Bitte melden Sie sich an

Registrieren Sie Sich als Premium-Mitglied, um Vorträge herunterzuladen.

  • 100% Rabatt auf alle Club-Events und Kongresse
  • Download der Vortragsunterlagen aller Veranstaltungen
  • Zugriff auf Fotogalerie aller Veranstaltungen
Sie sind noch kein Mitglied?

Dann registrieren Sie sich jetzt:

Jetzt Mitglied werden
Sie sind bereits Mitglied oder waren Teilnehmer?

Bitte loggen Sie sich ein:

Jetzt einloggen
Jetzt Mitglied werden

Bargeld: Und es lacht doch

Von Heike Scholz - 18. Juni 2015

Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger forderte jüngst, das Bargeld in Deutschland abzuschaffen, um kriminelle Machenschaften zu verhindern. Diese Diskussion wurde bereits Ende 2014 durch den Harvard-Ökonom Kenneth Rogoff losgetreten und auch diesmal kam es aus allen Lagern zu reflexhaften und teilweise heftigen Reaktionen.

53 Prozent der Deutschen zahlen bar. Erst mit großem Abstand folgt das erste bargeldlose Verfahren, die girocard mit fast 30 Prozent. Insgesamt sinkt der Anteil des Bargeldes jedes Jahr geringfügig um rund 1,5 Prozent (EHI). Es sieht also nicht so aus, als ob die Deutschen das dringende Bedürfnis nach nichtbaren Zahlverfahren hätten. Warum sollten sie auch? Bargeld ist als gesetzliches Zahlungsmittel überall akzeptiert, damit universell und ubiquitär nutzbar. Hinzu kommt, dass mit einem flächendeckenden Netz von Geldautomaten das Bargeld bequem und zumeist kostenfrei erlangt werden kann.
Jüngste Vorkommnisse, wie die Bankenkrise und die Enthüllungen von Edward Snowden, haben nicht dazu beigetragen, das Vertrauen der Bürger gegenüber Banken und Staat zu stärken. Wer über sein Zahlungsmittel selbst bestimmen und keine Datenspuren hinterlassen möchte, wählt Bargeld.

Staat und Banken wären es gern los

Genau an diesem Punkt setzen Ökonomen und Politikern an, die mit der Abschaffung des Bargelds der Geldwäsche, Steuerhinterziehung, Schwarzarbeit und bald sicherlich auch dem Terrorismus den Kampf ansagen. Doch in heutigen Zeiten muss man kein Verschwörungstheoretiker sein, um auch eine weitere Motivation darin zu erkennen, die eigenen Bürger ein wenig besser beobachten zu können.
Banken wiederum befürchten bei den derzeitigen Zinsentwicklungen, dass Negativzinsen die Bürger weiter ins Bargeld flüchten lassen. Diese Furcht ist nicht unbegründet. So mancher wird sein Geld dann lieber unter der Matratze verwahren. Oder er gibt es lieber gleich aus, was für Staat und Wirtschaft bei einer kurzfristigen Betrachtung durchaus positiv zu bewerten wäre.
Verbündete finden diese beiden Parteien bei den Kartenunternehmen. Zwar sind in bestimmten Bereichen wie zum Beispiel dem Textileinzelhandel oder bei Tankstellen die Kreditkarten nicht mehr wegzudenken, aber der Gesamtanteil an den genutzten Zahlverfahren von gut fünf Prozent ist unbefriedigend.

Handel ist pragmatisch

Im Handel ist das Bezahlen mit Bargeld einfach und allseits akzeptiert. Da es oftmals um die Geschwindigkeit im Bezahlprozess geht, ist genau diese schnelle Verständigung über das Zahlungsmittel ein relevanter Vorteil. Auch der dann anschließende Zahlvorgang ist einfach und schnell, vorausgesetzt der Kunde beginnt nicht, nach passendem Kleingeld zu kramen.
Natürlich ist die Akzeptanz von Bargeld als Zahlungsmittel für den Handel nicht kostenfrei zu haben. Häufig wird von anderer Seite auf die angeblich extrem hohen Kosten des Bargeldhandlings hingewiesen, so zum Beispiel 2013 von Mastercard. Sie kommt auf eine jährliche Belastung von 6,7 Milliarden Euro. 2010 ermittelte das EHI Kosten in Höhe von 0,08 bis 0,2 Prozent des Umsatzes, was bei Umsätzen von 428 Millionen Euro pro Jahr zu erheblich niedrigeren Kosten als von Mastercard ermittelt führt. Wären diese Kosten für den Handel, im Vergleich zu den bargeldlosen Verfahren, zu hoch, würde er mit Sicherheit gegensteuern. Doch schaut man auf die Kosten, die durch eben diese nichtbaren Verfahren entstehen, wird klar, warum der Handel hier keinen großen Handlungsdruck verspürt. Bei einem Disagio für Kartenzahlungen von rund 1,2 Prozent des Umsatzes ist die Motivation, betrachtet man nur die Kosten, den kartenbasierten Verfahren den Vorzug zu geben, eher gering.

New Kids On The Block

Die Payment-Arena wird zusätzlich von Technologieanbietern wie Mobilfunkunternehmen, Internet Giganten (Google, Amazon, Apple, Facebook) und diversen Start-ups betreten, von denen einige sich zu relevanten Playern entwickelt haben, etwa Paypal. Alle diese Anbieter sehen sich sehr ähnlichen Herausforderungen gegenüber. Zunächst müssen sie Vertrauen und Akzeptanz bei den Konsumenten aufbauen. Die überwiegende Zahl der Deutschen vertraut bei Geld (noch) den Banken, doch wir sehen bei jüngeren Menschen, dass hier eine deutliche Bewegung zu den Diensteanbietern stattfindet, die sie aus der Online-Welt bereits kennen. Der größten Gefahr sehen sich die Banken gegenüber, denn sie verlieren damit die Beziehung zum Endkunden und werden als „Dumb Pipes“ nur noch den Zahlungsverkehr abwickeln. Nun scheinen auch die Banken diese Bedrohung erkannt zu haben und versuchen mit einem gemeinsamen Zahlverfahren „Pay Direkt“ gegen zu halten. Es bleibt abzuwarten, wie erfolgreich sie damit sein werden.
Der Konsument hingegen wartet zurzeit nicht auf ein neues Bezahlverfahren. Er hat keinen Leidensdruck. Er kann aus einem bunten Strauß von Verfahren wählen, die für ihn meist völlig kostenfrei sind. Dass wir Nutzer aus reiner Technikverliebtheit ganz scharf darauf wären, mit unseren Smartphones zu bezahlen, kommt wohl nur in den Marketing-Träumen einiger Anbieter vor. Daher werden diese nicht müde zu versichern, dass wir auch unsere Coupons und in ferner Zukunft auch all unsere Ausweise und Dokumente mit ihren Wallets verwalten und nutzen können. Doch auch so kommt keine Begeisterung auf. Es braucht wohl doch mehr und das Bargeld lacht noch für viele Jahre.

Bildnachweis: chihhang via istockphoto.de

Lesen Sie auch

Das große Geschäft mit dem Geld

Da sich mit der Abwicklung des Zahlungsverkehrs sehr[…]

Laura Kracht
Eine Uhr als Symbol für Zahlungen in Echtzeit

Instant Payments: Was sich 2020 verändert

Zahlungen in Echtzeit sind Standard. Aber was können[…]

Craig Ramsey

„Finanzielle Inklusion vorantreiben“

Für kenianische Banken wird das Smartphone zum wichtigsten[…]

Philipp Scherber

Online Casinos: mit Klarna attraktiver zahlen

Glücksspiel im Internet boomt, doch der Konkurrenzkampf ist[…]

Redaktion
CRIF Bürgel hat eine Umfrage unter Endkunden zum Thema PSD2 durchgeführt.

PSD2 – Das unbemerkte Ende einer Ära

„PSD2? Nie gehört!“ Trotz anderhalb Jahren Vorlaufzeit und[…]

Christian Bock

Bargeld lacht und macht

Unbare Zahlverfahren werden auch in Deutschland immer beliebter.[…]

Thorsten Hahn
Menschen am Strand beobachten eine Bitcoin-Sonne, die am Horizont untergeht und vom Meer gespiegelt wird. Im Artikel beschreibt Nicole Jonat, wie sich die Postbank auf eine Entdeckungsreise auf dem Feld der Blockchain-Technologie begeben hat.

Postbank goes Blockchain – ein Reisebericht

„Die kürzeste Antwort auf etwas ist, es einfach[…]

Nicole Jonat
EHI-Kartenkongress im Mai 2019

„Eine App als ganzheitliche Lösung für den deutschen Mittelstand“

Carlos Gómez-Sáez, Vorsitzender der Geschäftsführung der VR Payment[…]

Tobias Schenkel

Wird Facebook bald die größte Bank der Welt?

Auf Facebook werden bald nicht nur Party-Fotos getauscht:[…]

Tobias Schenkel

Kann Europa das?

Die Konkurrenz im Bereich Instant Payments wird immer[…]

Thorsten Hahn

„Instant Payments bieten enormes Potenzial für alle Kundengruppen“

Echtzeitzahlungen könnten schon bald der neue Standard im[…]

Philipp Scherber

Smart Business

Von der Idee, den chinesischen Onlinehandel anzukurbeln, zum[…]

Tobias Schenkel

Bequemes Online-Shopping mit PSD2 – aber sicher!

Verbraucherschutz und Sicherheitsanforderungen nehmen innerhalb der PSD2 eine[…]

Carsten Muerl

Rechnungskauf im Internet boomt

Eine neue EHI-Studie zeigt: Der Kauf auf Rechnung[…]

Tobias Schenkel

Eine wie keine? Apples Vormarsch ins Kreditkartengeschäft

Technik-Riese Apple hat neben Smartphones und Computern jetzt[…]

Jochen Siegert

PSD2: Diese fünf Trends bestimmen den Markt

Regulierung, veränderte Kundenerwartungen, neue Wettbewerber – die Herausforderungen[…]

Oliver Dlugosch

Noch schnell ein paar Bitcoins abheben

Die Tremmel Wertpapierhandelsbank heißt jetzt futurum bank und[…]

Redaktion

Geno-Bank erobert Payment-Markt

Volksbank in der Ortenau übernimmt Mehrheitsanteile der micropayment[…]

Redaktion
Eine Umfrage von CRIF Bürgel hat ergeben, dass 69 Prozent der Verbraucher noch nie etwas von der Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 gehört haben.

Umfrage: Was wissen Verbraucher über die PSD2?

In der Bank- und Finanzbranche wird es kaum[…]

Christian Bock

Seinen Fingerabdruck kann man nicht verlieren

Einmal mehr tickt die regulatorische Uhr für Banken[…]

Tobias Schenkel

„Apple Pay ist keine Revolution“

Schnell, digital, am liebsten unsichtbar: So sieht nach[…]

Tobias Schenkel
Krypto-Regulierung könnte Strick oder Rettungsleine sein

Krypto-Regulierung: Strick oder Rettungsleine?

Nicht nur innerhalb der EU oder auf dem[…]

Daniel Fernandez

Crypto-Assets

Autoren: Chris Burniske, Jack Tatar Preis: 34,90 Euro Seiten: 286,[…]

Tobias Schenkel
Google, Banken und die Kunden

Ausgesperrt von Google

Die Kooperation zwischen Google, PayPal und Mastercard könnte[…]

Daniel Fernandez

„Die PSD2 gibt Banken ein Stück Kontrolle zurück“

Die PSD2 öffnet die Schnittstellen von Banken für[…]

Daniel Fernandez

Next Generation Payment

Vorbericht zu unserem Fachkongress „Next Generation Payment“ am[…]

Tobias Schenkel

Apple Pay: Auch Deutschland darf endlich von der „verbotenen Frucht“ kosten

Lange mussten deutsche Apple-Kunden warten, jetzt dürfen auch[…]

Daniel Fernandez

4.568

Bitcoin Markt setzt Negativ-Trend fort: Der Kurs der[…]

Tobias Schenkel

Blockchain als Game Changer für das Supply-Chain-Management

Ein Smart Contract ist in der Lage, automatisch[…]

Philipp Scherber

Darwin, Fraud und Instant Payments

Im Zahlungsverkehr tut sich in den letzten Wochen[…]

Philipp Scherber

100 Milliarden

Markus Braun, Chef der Wirecard AG, hält es[…]

Redaktion

Live aus dem Krypto-Valley

Autoren: Michael Lewrick, Christian Di Giorgio Preis: 19,80 Euro Seiten:[…]

Tobias Schenkel

Apple Pay kommt

Google ist schon da...

Thorsten Hahn

Online-Banking: Von wegen Mobile First

Das Smartphone als täglicher Begleiter. Für das Online-Banking[…]

Philipp Scherber

Plötzlich auf der Überholspur

Die Instant Payment-Ankündigung der Sparkassen bringt neuen Fahrtwind[…]

Tobias Schenkel

„Okay Google, ich würde gerne zahlen!“

Der Internet-Riese Google startet mit seiner eigenen Mobile[…]

Tobias Schenkel

Brauchen Banken eine eigene Wallet-App für das mobile Bezahlen?

Gerade die jüngere Kundengeneration bevorzugt bei mobilen Bezahlvorgängen[…]

Volker Koppe

Context Payments: Disruptive Kräfte formen Zahlungsprozesse neu

Die Art und Weise, in der wir Zahlungen[…]

Hartmut Giesen

Mit girocard kontaktlos in die digitale Zukunft

Kunden erwarten von einem modernen Bezahlsystem heute vor[…]

Ralf-Christoph Arnoldt

Aktuelle Payment-Trends im Zuge der Digitalisierung

Bargeldlose Zahlungen gewinnen in Deutschland stetig an Bedeutung.[…]

Dr. Heike Winter

100 Tage Instant Payments – eine erste Bilanz

Überweisungen in Echtzeit könnten etablierte Zahlverfahren überflüssig machen[…]

Gerhard Bystricky

Quo vadis, Payment?

„Beklage nicht, was nicht zu ändern ist, aber[…]

Nicole Jonat

PSD2: Strengere Anforderungen an das Meldewesen

Es ist richtig, dass die überarbeitete Zahlungsdiensterichtlinie (PSD2)[…]

Christoph Schmidt

Multibanking – neue Finanzzentrale vor Herausforderungen

Der Begriff Multibanking beschreibt die Aggregation von Konten[…]

Marten Ahrens

„Bei der Pflicht sicher, bei der Kür am Anfang“

Vernetzung ist einer der Kernaspekte der EU-Zahlungsdiensterichtlinie PSD2.[…]

Philipp Scherber

7 Gründe, warum Kryptowährungen auch 2018 steigen werden

Nicht einmal die größten Optimisten hätten zu Beginn[…]

Marko Mahler

„Will ich der digitale Löwe sein oder das Schaf?“

In einer Gesellschaft, die sich im stetigen Wandel[…]

Daniel Fernandez

Den Kaufprozess anders denken

Das liebe Bargeld hat die Deutschen nach wie[…]

Patrick Urban

Chancen von PSD2 offensiv nutzen

Die meisten Finanzinstitute planen derzeit, nur die Mindestanforderungen[…]

Frank Schnieder

Mobile Payment in Deutschland: Jahresrückblick 2017

Auch in diesem Jahr spielte Mobile Payment hierzulande[…]

Rudolf Linsenbarth