Donnerstag, 05. Mรคrz 2026
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Europa zeigt mit EPI Initiative im Zahlungsverkehr

Die Red Hot Chili Peppers sangen 2000 von der โ€žCalifornicationโ€œ, heute ist die globale Wirtschaftswelt โ€žamerikanisiertโ€œ. Im Zahlungsverkehr haben Mastercard und Visa die Oberhand. Die Card Schemes konnten in den letzten Jahren potenzielle Wettbewerber wie Plaid und Earthport ungehindert aufkaufen und ihre Preise laut British Retail Consortium (BRC) und British Independent Retailers Association (Bira) verdoppeln. Weiterem Vormarsch des US-Duopols mรถchte die European Payments Initiative (EPI) Einhalt gebieten: Mit einer paneuropรคischen Paymentlรถsung, die Instant Payments und Karten nutzt.

Tauglich fรผr den Massenzahlungsverkehr und Peer-to-Peer-Zahlungen soll sie Anwendung in Euro- und Nicht-Euro-Mรคrkten finden. 2020 gestartet, nimmt das Projekt nun konkretere Zรผge an. Nach Zustimmung der Shareholder zum Business Case soll die โ€žEPI Interim Company SEโ€œ mit CEO Martina Weimert einer Zielgemeinschaft weichen und die Implementierung beginnen. Auch die Zusage der Sparkassen, 150 Millionen Euro bereitzustellen, ist ein wichtiger Schritt.

Warum das Monnet-Projekt scheiterte

Nur ist die Zahlungsverkehrsinitiative nicht die erste ihrer Art. Das Vorgรคnger-Projekt โ€žMonnetโ€œ ist 2011 gescheitert. Als Hauptgrรผnde fรผhrte man fehlende gesetzliche Sicherheit und Zweifel an der Zukunftsfรคhigkeit des Geschรคftsmodells an. Auch die Hรถhe der Multilateral Interchange Fees (MIF) sorgte fรผr Kontroversen. Die von der Europรคischen Kommission mit den Schemes ausgehandelten 0,3 Prozent fรผr Kreditkarten waren den Mitgliedern damals nicht genug. Das Scheitern von Monnet und auch der stille Tod der Euro Alliance of Payment Schemes (EAPS) und der Pay Fair Initiative zeigen: Bisher haben die Amerikaner noch jede Schlacht um die europรคische Zahlungshoheit gewonnen.

Allerdings sind die transatlantischen Beziehungen nach Prรคsident Donald Trump beschรคdigt, eine zu groรŸe Abhรคngigkeit von US-Firmen gilt als politisches und wirtschaftliches Risiko. Die European Payments Initiative deckt sich also mit der langfristigen Strategie der Europรคischen Union (EU) und wird durch die โ€žRetail Payments Strategyโ€œ der Europรคischen Kommission gestรคrkt. Und diesmal scheint allen Beteiligten klar: EPI kรถnnte die letzte Chance fรผr eine wettbewerbsfรคhige europรคische Alternative sein.

Europa muss Initiative zeigen

Herausforderungen bleiben dennoch, besonders jene, die bereits das Monnet Project scheitern lieรŸen: Die Frage nach der Profitabilitรคt des Geschรคftsmodells. Wรคhrend Visa und Mastercard die Deckelung der Interchange Fees รผber undurchsichtige Gebรผhrenstrukturen teilweise umgehen konnten, bleibt zu hoffen, dass EPI hier einen anderen Weg gehen wird. Einen, der Hรคndler und Verbraucher nicht stรคrker belastet. SchlieรŸlich mรผssen auch sie hinter dem Projekt stehen. Dass die Initiative laut Weimert auf ein Geschรคftsmodell setzen wird, das nicht auf Interchange Fees basiert, stimmt optimistisch.

Doch auch an anderer Stelle muss EPI weiter รผberzeugen. Denn 31 Banken aus sieben Lรคndern sind wohl kaum eine paneuropรคische Lรถsung. Viele scheinen von den Kosten abgeschreckt. Dem Handelsblatt zufolge fallen in der Migrationsphase 1,5 Milliarden Euro an. Weitere Investitionen werden schwer zu vermeiden sein, wenn die Europรคer den amerikanischen Playern ernsthaft Konkurrenz machen mรถchten. Auf finanzielle Unterstรผtzung durch die EU warten sie bisher vergebens. Zu langes Abwarten kann aber ein Risiko sein. Wie die Fehlstarts bewiesen haben, ist auch das Momentum erfolgsentscheidend. Wollen Europas Banken ein Zahlungssystem โ€žMade in Europeโ€œ, mรผssen sie jetzt ge- und entschlossen Initiative zeigen. Mit Auslaufen der Maestro-Funktion 2023 standen die Chancen wahrscheinlich nie besser.

Laura Kracht ist ehemalige Redakteurin beim BANKINGCLUB.

Daniel Fernandez ist seit 2025 Chefredakteur der BANKINGNEWS. Seine journalistische Laufbahn begann er 2017 in der Redaktion als Volontรคr. Er studierte English Studies an der Universitรคt Bonn (B.A. 2016) und vertiefte seine akademische Ausbildung mit einem Master in English Literatures and Cultures, den er ebenfalls in Bonn abschloss. Erste redaktionelle Erfahrungen sammelte er parallel zum Studium als freier Werbetexter.

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