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Zwischen Liquiditätsbedarf und Ausfallrisiken

Die Wirtschaft befindet sich in unruhigem Fahrwasser und die Aussichten sind durchwachsen. Was heißt das für die deutsche Bankenwelt? Und drohen aus notleidenden Krediten gar notleidende Banken zu werden? Von Milan Herrmann

Von Milan Herrmann - 11. Januar 2023
Banken zwischen Liquiditätsbedarf und Ausfallrisiken

Foto: ozgurdonmaz via Getty Images

Die Finanzbranche sei ein wichtiger Transmissionsriemen der Geldpolitik im Euro-Raum, so formulierte es der damalige Bundesbankpräsident Jens Weidmann vor dem Bankentag im Jahr 2017. Mit einer halben Dekade Abstand gewinnt diese Feststellung wieder an Aktualität. Allerdings haben sich die Rahmenbedingungen seitdem geändert. Während zu jener Zeit ein anhaltendes Niedrigzinsumfeld primäre Herausforderung des Bankensektors war, ist es im Jahr 2022 ein Ineinandergreifen von Inflation, Krieg, Energiekrise und Lieferkettenproblemen, das den gesamten EU-Binnenraum finanziell unter Druck setzt.

Dabei wirkt die Unvorhersehbarkeit internationaler Entwicklungen als größter Unsicherheitsfaktor. Anders als bei der Pandemie gibt es derzeit keine Aussicht auf ein Vakzin, das den Übergang in den Normalbetrieb ermöglicht. Im Gegenteil, die Energiepreise werden auf unbestimmte Zeit das Niveau der Vorjahre übersteigen und Versorgungsengpässe können genauso wenig ausgeschlossen werden wie länger anhaltende Lieferkettenprobleme. In der Folge haben viele Unternehmen perspektivisch mit erheblichen Belastungen zu kämpfen. Der Bedarf nach finanzieller Unterstützung ist entsprechend groß.

Banken unter die Lupe nehmen

Doch schon jetzt sind einige Sektoren und damit das Firmenkundengeschäft der Kreditinstitute betroffen. Die Probleme reichen von der Chemie-, Auto-, Metall-, Papier- oder Pharmaindustrie über die Baubranche bis hin zum Einzelhandel. Obwohl die befürchtete Pleitewelle bislang ausblieb, halten Experten eine negative Trendwende für möglich. Marcel Fratzscher, Leiter des DIW, rechnet für 2023 und 2024 etwa mit einer steigenden Zahl an Insolvenzen und Geschäftsaufgaben. Umso wichtiger also, dass Banken genau unter die Lupe nehmen, mit welchen Risiken die Gewährung von Liquiditätskrediten behaftet ist. Wie steht es um die Rücklagen des Firmenkunden? Reichen dessen Reform- und Sparbemühungen tatsächlich aus?

Zusätzlich verschärfen Kaufkraftverluste seitens der Verbraucher die Gemengelage – und zwar in doppelter Hinsicht. Einerseits wird dadurch die Last der Unternehmen erhöht. So nehmen die Lohnforderungen zu, während die Spielräume für eine Kostenweitergabe schwinden. Andererseits spüren Banken den Kaufkraftverlust über das Privatkundengeschäft unmittelbar selbst, beispielsweise in der Baufinanzierung. Hier fallen schmaler werdende Eigenkapitalquoten mit gestiegenen Baukosten und deutlich höheren Zinssätzen für Immobilienkredite zusammen. Im Ergebnis verzeichnete das Neugeschäft bei Wohnbaukrediten zwischen März und August 2022 einen Rückgang von 32,3 auf 18,5 Milliarden Euro.

Die Verschiebung beim Einlagengeschäft fällt ähnlich dramatisch aus. Laut DSGV schrumpfte der Umfang neuer Privateinlagen bei Verbandsmitgliedern um mehr als 90 Prozent. In absoluten Zahlen betrachtet brach der Umsatz von 25 Milliarden in zwei starken Corona-Jahren auf 600 Millionen Euro regelrecht ein.

Ausfallrisiken verringern und Liquiditätsbedarf decken

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Bankenbranche vor eine schwierige Aufgabe gestellt ist: Trotz konjunktureller Verwerfungen den Liquiditätsbedarf der Wirtschaft decken und gleichzeitig die Kreditausfallrisiken geringhalten. Dafür gibt es kein Patentrezept, da sich Größe und Geschäftsmodell der Institute stark unterscheiden. Zwei Aspekte geben jedoch Anlass, mit Zuversicht in die Zukunft zu blicken. Zum einen zeigte der von Bundesbank und BaFin durchgeführte LSI-Stresstest, dass deutsche Banken überwiegend gut kapitalisiert sind. Zum anderen demonstrierte der Crash am Kryptomarkt, dass die Branche in puncto Risikobewertung deutlich zugelegt hat, denn die Kursstürze griffen nicht auf den Bankensektor über.

Tipp: Interessieren Sie sich für andere spannende Beiträge zum Thema Wirtschaft? Dann schauen Sie sich hier unsere Infografik zur Lage der Inflation an oder lesen Sie hier unsere Rezension zu „Europäische Union und Währungsunion in der Dauerkrise II„.

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