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Dinge, die aus der Finanzbranche verschwinden – heute: die Krawatte

Zugegeben, das Thema „Banker ohne Krawatte“ ist nicht ganz neu. Aber unser Eindruck ist, der Trend gegen die Krawatte im Bankenviertel verstärkt sich. Auch in unseren Interviews in der BANKINGNEWS und auf bankingclub.de zeichnet sich ab: Die Herren Vorstände erscheinen immer häufiger oben ohne. Wir schauen da jetzt mal etwas genauer hin.

Von Thomas Friedenberger - 29. Mai 2020
Banker oben ohne? Ja, denn heutzutage sieht man immer mehr Banker ohne Krawatte, Daily Über den Tellerrand

Foto: iStock.com/gt29

Als wir Ulrich Voigt, den Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse KölnBonn, zum Interview treffen, trägt er, wie es sich für einen Banker gehört: einen dunklen Anzug und ein weißes Hemd. Aber es fehlt: die Krawatte. Wir fragen ihn am Ende des Interviews: „Man sieht Sie immer öfter ohne Krawatte. Ist das nicht eine Art Etikettenschwindel in der Branche? Die Krawatte verschwindet, aber sonst ändert sich kaum etwas?“

Ulrich Voigt ist in seinem Element und sagt: „In dem Punkt hat sich die Gesellschaft deutlich geändert. Auch in großen Anwaltsbüros kommen Partner ohne Krawatte. Als Organisation fragt man sich: Bleibt man Ewiggestriger? Gehört das zur Arbeitskleidung oder ist es Zeit, sich an Kunden anzupassen? Wir hatten den Eindruck, dass ein krampfhaftes Festhalten an der Krawatte zunehmend zu Irritation und Distanz bei Kunden geführt hat.“

Das sind mal deutliche Worte: krampfhaftes Festhalten, Irritation, Distanz. Jetzt wollen wir aber ein konkretes Beispiel hören. Sparkassenvorstand Voigt hat eins: „Wenn Sie als Vorstand zum Kunden kommen und er sagt, er habe seine Krawatte nur für den Termin angezogen, dann merkt man, da läuft was schief.“

Sparkasse hat ihre Kleiderordnung angepasst

Das war einer der Gründe, warum seine Sparkasse ihre Kleiderordnung angepasst hat und sie „mehr Freiraum lassen“, so Voigt. Er betont: „So ein inszenierter Tabubruch hat auch kulturelle Auswirkungen. Diese Arbeitsanweisung war die erste, die innerhalb eines Tages komplett umgesetzt wurde.“ An dieser Stelle musste selbst der Profi Voigt von der zweitgrößten Sparkasse Deutschlands mal kurz lächeln.

Dann wird der Vorstandsvorsitzende aus Köln aber wieder ernst, schließlich geht es auch um „kulturelle Auswirkungen“ in einer Bank, ein ganz wesentliches Thema. Ex-Krawattenträger Ulrich Voigt: „Das hat bei den Kollegen den Eindruck hinterlassen, dass sich etwas tut. Man kann nicht sagen, ihr müsst anders arbeiten, ihr müsst digitaler werden, ihr müsst kundenorientierter werden und auf der anderen Seite sagen, alles bleibt beim Alten. Wir sind vorher schon andere Schritte Richtung Modernisierung und Digitalisierung gegangen. Wir haben den Schritt weg von der Krawatte also nicht vorweggenommen, um Agilität nur zu vermitteln.“

Auch ohne Krawatte stilvoll und bürogeeignet kleiden

Auch Stephan Vila, Geschäftsführer der Creditreform Boniversum GmbH, sagt am Rande eines Gesprächs, als wir ihn auf das Thema ansprechen: „Ich glaube, es wandelt sich nicht nur in unserer Branche etwas, sondern allgemein“. Bewerber lesen auf den Karriereseiten seines Unternehmens, dass der Anteil der Anzugsträger hier unter zehn Prozent liege. Geschäftsführer Vila: „Ein Anzug mit schöner Krawatte ist schon schick. Aber man kann sich auch anders stilvoll und bürogeeignet kleiden. Für uns stehen die Persönlichkeit und Kompetenz der Mitarbeiter im Vordergrund, nicht ihr Kleidungsstil.“ Basta. So sollte es eigentlich überall sein.

Ebenfalls ohne Krawatte, aber mit Designerbrille

Persönlichkeit und Kompetenz sollten in der Finanzbranche also im Vordergrund stehen, nicht ein bestimmter Kleidungsstil. Michael Luhnen, Managing Director von PayPal Deutschland, Österreich, Schweiz, präsentierte sich auf dem Foto zum Interview mit (fast) perfekten Lächeln, aber eben auch ohne Krawatte. Er spricht im Interview über bargeldlose Bezahlwege, Voice Commerce, Kundenvertrauen und warum es keine Zeiterfassung in seinem Unternehmen gibt.

Constantin Fabricius, der Geschäftsführer des Verbands deutscher Kreditplattformen, präsentierte sich auf dem Foto zum Interview (jetzt zu lesen in der neuen BANKINGNEWS-Ausgabe) ebenfalls ohne Krawatte, aber mit Designerbrille. Auch er spricht über aktuelle Themen, die die Branche bewegen (und noch ein bisschen mehr): über digitale Finanzierungsalternativen, neue Branchenstandards, besondere Risikoalgorithmen, lange Niedrigzinsphasen – und mobile Eisverkäufer. Bei vielen aktuellen Interviewpartnern sieht man: Persönlichkeit soll man sehen (können), gegen Stil hat niemand etwas einzuwenden.

Die VR-Bank und das gelockerte Business-Outfit

Die VR Bank Südliche Weinstraße-Wasgau wollte es genau wissen und ließ den wichtigsten Personenkreis für die Bank entscheiden: ihre Kunden. Zur Auswahl in der Befragung standen der klassische Business-Look, mit Anzug und Krawatte für die Herren und Kostüm für die weiblichen Angestellten der Bank, ein etwas legereres Auftreten im Business Casual-Stil oder Smart Casual, also gehobene Freizeitkleidung.

Von über 1.000 Bankkunden, die abgestimmt haben, wünschten sich mehr als 90 Prozent, dass Anzug und Krawatte sowie das Kostüm im Kleiderschrank bleiben können. Seitdem heißt der Dresscode in der VR-Bank Business Casual. Für die Bank sei das gelockerte Business-Outfit „auch Ausdruck einer modernen Unternehmensidentität“, die der Erwartungshaltung von Mitgliedern und Kunden entgegenkomme.

Früher waren Anzüge, Krawatten, Kostüme und Blusen Pflicht

Schon Ende 2017 ließ die Sparkasse Dieburg ihre Auszubildenden im Rahmen ihrer Projektarbeit Mitarbeiter und Kunden zum Thema Kleiderordnung befragen. „Jahrelang“, schreibt die Sparkasse Dieburg in einer Mitteilung, „waren dezente Anzüge, Krawatten, Kostüme, Hosenanzüge und Blusen Pflicht.“ Immer öfter zeigten jedoch Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, aus Politik und Wirtschaft eine „zeitgemäße Lockerheit“ in Fragen der Kleidung. Daher überraschten auch die Ergebnisse der Mitarbeiter- und Kundenumfrage nicht und belegten den Trend in der Bankenlandschaft.

Die Verantwortlichen der Sparkasse Dieburg sind davon überzeugt, dass eine gute Beratung nicht von einem Anzug oder einem Kostüm abhängt, sondern von Ausbildung, Beratungsqualität und Persönlichkeit. In Beratungsgesprächen oder Kurzbesprechungen am Schalter sind Empathie und Kompetenz „wichtiger als die Wahl der Krawatte“. Die Mitarbeiter der Sparkasse tragen seitdem gehobene Freizeitkleidung. Die Krawattenpflicht in der Sparkasse fiel weg – ersatzlos.

Bart und Fliege, Oxfords oder Budapester

Und da Banker mit Stil einfach besser sind als Banker ohne, haben wir uns auch um andere wichtige Fragen gekümmert, die die Persönlichkeit unterstützen können: „Der Bart in der Finanzbranche“ und „Die Fliege als Klassiker“ sowie die ewige (Schuh-)Frage: „Oxfords oder Budapester?“.

Von Thomas Friedenberger

Daily-Highlights: Sie möchten mehr von unseren Dailys? Dann lesen Sie hier mehr über Bankvorstände im Elfenbeinturm oder zum Frauenförderprogramm der EZB.

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