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1909: Der Postscheck und bargeldloses Bezahlen in Deutschland

Ware nur gegen Bargeld? Das ist lĂ€ngst ĂŒberholt. Doch wie kam es eigentlich, dass wir heute mit Karte, per Handy oder sogar mit einem Chip unter der Haut bezahlen können? Machen Sie eine Zeitreise und erfahren Sie, wie alles mit dem Postscheck begann.


Hand mit FĂŒllfederhalter schreibt auf einen Postscheck
Zeitreise ins Jahr 1909: Der Weg zum bargeldlosen Bezahlen.

Ware gegen Bargeld: Das ist seit Jahrhunderten die erste Regel beim Handel. Doch der Ruf, bargeldlos zu bezahlen wurde 1876 auch in Deutschland laut. Nach der GrĂŒndung der Deutschen Reichsbank 1875 gab es zwar bereits den flĂ€chendeckenden Giroverkehr, doch nicht alle konnten ihn nutzen. Nur reiche BĂŒrger und große Unternehmen konnten diese Zahlungsweise wirklich verwenden. Der Mann von der Straße hingegen hatte keinen Zugang dazu. Der Grund: Um ein Konto einrichten zu können, brauchte man mindestens 1.000 Mark.

Erst die Deutsche Reichspost, gegrĂŒndet 1871, begann den Zahlungsverkehr auch fĂŒr die „kleinen Leute“ zu ermöglichen. Die ersten BemĂŒhungen, Überweisungs- und Scheckverkehr fĂŒr die Allgemeinheit leicht zugĂ€nglich zu machen, wie ein erster Gesetzentwurf von 1885 es versuchte, wurden zunĂ€chst abgewiesen. Doch als die EinfĂŒhrung des Postschecks in Bayern, Baden-WĂŒrttemberg und Österreich gelang, begann auch die Einleitung der neuen Bezahlweise im Reichsgebiet.

13 PostÀmter im ganzen Land

Um die neue Zahlungsmethode umzusetzen, wurden PostscheckĂ€mter im gesamten Land eingerichtet. Neun im Reichsgebiet, drei in Bayern und eines in Baden-WĂŒrttemberg. Doch ihre Funktion wurde auf den reinen Zahlungsverkehr beschrĂ€nkt, sodass keine Konkurrenz mit dem deutschen Sparkassenwesen entstand.

Zugang zu dem neuen Zahlungsverkehr und dem Postscheck hatten laut der Postscheckverordnung, die am 1. Januar 1909 eingefĂŒhrt wurde, Personen, Firmen oder Behörden. Allerdings musste dazu ein Antrag gestellt werden, damit ein Konto im Postscheckamt eröffnet wurde. Die ZustĂ€ndigkeiten wurden ĂŒber den Wohnort geklĂ€rt, jedoch konnte ein Kunde auch bei einem anderen oder gleich bei mehreren PostĂ€mtern Konten eröffnen und Zahlungen ĂŒber einen Postcheck durchfĂŒhren.

Deutsche Reichspost als vertraute Anlaufstelle

Alle BĂŒrger sollten die Möglichkeit haben bargeldlos zu bezahlen und Erspartes sollte auf die Bank gebracht werden. Dieses Ziel hatte das Postgesetz, das Kaiser Wilhelm im Jahre 1909 beschloss. Doch die Skepsis der Menschen war groß. Dabei gab es viele Vorteile: Zahlungen ohne Bargeld waren weitaus kostengĂŒnstiger und die Deutsche Reichspost bot die Möglichkeit, flĂ€chendeckend Menschen zu erreichen. Wer es gewohnt war Pakete und Briefe zu verschicken, kannte die Poststellen und verband ein gutes Image mit der Post. Dieses Vertrauen sollte nun auf den Überweisungsverkehr und das bezahlen mittels Postscheck abstrahlen und den Menschen die Angst nehmen.

WĂ€hrend Unternehmen die praktische Methode zunehmend nutzten und lieber einen Postscheck anstelle von Bargeld versandten, hielten sich Privatpersonen zunĂ€chst noch davon fern. Die Unsicherheit, ob eine Karte mit Zahlen tatsĂ€chlich bares Geld fließen lassen konnte, war groß. Doch die Zahlen sprachen eine klare Sprache. Bereits 1935 brach die Kontenanzahl durch die Millionengrenze.

Leistungen und GebĂŒhren

Waren es vor der Postscheckverordnung noch 1.000 Mark, die auf dem Konto angelegt werden mussten, reichten danach bereits 100 Mark aus. Diese Reduzierung ermöglichte es vielen Menschen ein Konto zu eröffnen und den, zu der Zeit revolutionĂ€ren, bargeldlosen Zahlungsverkehr. Die sogenannte Stammablage war ein festgelegter Betrag, der auf dem Konto verbleiben musste, doch alles Guthaben darĂŒber hinaus, konnte frei genutzt werden. Überweisungen wurden als Formulare in Briefen versandt und Auszahlungen als Scheckformulare ausgegeben.

Doch auch GebĂŒhren gehörten zum Alltag. Wurde eine Zahlkarte genutzt, um Bargeld einzuzahlen, fielen je nach Betrag einige Pfennige an ZahlungsgebĂŒhren an und Überweisungen kosteten drei Pfennig. Dennoch wurde der bargeldlose Zahlungsverkehr immer populĂ€rer.

Vom Postscheck zur Girokarte

Im Laufe der Jahre gab es viele Änderungen des Postscheckgesetzes. GebĂŒhren wurden mal erhöht oder gesenkt und am 1. Oktober 1950 kam die EinfĂŒhrung des Dauerauftragdienstes hinzu. Seit dem 1. Juli 1954 wurden die PostscheckgebĂŒhren durch die Verordnung fĂŒr GebĂŒhren im Postwesen geregelt und 1970 wurde sie außer Kraft gesetzt. Bis heute gelten die neue Postscheckordnung (BGBI. S. 1057) und die PostscheckgebĂŒhrenordnung (BGBI. S. 1057). Erst durch diese Verordnungen war es möglich, mit elektronischen Daten zu arbeiten und das Bezahlen durch Girokarten zu nutzen.

Und wie wird die Zukunft des Zahlungsverkehrs aussehen?

Wie sind eigentlich die aktuellen Payment-Trends? Auch wenn viele am Bargeld hĂ€ngen und ebenso viele Menschen gegen die Abschaffung des Bargelds sind – klar ist: Bargeld ist out. Selbst an der Kasse bezahlen immer mehr Menschen per Karte, mit dem Handy oder gleich mit einem implantierten Datenchip in der Haut. Plattformen wie Google oder Apple bieten bereits Konten an und Banken haben neue Konkurrenz. Der Zahlungsverkehr wird sich immer weiter verĂ€ndern. Die Frage ist nur: Wie?