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Eine explosive Mischung: Der Geldautomat als Ziel der Organisierten Kriminalität

Während der Pandemie schien sich die Zahl der Geldautomatensprengungen zu stabilisieren. Doch im ersten Halbjahr 2022 schnellten die Fallzahlen wieder nach oben. Was steckt dahinter und wie können sich Banken besser dagegen schützen?

Von Milan Herrmann - 26. September 2022
Der Geldautomat als Ziel der Organisierten Kriminalität

Foto: iStock.com/UnitoneVector

Statistisch betrachtet wird jeden Tag mindestens ein Geldautomat in Deutschland gesprengt. Die Zahl der Angriffe ist in der letzten Dekade derart angestiegen, dass dabei schnell in Vergessenheit gerät, wie jung der Deliktbereich tatsächlich ist. Erst 2005 wurde der erste Geldautomat in Deutschland mithilfe einer explosiven Gasmischung geknackt.

Seitdem hat es nicht nur Veränderungen bei den Fallzahlen, sondern auch bei den Methoden und der regionalen Verteilung gegeben. Relativ konstant blieb demgegenüber der hohe Anteil von Tätern, die der Organisierten Kriminalität in den Niederlanden zuzuordnen ist. Im Jahr 2021 waren sie für etwa zwei Drittel aller Sprengungen verantwortlich.

Verdrängungseffekte

Über viele Jahre operierten die niederländischen Banden im Inland. Durch ein Ineinandergreifen verschiedener Präventionsmaßnahmen und einem erhöhten Fahndungsdruck gelang es, diese Entwicklung in den Griff zu bekommen. Nach Angaben des Niederländischen Bankenverbandes (NVB) reduzierte sich die Anzahl der Vorfälle von zuletzt 79 im Jahr 2019 auf gerade einmal drei in 2021.

Parallel dazu häuften sich allerdings Automatensprengungen außerhalb der Niederlande. Das heißt, die Banden umgehen die höheren Sicherheitsstandards, indem sie alternative Beuteziele im Umland ausfindig machen. Tatsächlich dokumentieren Lagebilder des Bundeskriminalamts (BKA) diesen Trend: Diese verzeichneten bis zum Pandemiebeginn einen kontinuierlichen Anstieg und erreichten 2020 ihren vorläufigen Höhepunkt.

2022 wird mit einem weiteren Anstieg gerechnet. Die Täter legen immer größere Distanzen zurück, um an Beute zu gelangen. Neben Rheinland-Pfalz, Hessen und Niedersachsen, die unmittelbar an Nordrhein-Westfalen grenzen, reichen die Streifzüge bis nach Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen-Anhalt.

Geldautomat-Rüstungswettlauf

Die Tatdurchführung lässt in den allermeisten Fällen auf einen hohen Grad an Professionalisierung schließen. Dabei greifen die Täter nicht nur auf konventionelle Praktiken wie gestohlene Fluchtfahrzeuge, ausgebaute Airbags oder falsche Kennzeichen zurück, sondern setzen verstärkt auf Hightech.

Immer öfter kommen etwa Jammer (Störsender) zum Einsatz, mit denen der lokale Mobilfunk blockiert werden kann. Potenzielle Notrufe erreichen ihr Ziel deshalb mit zeitlichem Versatz. Die Fluchtchancen steigen.

Die bedeutsamste Umstellung der letzten Jahre ist im Bereich der Sprengmittel zu verzeichnen. Viele Banken im Grenzgebiet stellten sich darauf ein, dass die Verbrecher Automaten mittels Gasexplosion knacken. Also installierten sie Sprengmatten oder Gasneutralisationssysteme zur Sicherung. Doch gegen die Nutzung fester Explosivstoffe, die immer häufiger zu beobachten sind, bleiben diese Sicherungssysteme wirkungslos.

Je nach Standort kann das verheerende Folgen haben, da die Sprengwirkung bei dieser Methode wesentlich stärker ist. Nicht selten muss ein Statiker nach erfolgtem Einbruch, die Integrität des Bauwerks überprüfen. Damit einher geht die Steigerung des durchschnittlichen Sachschadens. Er liegt im mittleren zweistelligen Millionenbereich, was dem drei- bis vierfachen Wert der erzielten Beute entspricht.

Kooperativer Ansatz

Für die deutsche Bankenbranche stellt sich die Frage, ob es nicht an der Zeit ist, den Panzerknackern entschiedener den Kampf anzusagen. Der Blick auf die niederländische Bilanz zeigt, dass sich der Aufwand lohnen kann. Dort setzten die Verantwortlichen früh auf Tintenpatronen und Klebstoffe.

Anstatt sich auf einen Rüstungswettlauf einzulassen und die Hürden für einen Einbruch höher zu setzen, wurde bei der Beute angesetzt. Glaubt man den Zahlen, schreckt die Kenntlichmachung oder Verklebung geraubter Scheine Täter deutlich effektiver ab.

Diese Maßnahmen sind jedoch kostenintensiver. Der Sparkassenverband Westfalen-Lippe geht davon aus, dass die vollständige Umrüstung von Automaten alleine Sparkassen mit 100 Millionen Euro belasten würde. Hier machen sich zwei Unterschiede zur niederländischen Bankenbranche bemerkbar.

Einerseits ist die Anzahl der Bankhäuser in Deutschland wesentlich größer, was folglich die Koordination erschwert. Andererseits ist der Stellenwert von Bargeld hierzulande höher, was sich in der Zahl der Geldautomaten widerspiegelt und letztlich den Kostenfaktor bestimmt.

Für eine nachhaltige Lösung wird ein übergreifender Ansatz nötig sein, der nicht nur Banken, sondern auch Verbände, Versicherungen und Behörden miteinbezieht: Denn je koordinierter und übergreifender die Zusammenarbeit läuft, desto eher werden die Zahl der Geldautomatensprengungen und damit die Gesamtkosten zurückgehen.

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