hat man in der Commerzbank detaillierte Informationen zu diesen Themen zur Verfügung gestellt.

So solle Handlungssicherheit geschaffen und die Einhaltung der Vorgaben sichergestellt werden, betont Martin Fischedick. Er ergänzt: „Mit Blick auf arbeitsmedizinische und gesundheitliche Aspekte der Arbeit im Homeoffice stehen unseren Mitarbeitern etablierte Formate zur Verfügung. Dazu gehören beispielsweise Aufklärungsvideo und Artikel im Intranet oder der digitalen Mitarbeiterzeitung zum Arbeiten im Homeoffice und zur ergonomischen Gestaltung von Homeoffice-Arbeitsplätzen. Diese werden in der jetzigen Situation verstärkt abgerufen und genutzt.“

Antje Tönnis, Abteilungsleiterin in der Kommunikationsabteilung der GLS Bank, weist auf andere Aufgaben und damit einhergehende Herausforderungen für Führungskräfte mit Mitarbeitern im Homeoffice hin: „Simple, aber nicht zu unterschätzende Herausforderungen ergeben sich schon durch die verschiedenen Formen der Kommunikation.“

Das heißt konkret: „Was sonst im Team-Meeting oder auch nebenher an der Kaffeemaschine besprochen wird, muss nun über digitale Kanäle geschehen. Dazu gehören dann genauere Terminabsprachen, weil das zufällige Aufeinandertreffen auf dem Flur oder in der Küche eben nicht stattfinden kann. Ein Format, wo sich unsere Mitarbeitenden austauschen, ist beispielsweise in eine digitale Morgenrunde.“

Misskommunikation im Homeoffice vorbeugen

Auch Martin Fischedick verweist auf die Verlagerung der Kommunikation auf die digitalen Kanäle als Herausforderung. Dabei wurde in der Commerzbank darauf geachtet, dass beim mobilen Arbeiten dieselben Plattformen, Tools und Systeme wie im Büro von Mitarbeitern und Führungskräften genutzt werden. So war und ist der Wechsel der Arbeitsplätze vom Büro zum mobilen Arbeiten und andersherum „reibungsfrei möglich“.

Durch den verstärkten Einsatz von modernen Kollaborationstools soll „die Distanz, die zwischen Mitarbeitern und Führungskräften durch den Einsatz im Homeoffice entstehen kann, verringert“ werden.

Verringert ja, doch verschwinden wird sie dadurch nicht. Denn, wenn die Kommunikation über digitale Kanäle stattfindet, treten manche Kommunikationsformen in den Hintergrund. Antje Tönnis von der GLS Bank warnt, dass Mimik und Körpersprache weniger deutlich sein können und sich so die Chance auf Fehlinterpretation erhöhe. Ein wichtiger Aspekt, den auch Führungskräfte im Hinterkopf behalten müssen. Für sie heißt es dann: klar und präzise formulieren und Aufgaben eindeutig verteilen. Tönnis weist auch darauf hin, dass ein Moderator mit guter Menschenkenntnis in Video- oder Telekonferenzen einer Misskommunikation vorbeugen kann: „Das kann die Führungskraft sein, muss es aber nicht.“

Veränderte Führungskultur durch Homeoffice?

Herausforderungen gibt es also viele. Lösungsansätze eigentlich auch. Bleibt die Frage, wie sich Führungskultur durch das vermehrte Arbeiten im Homeoffice genau verändert. Dazu sagt Antje Tönnis: „Qualitäten, die moderne Führungskultur ohnehin mitbringen muss, sind in Homeoffice-Strukturen noch einmal prägnanter. Flexibles und eigenständiges Arbeiten ermöglichen ohne die Mitarbeitenden alleine zu lassen. Also auf das Können und die Fähigkeiten des Teams vertrauen und dieses Vertrauen auch zu kommunizieren.“ Und weiter: „Gleichzeitig aber auch als Ansprechpartnerin zur Verfügung zu stehen, um Feedback oder Absprachen anzubieten.”

Für die GLS Bank habe sich schon zuvor eine neue Form der Führungskultur entwickelt. Denn: „Besonders bei Projekten, die abteilungsübergreifend stattfinden, greifen klassischen Hierarchie-Konzepte nicht mehr.“ Daher möchte Antje Tönnis, gerade in schwierigen Zeiten, ihren Mitarbeitern als Coach zur Seite stehen. Dabei geht es auch um Nähe, sagt sie. Handelt es sich um lange bestehende Vertrauensverhältnisse, könne das kompensiert werden. Bei neuen Kollegen falle das deutlich schwerer. Deren Begleitung sei eine echte Herausforderung.

Online entsteht kein Vertrauen

Hier wird wohl auch kein digitales Format eine wirkliche Alternative sein. Online entsteht eben kein Vertrauen. Es soll sogar schon Unternehmen, mitunter auch aus dem Finanzsektor, gegeben haben, die ihren (langjährigen) Mitarbeitern Privatdetektive auf den Hals gehetzt haben – weil sie ihnen nicht vertraut haben. Das ist der springende Punkt: Vertrauen. Denn ein Führungsstil, der nur über Kontrolle und Überwachung funktioniert, wird im digitalen Zeitalter keinen Bestand haben.

Jetzt können Führungskräfte einen wichtigen Beitrag zur Arbeitshaltung ihrer Mitarbeiter leisten: mit der richtigen Mischung aus Vertrauen und Fürsorge. Das sagt auch Martin Fischedick: „Mitarbeiterführung, auch aus der Ferne, spielt in der aktuellen Situation eine wichtige Rolle. Das gilt in Banken genauso wie in anderen Branchen. Führungskräfte können gerade jetzt positiv motivieren und für Struktur und Orientierung sorgen.“

Tipp: Sie möchten mehr zum Thema Personal? Dann erfahren Sie hier, wie Führen in der Cloud funktioniert oder lesen Sie hier mehr zum mobilen Arbeiten.

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