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„Okay Google, ich würde gerne zahlen!“

Der Internet-Riese Google startet mit seiner eigenen Mobile Payment App auf dem deutschen Markt und löst damit einen regelrechten Hype aus. Zur Jungfernfahrt der Amerikaner haben sich hierzulande bisher jedoch nur ein paar Banken eingefunden, welche mit auf die Reise gehen wollen. Denn der deutsche Markt ist schwieriges Terrain.

Von Tobias Schenkel - 27. Juli 2018

Google Pay startet in Deutschland. Aber zahlen die Kunden auch fleißig damit oder Google am Ende nur Lehrgeld? Bildnachweis: iStock.com/BadBrother

Egal ob ich dieses eine großartige Zwiebelkonfitüre-Rezept nachkochen will oder mich mal wieder in irgendeiner fremden Stadt verlaufen habe: Google weiß Rat. Und ab sofort übernimmt es sogar das Bezahlen für mich. Am 26. Juni dieses Jahres startete Google Pay in Deutschland. Das Unternehmen aus Mountain View, Kalifornien gewinnt damit zumindest auf dem deutschen Markt das Rennen gegen Konkurrent Apple, der hierzulande weiterhin mit Startschwierigkeiten zu kämpfen hat.

Zum Start nur vier Banken dabei

Aber auch Google fährt nicht gerade mit Vollgas an. Möchte ich den Dienst nutzen, brauche ich zunächst einmal ein Konto bei einer der bisher nur vier unterstützten Banken: N26, Commerzbank, comdirect oder Wirecard. Eine Kreditkarte bei einer dieser Banken ist ebenfalls notwendig sowie ein Android-fähiges Smartphone mit NFC (Near Field Communication) Chip, welcher den kontaktlosen Datenaustausch zwischen Handy und Bezahlterminal an der Ladenkasse ermöglicht. Das schränkt den potenziellen User-Kreis zunächst ein. Aus einer aktuellen Studie der Bundesbank geht z.B. hervor, dass nur etwa jeder dritte Bankkunde in Deutschland überhaupt eine Kreditkarte besitzt. Die deutschen Volks- und Raiffeisenbanken sind da bereits eine Idee weiter. Sie gehen ab August mit einer eigenen Lösung auf den Markt, welche auch herkömmliche Girokarten unterstützen soll. „Damit gehören die deutschen Genossenschaftsbanken zur ersten Institutsgruppe in Deutschland, die sämtliche ihrer Kartenprodukte über ihre Banking-App auf dem Smartphone digitalisiert“, heißt es in einer offiziellen Stellungnahme.

Trotzdem ist Torsten Daenert, Bereichsleiter Produktmanagement Zahlungsverkehr bei der Commerzbank, begeistert von Google Pay: „Das Gesamtpaket von Google Pay war stimmig, und Google war bereit, in manchen Bereichen vom bisherigen Vorgehen abzuweichen.“ Neben dem ökonomischen Modell des Partners, sei die Wahl vor allem auf Google gefallen, da der Konzern seine Technik für Anpassungen auf den deutschen Markt freigegeben habe. „Für uns gehört der Zahlungsverkehr zur Speerspitze der Digitalisierung. Mit Google Pay bieten wir unseren Kunden nun eine zusätzliche, moderne und bequeme Bezahllösung an“, so Daenert weiter gegenüber BANKINGNEWS.

Skepsis gegenüber Datensammler Google weiterhin groß

Wie genau aber funktioniert der Bezahlvorgang mit Google Pay? Sind die Kreditkartendaten via Photo-TAN erst einmal hinterlegt, kann sofort losgeshoppt werden. Dazu hält man das Smartphone mit entsperrtem Display einfach in die Nähe eines Bezahlterminals an der Ladenkasse. Bei Beträgen bis 25 Euro wird noch nicht einmal eine PIN-Eingabe verlangt. Auch der lückenlose Online-Einkauf z.B. über Shopping-Apps ist möglich sowie das unkomplizierte Senden von Geldbeträgen z.B. an Freunde. Die Idee ist, dass nur Google die sensiblen Kundendaten kennt, nicht aber der Transaktionspartner. Sämtliche Daten verbleiben laut Google und allen teilnehmenden Banken nicht auf dem Smartphone, sondern werden auf sicheren Servern gespeichert.

Trotzdem ist die Skepsis der Verbraucher groß, wie eine Statista-Umfrage zeigt. Gerade Google gilt gemeinhin als Datensammler und wird sicherlich auch seine Bezahl-App dazu nutzen, z.B. Informationen über Kaufverhalten abzufischen. Vielleicht ist dort auch die rigorose Absage des Sparkassen-Verbands begründet, der jüngst in einem Tweet verlauten ließ: „Eine Kooperation mit Google ist in Deutschland keine Option.“ Vielmehr geht man auch hier mit einer eigenen, „Mobiles Bezahlen“ genannten, Lösung an den Start. Die Liebe der Deutschen zum Bargeld sowie der fehlende Zusatznutzen von Mobile-Payment-Services könnten ebenfalls einen langfristigen Erfolg schmälern. Kontaktlos bezahlen kann man schon seit einiger Zeit mit den meisten neuen Girokarten, wieso also das Smartphone nutzen?

Ein konkreter Mehrwert ist wichtig

Für einen Umstieg auf das neue System müssten konkrete Anreize geschaffen werden. Zu diesem Schluss kommt auch eine aktuelle Studie von PricewaterhouseCoopers, welche Akzeptanz und Verbreitung von Mobile Payment in Deutschland untersucht hat. Dort heißt es: „If mobile payment is part of an attractive service offering, customers will increasingly use it.“

Die Straßen für einen möglichen Siegeszug von Mobile Payment sind jedenfalls schon mal geteert. Im Einzelhandel verfügen bereits rund 60 Prozent aller Kassenterminals über die nötige NFC-Technologie. Jetzt kommt es auf die Verbraucher an, findet auch Daenert: „Ein echter Erfolg wird das mobile Bezahlen, wenn alle mitmachen – Banken, Händler und am Ende auch die Konsumenten.“

Die zeigten sich in der Vergangenheit jedoch wenig euphorisch. Wir erinnern uns: Bereits vor knapp zehn Jahren startete die Deutsche Bank die erste Mobile-Payment-Lösung auf dem deutschen Markt – und niemand interessierte sich dafür. Mobile-Payment-Nostalgiker kennen vielleicht auch noch die Vodafone-Wallet, die einst mit viel Furore an den Start ging und nun mangels öffentlichem Interesse zum Ende des Monats eingestellt wird. Auch O2 und Base sowie die Telekom haben bereits aufgegeben. In einem Land, in dem jeder Mensch mehr Bargeld bei sich trägt als irgendwo sonst in der Eurozone, durchschnittlich 107 Euro, ist das nicht verwunderlich. Es wird sich also zeigen, ob Google Pay dem Hype gerecht wird, oder auf dem deutschen Markt letztendlich auch nur Lehrgeld zahlt.

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