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Die Marktperspektive

Von Thorsten Hahn - 04. September 2008

Nach dem Verkauf der Allianz-Tochter Dresdner Bank an die Commerzbank konzentriert sich das Interesse im Konsolidierungsspiel der deutschen Bankenbranche nun auf den letzten verbliebenen „Ehrenpreis“ – die Deutsche Postbank AG.

Ulrike Dauer & William Launder – (DJ)  Der Deutschen Bank , die sich dank ihres Investmentbankings als Global Player etabliert hat, laufen jetzt die Optionen davon, ihre Position im wettbewerbsintensiven deutschen Privatkundenmarkt zu stärken.

Am Sonntag ist die Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank AG besiegelt worden. Die Dresdner Bank generiert zwei Drittel ihrer operativen Einnahmen durch das Privatkundengeschäft, die meisten Kosten und Verluste fielen, auch im Zusammenhang mit der Finanzkrise, in ihrer Investmentsparte Dresdner Kleinwort an.

Konrad Becker, Analyst bei Merck Finck, sagte, der Verkauf der Dresdner Bank an die Commerzbank bringe Schwung in die Konsolidierung der deutschen Bankenbranche. Nun könne in die letzte Runde gestartet werden – und es sei nur noch die Postbank übrig. Die Deutsche Bank kommt auf eine Marktkapitalisierung von rund 30 Mrd EUR. Wettbewerber Commerzbank hatte vor der Übernahme der Dresdner Bank eine Marktkapitalisierung von 13 Mrd EUR. Die Deutsche Postbank liegt bei rund 7,2 Mrd EUR.





„Allerdings hat die Deutsche Bank in den vergangenen Jahren bewiesen, dass sie wohl eher Abstand nimmt, wenn sie ein Geschäft für zu teuer hält“, sagte Becker. Indes: „Sollten sich Deutsche Bank und Postbank-Eigner Deutsche Post auf einen Preis und eine Bewertung für die Postbank einigen, würde die Konsolidierung in der deutschen Bankenbranche komplettiert und es entstehen zwei deutsche Universal-Banken.“

Die Deutsche Post, die einen Anteil von 50% plus einer Aktie an der Postbank hält, will ihren Anteil offenbar weiterhin verkaufen. Einige informierte Personen sagten Dow Jones Newswires, zwar sei der Verkaufsprozess für die Postbank wegen der Finanzkrise zum Erliegen gekommen. Allerdings seien die Verkaufsgespräche weder abgebrochen noch beendet worden.

Nach Aussage von Becker wird die neue fusionierte Dresdner-Commerzbank in den kommenden zwei Jahren wegen der Restrukturierung mit sich selbst beschäftigt und „nicht in der Lage sein, eine weitere aktive Rolle im Konsolidierungspoker zu spielen“.

Zudem steht die Transaktion der Commerzbank mit der Dresdner Bank unter einigem Erfolgsdruck. Es ist bereits der zweite Fusions-Versuch der beiden Banken. Vor acht Jahren hatten sowohl Deutsche Bank als auch Commerzbank erfolglos über einen Zusammenschluss mit der Dresdner Bank verhandelt. Letztendlich ging die Dresdner Bank dann für 24 Mrd EUR an den Münchner Versicherer Allianz.

Für Matthew Clark, Analyst bei Keefe, Bruyette & Woods, ist eine Transaktion unter deutschen Finanzhäusern ein positives Signal für den deutschen Bankenmarkt. Dieser habe in den vergangenen Jahren unter einer relativ geringen Profitabilität gelitten. Der deutsche Retail-Banking-Markt wird von den öffentlich-rechtlichen Banken dominiert, während die Privatbanken um signifikante Marktanteile und ökonomische Größe kämpfen.

Die Sparkassen und Genossenschaftsbanken kommen zusammen auf einen Marktanteil von 70% bis 75% im deutschen Privatkundengeschäft. Den Rest teilen sich Deutsche Bank, Postbank, Commerzbank und Dresdner Bank. Gemessen an der Kundenzahl ist die Deutsche Postbank die größte Privatkundenbank.

Der Zusammenschluss der Dresdner Bank mit der Commerzbank und die daraus resultierenden Einsparungen und weitere Synergieeffekte dürfte den Konsolidierungsdruck langfristig steigen lassen, ist sich Clark sicher.

Die Transaktion ist die größte Bankenfusion seit dem Kauf der HypoVereinsbank durch die italienische Unicredit. Der letzte vergleichbare rein deutsche Bankenzusammenschluss war jener der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank AG mit der Bayerischen Vereinsbank AG anno 1998. Aus dieser Fusion ging die HypoVereinsbank hervor. Mitte Juli hatte sich die französische Credit Mutuel für 4,9 Mrd EUR das deutsche Privatkundengeschäft der US-amerikanischen Citigroup geschnappt. An dem Geschäft soll auch die Deutsche Bank interessiert gewesen sein, sie hatte es allerdings als zu teuer erachtet.

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